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      Der zweite Corona-Jahrgang schließt die Schule ab

      Eben noch in der Klasse – und jetzt?

      Geschlossene Schulen, leere Diskotheken, Prüfungen mit Maskenpflicht – die Corona-Pandemie hat tief ins Leben junger Leute eingegriffen. In diesem Sommer verlässt der zweite Corona-Jahrgang die Schulen. Die Abgänger treffen auf eine Welt, die komplizierter geworden ist und weniger Chancen bietet als vor dem Corona-Einbruch. Drei von ihnen berichten.

      „Wenn man einen Praktikumsplatz sucht, hat man Probleme wegen Corona.“ Das weiß Mariela Sikic (15). Ein Praktikum braucht sie zwar nicht, denn sie will nach dem Mittelschulabschluss im Juli für weitere zwei Jahre die Schule besuchen. Doch Neuntklässler, die wie Sikic in diesen Tagen Prüfungen ablegen und dann die Schule verlassen, sind wegen der Pandemie im Nachteil. Praktika und Ausbildungsplätze waren schwerer zu bekommen. „Ich denke schon, dass Leute verunsichert sind“, sagt Sikic über ihre Abschlussklasse. Die geschwächte Gastronomie biete zum Beispiel viel weniger Arbeitschancen als vor der Pandemie.

      Aufgeschoben

      Mariela Sikic besucht die Dalberg-Mittelschule in Aschaffenburg. Die Schule will Jugendlichen in den höheren Klassen beim Berufseinstieg helfen. Bei der Agentur für Arbeit gibt es eine feste Ansprechpartnerin, die zu Einzelgesprächen in die Schule kommt. Außerdem hat eine Beraterin der Gesellschaft zur beruflichen Förderung (GbF) ein Büro in der Schule: Julia Bär-Basirico. Sie hilft den jungen Frauen und Männern beim Schreiben von Bewerbungen oder bereitet sie auf Bewerbungsgespräche vor. Und sie beobachtet: „Viele Schüler haben sich für weiterführende Schulen angemeldet, wenn es von den Noten her möglich war.“ Bär-Basirico vermutet einen Zusammenhang mit der Corona-Krise. Gerade kleine Betriebe habe die Krise hart getroffen. Dadurch fielen Ausbildungsplätze gerade für Mittelschüler weg. Ein möglicher Ausweg: den Sprung ins Berufsleben aufschieben.

      Mariela Sikic wird es voraussichtlich schaffen, auf die weiterführende Schule zu wechseln. Obwohl Corona die Prüfungsvorbereitungen erschwert hat. Seit Frühjahr 2020 wurde Sikic zeitweise zu Hause am Computer unterrichtet. Wenn sie an den Distanzunterricht denkt, fällt ihre Bilanz gemischt aus: Die Distanz zu den Lehrkräften habe das Mitkommen im Unterricht erschwert. Andererseits habe man im Lockdown mehr Zeit zum Lernen gehabt. Mit Freunden habe sie nicht viel unternehmen können, das sei „nervig“ gewesen. Sikic drückt damit aus, was etliche Jugendliche seit 2020 erlebt haben: Corona ließ ihr Leben eintöniger werden.

      Daheim im Zimmer

      Besonders gerne denkt auch Elise Ebert (16) aus Hammelburg nicht an den Distanzunterricht zurück. Ebert besucht die Theodosius-Florentini-Schule in Gemünden. Voraussichtlich im Juli schließt sie die Schule mit der Mittleren Reife ab. Die unmittelbaren Vorbereitungen auf die Prüfung fanden vor Ort in der Schule statt – „zum Glück“, kommentiert sie. „Wenn man dreieinhalb Stunden vor dem Bildschirm sitzt, schweifen die Gedanken ab. Ich schaue in meinem Zimmer die Ecken an und denke, es müsste mal wieder geputzt werden.“ Zweimal saß Ebert zwangsweise zu Hause, gleich zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 und dann im Lockdown im Winter.

      Sie erinnert sich: „Ich bin mit dem Homeschooling nicht zurechtgekommen. In der ersten Zeit war alles ziemlich unstrukturiert. Zwischen halb sieben Uhr früh und halb zwölf Uhr nachts haben Lehrer Arbeitsaufträge geschickt. Dann hat man Nachrichten aufs Handy bekommen und war so gezwungen, ständig an die Schule zu denken.“ Der Schnitt zwischen Schule und Freizeit fiel plötzlich weg. Dass viele soziale Kontakte fehlten, verkraftete Ebert nach eigener Aussage gut. „Wenn man älter ist, kann man damit umgehen. Aber ich glaube, für Fünft- und Sechstklässler war es extrem schlimm. Den Kleinen fehlt sozialer Kontakt.“ Eine Woche vor den Osterferien wurden die Jüngsten in die Schule zurückgerufen und nach den Ferien mussten sie gleich wieder zu Hause bleiben, erinnert sich Ebert – Schulalltag in Deutschland 2021.

      Lernrückstand

      Da sie selbst zur Abschlussklasse gehört, hatte Elise Ebert bevorzugt Präsenz­unterricht. Die Prüfungsvorbereitungen hat Corona allerdings durchkreuzt. In Mathe fiel in der neunten Klasse wegen des Lockdowns Lernstoff weg, der jetzt in der zehnten Klasse nachgeholt werden musste. So hatten Ebert und ihre Mitschülerinnen weniger Zeit zum Üben und Wieder­holen. „Ich glaube, dass wir in den Themengebieten nicht so sicher sind wie die vorherigen Abschlussklassen und wir dadurch eventuell einen kleinen Nachteil haben.“

      Elise Ebert hat sich entschieden, im September auf die Fachoberschule zu wechseln. Ihre Mitschülerinnen, die die Schule beenden, haben Ausbildungsstellen gefunden, wie sie berichtet. Sie hätten sich aber schon 2020 beworben. „Das kann man als Glück sehen“, sagt Ebert angesichts der seither verschärften Situation auf dem Ausbildungsmarkt.

      Studien belegen, dass die Pandemie auf die Psyche junger Menschen drückt. 56 Prozent der 16- bis 29-Jährigen fühlen sich seit Beginn der Pandemie häufig einsam, berichtet die pronova BKK. Die Krankenkasse hatte eine repräsentative Erhebung in Auftrag gegeben, bei der im März und April 1000 junge Leute online befragt worden waren. Der Titel des Projekts: „Generation Corona“. Andere Erhebungen weisen in dieselbe Richtung. Reduzierte Kontakte und unsichere berufliche Perspektiven setzen junge Leute unter Druck.

      Blockiert

      Linus Hartmann (17) aus Würzburg hat in diesem Jahr am örtlichen Siebold-Gymnasium das Abitur bestanden. Und er bestätigt: „Durch die Pandemie habe ich realisiert, wie viele psychische Probleme es bei Menschen in meinem Alter gibt. Das hat sich nicht neu durch die Pandemie entwickelt, vieles kam durch die Pandemie erst raus. Das fand ich schon erschreckend.“ Bei Gesprächen mit Gleichaltrigen merke er, dass manche Krise über bloße Zukunftsängste hinausgehe, erzählt Hartmann. Eine Anlaufstelle sei dann etwa das psychologische Team an der Schule. Zwei Jahre lang bereitete sich Hartmann auf die Prüfungen vor, davon die meiste Zeit unter Corona-Bedingungen. Als er das erste Mal Distanz­unterricht erlebte, nahm er es noch gelassen hin. Er habe die Schule damals „ein bisschen vernachlässigt“, räumt er ein.

      Dann kam gegen Ende des Jahres die zweite Homeschooling-Phase. Die kündigte sich an, als Hartmann und seine Mitschüler wegen Corona­erkrankungen in der Jahrgangsstufe zweimal in kurzer Folge in Quarantäne mussten. „Beim ersten Mal hatte man schon ein wenig Angst“, erinnert er sich. Dann mussten wegen der Quarantäne angesetzte Klausuren verschoben werden. Hartmanns Klasse geriet in zeitlichen Verzug, Nervosität machte sich breit. Schließlich fließen Klausurnoten in die Abiturnote mit ein.

      Bestanden hat Hartmann das Abi trotzdem. Aber die Prob­leme der Schulabgänger sind nicht vorbei. „Sehr viele haben gesagt, sie pausieren, weil sie keine Lust haben auf Online-Uni“, erzählt er. Wer ins Ausland möchte, sei ebenfalls blockiert. Hartmann selbst will für ein Jahr in eine Gastfamilie, etwa nach Irland. Bis ein Auslandsjahr in greifbare Nähe gerückt ist, wird er mit Praktika die Zeit überbrücken – unter anderem beim Würzburger katholischen Sonntagsblatt.     

      Ulrich Bausewein

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