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Kirchenbank in Würzburg hat zwei Katastrophen überlebt

Doppeltes Martyrium

Es war wie im Film“, sagt Pfarrer Klaus Öhrlein, als er von der Brandstiftung im Frühsommer vergangenen Jahres berichtet. Schon bei der Kommunion waren dem Seelsorger die schwarzen Hände einiger Gottesdienstbesucher aus den hinteren Reihen aufgefallen. Als dann nach dem Gottesdienst ein Ehepaar zu ihm in die Sakristei kam und sich über schwarze Flecken an Kleidung und Händen beklagte, wurde er hellhörig und sah nach.

„Entsetzt stellten wir fest, dass in einer der hinteren Reihen eine Polsterauflage in Brand gesteckt worden war. Der Ruß der vor sich hin kokelnden Auflage hatte sich dann wohl in der Umgebung verteilt“, erzählt Öhrlein. Die Polizisten hätten bei der Aufnahme der Brandstiftung nur den Kopf geschüttelt.

Zwei Brandschäden

Als dann ein Sachverständiger der Versicherung den Schaden begutachtete, stellte er fest, dass auch an der Unterseite einer weiteren Bank Brandspuren zu sehen sind. Rasch stellte sich heraus: Dieser Schaden war nicht neu, sondern zeugt von einer nunmehr 74 Jahre zurückliegenden Katastrophe: Gemeinsam mit neun weiteren hat die Kirchenbank den Feuersturm des 16. März 1945 überlebt, der auch die Pfarrkirche St. Josef zur Ruine und Pfarrhaus und Josefssaal zum Schutthaufen gemacht hatte.

Erkennbar sind die „Überlebenden“ aus den hinteren Reihen an den Schnitzereien auf den Wangen zum Mittelgang hin. Am Fuß der Bänke deuten nummerierte Plaketten darauf hin, dass die Sitzbänke früher an anderer Stelle im Kirchenraum standen. Eine der Schnitzereien bewahrt sogar die Erinnerung an die Stifterin aus der Zeit der Erbauung der Kirche (1903–1905): Sabine Widmann. Nachforschungen Öhrleins zufolge wurde Widmann 1856 am Bodensee geboren, heiratete 1879 den evangelischen Wilhelm Widmann und lebte bis zu ihrem Tod 1932 im Würzburger Stadtteil Grombühl.

Ehemann Wilhelm war Prokurist bei der Maschinenfabrik Johann Heinrich Reinhardt – also auf just dem Areal, auf dem die Josefskirche gebaut wurde. Wer die traurigen Spuren der Brandnacht selbst in Augenschein nehmen möchte, muss entweder einen Spiegel mitbringen oder sich auf den Boden legen und die Reihen durchsuchen. Die Reste der Brandstiftung aus dem Jahr 2018 sind deutlich leichter zu entdecken.

Unter Plexiglas

Schon im Gespräch mit dem Sachverständigen sei ihm die Idee gekommen, Asche und Schmorspuren zu konservieren und zu einem Mahnmal zu machen, so Klaus Öhrlein. Umso wichtiger sei ihm dies geworden, als klar wurde, dass die Bank ein „doppeltes Martyrium“ hinter sich hat. Die mit einer Plexiglasscheibe versehene Holzbank steht nun seit einigen Wochen wieder an ihrem angestammten Platz im Kirchenraum.

Die bewusst mehrdeutig gehaltene Aufschrift „Keine Lösung“ soll heutigen Besuchern Erinnerung und Mahnung zugleich sein. „Wir fordern damit jeden Besucher auf, den Satz für sich weiterzudenken, etwa im Sinne von Gewalt ist keine Lösung, Brutalität ist keine Lösung, Krieg ist keine Lösung “, so Öhrlein. Reaktionen aus der Gemeinde hat der Seelsorger bisher nicht erhalten. Die Tatsache aber, dass die Kirchenverwaltung die Verkleidung mit einer Plexiglasscheibe sofort für gut befunden und bezahlt hat, zeigt ihm, dass der Weg richtig ist und von vielen mitgetragen wird.     

Anja Legge

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