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    Gedanken zum Evangelium

    Dieses Wort schenkt Macht

    Worte sind mächtig. Das erleben wir aktuell in einer ganz neuen Dimension. Vor allem die sozialen Medien ermöglichen Worten eine Wirkmacht, die sie bisher nie hatten

    Evangelium

    Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.    

    Johannes 1,1–5.9–14

    So gelang es Donald Trump, mit über 30 000 Lügen und Falschaussagen etwa die Hälfte der US-Amerikaner hinter sich zu versammeln. Der Messenger Telegram, der es ermöglicht, Gruppen beliebiger Größe zu bilden, wird von Corona-Skeptikern, Querdenkern oder Rechten als Plattform genutzt, um ihre Ansichten zu verbreiten, von denen sonst weit weniger Menschen erfahren würden. Die Macht der Worte geht dabei nicht unbedingt einher mit ihrem Wahrheitsgehalt. Menschen schließen sich starken Wortführern an in der Hoffnung, dass deren Macht ein Stück weit auf sie abfärbt.

    Johannes beginnt den Prolog seines Evangeliums auch mit dem Wissen um die Macht des Wortes. Die Heilige Schrift berichtet an etwa tausend Stellen von einem Gott, der spricht und dessen Verheißungen dann auch eintreten, wie es uns zum Beispiel der Schöpfungsbericht im Buch Genesis eindrucksvoll vor Augen führt. Gott sprach – und es wurde!

    Hier bei Johannes meint das Wort aber noch mehr als nur einen Befehl oder Auftrag Gottes, der zu einer neuen Wirklichkeit wird. Der Logos, das Wort, von dem Johannes spricht, meint Jesus Christus selbst, seinen Sohn, der schon im Anfang der Welt bei Gott war, der selbst Gott ist, der bei der Schöpfung beteiligt war, durch den alles Leben und alles Licht für die Menschen wurde.

    Nichts weniger als eine Kurzform der ganzen Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen komprimiert der Evangelist in diese 18 Verse des Johannes-Prologs. Und zugleich sind diese Verse die Weihnachts­geschichte des Johannes, auch wenn sie so ganz anders klingen als die vertrauten Erzählungen von Lukas und Matthäus. Christus, das wahre Licht, kam in die Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht. Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, wir durften Gottes Gnade, Wahrheit und Herrlichkeit sehen – aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Da wirkt das göttliche Wort erstaunlich ohnmächtig.

    Gott kommt in Jesus nicht mit Macht in unsere Welt, obwohl er so wirkmächtig zu sprechen vermag. Das wird in seiner Geburt als schutzloses, hilfebedürftiges Baby deutlich. Er kommt aus Liebe und er lädt uns zur Liebesantwort ein. Seine Gnade, sein Licht, seine Wahrheit und Herrlichkeit sind nichts als Geschenk aus Liebe, um uns die Macht zu schenken, Kinder Gottes zu werden. Er lässt uns alle Freiheit, ob und wie wir seine Liebe annehmen wollen.

    Das ist eine ganz andere Art von Macht als die der Manipulation von Massen durch Social Media. Als Kinder Gottes ist uns geschenkt, die Wahrheit für unser Leben zu erkennen. Nutzen wir diese Macht!

    Ulrich Emge („ulrich. emge@bistum-wuerzburg.de“) arbeitet als Pastoralreferent in den Pfarreiengemeinschaften Franziska Streitel, Mellrichstadt, Fladungen – Nordheim und Besengau, Bastheim.