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Vor 125 Jahren wurde der „Kiliansbrunnen“ auf dem Würzburger Bahnhofsvorplatz eingeweiht

Ein Dankeschön des Prinzregenten

Seit 125 Jahren segnet Kilian Würzburg. Allerdings nicht vom Dom, Neumünster oder von der Festung aus. Nein, die Bronzestatue, die der Aschacher Bildhauer Balthasar Schmitt entworfen hat, steht vor dem Würzburger Hauptbahnhof auf der dritten Schale des monumentalen „Kiliansbrunnens“ aus ­weißem Carrara-Marmor. Gegossen wurde die rund 400 Kilogramm schwere Figur 1895 in der bekannten Münchner Erzgießerei Ferdinand von Miller.

In München residierte zu dieser Zeit auch der Auftraggeber des Brunnens: Prinzregent Luitpold aus dem Haus Wittelsbach. Die Verbindung des Namensgebers der kunst- und festfreudigen „Prinzregentenzeit“ zu Würzburg war eng: Am 12. März 1821, vor fast 200 Jahren, wurde der dritte Sohn des späteren bayerischen Königs Ludwigs I. in der Residenz geboren.

Geburtsstadt

So verwundert es nicht, wenn in bronzenen Lettern auf der zum Bahnhof gewandten Seite des Brunnenschafts die Inschrift in Großbuchstaben zu lesen ist: „Meiner lieben Geburtsstadt Würzburg zur Erinnerung  an die unvergesslichen Tage im Jahre 1894“ – eine Anspielung auf das Festprogramm zur Enthüllung des Luitpold gewidmeten „Frankoniabrunnens“ vor der Residenz am 3. Juni 1894.

Initiiert hatte den „Schwesterbrunnen“ des „Kiliansbrunnens” der unterfränkische Regierungspräsident Friedrich Graf von Luxburg, um an den 70. Geburtstag des Prinzregenten am 12. März 1891 zu erinnern. Ein verspätetes, vom Regierungsbezirk und der Stadt finanziertes „Geburtstagsgeschenk“: Der unlängst von der Schlösserverwaltung aufwändig restaurierte „Frankoniabrunnen“ wurde erst drei Jahre nach dem eigentlichen Jubiläum vor Luitpolds „Geburtshaus“ aufgestellt.

Frankoniabrunnen 

Anders als im Fall des „Kiliansbrunnens“ waren an der Planung und Ausführung des „Frankoniabrunnens“ nur Münchner Künstler beteiligt: „Den Entwurf zur Anlage des Monumentalbrunnens fertigte Gabriel von Seidl, den opulenten Figurenschmuck – das Standbild der Patrona Franconiae und die Sitzfiguren Walthers von der Vogelweide, Matthias Grünewalds und Tilman Riemenschneiders – fertigten Ferdinand von Miller d. J. und seine Werkstatt“, berichtet der Kunsthistoriker Stefan Kummer im dritten  Band der „Geschichte der Stadt Würzburg“. Bei der Auftragserteilung für seine „Gegengabe“ entschied sich der Prinzregent allerdings für fränkische Künstler.

Kummer weist darauf hin, dass der in nur drei Monaten geschaffene „Kiliansbrunnen“ quasi eine Vermittlerfunktion erfülle: „Als habe man mit dem Kiliansbrunnen nicht nur einen patriotischen, sondern auch einen künstlerischen Brückenschlag zwischen Würzburg und dem bayerischen Königreich bezweckt, lieferte den Entwurf zur Brunnenarchitektur der Würzburger Stadtbaurat Peter Bernatz, während die Ausführung des gesamten plasti- schen Schmuckes Balthasar Schmitt, einem (…) Schüler Michael Arnolds, der nunmehr als Professor in München wirkte, anvertraut wurde.“ Mit der Ausführung der Ornamente am Schaft und der Schalen aus Carrara-Marmor hatte der Prinzregent fränkische Handwerker beauftragt.

Die Enthüllung des Brunnens am 8. Juli 1895 durch Luitpold höchstpersönlich – die  Segnung nahm anschließend Bischof Franz Joseph von Stein, ab 1897 Erzbischof von München und Freising, vor – bot den Anlass für glanzvolle Festtage: mit einem Radwettfahren, einem Besuch des Prinzregenten bei dem Volksfest auf dem Sanderrasen und einem Festbankett im „Schrannensaal“ am 9. Juli 1895.

Wiederauferstanden

Beinahe wäre das „vollendete Kunstwerk“ den Nationalsozialisten zum Opfer gefallen: 1943, im Zweiten Weltkrieg, musste Kilian seinen Platz vor dem Bahnhof aufgeben – die Bronzeskulptur sollte in Hamburg eingeschmolzen werden. 1948 gelang es Museumsdirektor Max H. von Freeden, den Frankenapostel bei einem Schrotthändler ausfindig zu machen. Nachdem die Stadt das verloren geglaubte Kunstwerk angekauft hatte, segnet Schmitts Schöpfung seit 1949 wieder die Mainmetropole.

2001 wurde der „Kiliansbrunnen“ schließlich stillgelegt, da sich in den Brunnenschalen Risse gebildet hatten. Dank der Beharrlichkeit des Verschönerungsvereins entschloss sich die Stadt schließlich doch, den maroden Brunnen für rund 1,4 Millionen Euro restaurieren zu lassen – 2009 waren die rund eineinhalbjährigen Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen. Ein Glück für Würzburg: Kaum eine deutsche Stadt begrüßt ihre Gäste mit einem so „südlich“ anmutenden Kunstwerk. Und vielleicht sagt insgeheim manch einer an einem Sommertag: „Danke schön für die Abkühlung, Herr Prinzregent!“

    Stefan W. Römmelt

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