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      Kommentar von Wolfgang Bullin

      Ein Thema – auch heute noch

      Noch nie wurden so viele Christen um ihres Glaubens willen verfolgt, drangsaliert oder getötet wie in unserer Zeit.

      Nicht nur wegen Corona dürften die meisten wohl kaum etwas davon mitbekommen haben, allenfalls über eine entsprechende Fürbitte im Gottesdienst: Am 26. Dezember, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, hat die katholische Kirche in Deutschland den „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“ begangen. Der Termin wurde gewählt, weil es der Gedenktag des heiligen Stephanus ist, des ersten christlichen Märtyrers.

      Der Begriff Märtyrer lenkt vermutlich bei vielen den Blick in Richtung Vergangenheit. Der Heiligenkalender bietet ja zahlreiche Beispiele von Märtyrern, von den römischen Arenen des Urchristentums bis zu den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Diese Vergangenheitsorientierung geht oft einher mit der Meinung, dass solches Schicksal heute eher eine Ausnahmeerscheinung sei. Doch gerade das Gegenteil ist der Fall.

      Noch nie wurden so viele Christen um ihres Glaubens willen verfolgt, drangsaliert oder getötet wie in unserer Zeit. Laut „Open Doors“, einem 1955 gegründeten überkonfessionellen christlichen Hilfswerk, sind derzeit weltweit rund 309 Millionen Christen „einem sehr hohen bis extremen Maß der Verfolgung ausgesetzt“. Ob nun in China, auf dem afrikanischen Kontinent, in verschiedenen Regionen Indiens oder im Iran, in nahezu allen Winkeln dieser Welt werden Christen verfolgt oder unterdrückt.

      Beispielsweise auch in Vietnam, das die 2003 gegründete Initiative der deutschen Bischöfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ als Schwerpunktregion für den Gebetstag 2021 ausgewählt hatte. Auch wenn diese Initiative in erster Linie die christlichen Glaubensgeschwister im Blick hat, geht es ihr auch um die Religionsfreiheit allgemein, da nicht nur Christen um ihres Glaubens willen verfolgt werden.

      Der Gebetstag ist bereits vorbei, wenn dieses Heft erscheint. Warum dann dieser Text? Weil das Thema nicht nur an einem Tag im Jahr präsent sein sollte, und um sich klar zu machen, in welch privilegierter Situation man selbst lebt.    

      Wolfgang Bullin

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