Hinweis

Ihre Browserversion wird leider nicht mehr unterstüzt. Dies kann dazu führen, dass Webseiten nicht mehr fehlerfrei dargestellt werden und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren oder einen der folgenden Browser zu verwenden:

Himmel

Die Sternsinger waren wieder unterwegs!

Unsere Bildergalerie zeigt einige der Gruppen, die im Bistum als Drei Könige durch die Orte gezogen sind und den Segen in die Häuser gebracht haben.

    Unsere Bildergalerie zeigt einige der Gruppen, die im Bistum als Drei Könige...

    Mehr

    Die Mysterien finden im Warten statt

    Warten spielt sich nicht in einer religiösen Sonderwelt ab, es findet – wie alle großen religiösen Erfahrungen – mitten im Alltag statt. Die großen Warteräume, in denen religiöse Erfahrungen gemacht werden können, haben heute nur andere Namen. Die Mysterien finden im Warten statt. Das machen uns biblische Texte im Advent immer neu bewusst. Und so steht heute am Beginn der Adventszeit wieder dieser programmatische Ruf: „Seid also wachsam!"

    Evangelium

    In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging, und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen. Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen. Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht. Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
    Matthäus 24,37–44


    „Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt.“ Berühmt geworden ist dieses Zitat des großen Künstlers Joseph Beuys, das er am 7. November 1979 mit weißer Farbe auf einen schwarzen Karton geschrieben hat.
    Mysterien – das heißt: Menschen spüren das Ergriffensein von einer anderen Welt. Das heißt: Göttliche Geschichten spielen sich im Leben von Menschen ab. Beuys behauptet: Sie finden im Hauptbahnhof statt. Sie spielen sich neben den Geleisen in gefühlsintensiven Abschiedsszenen ab, wenn Menschen sich trennen müssen und den Abschiedsschmerz spüren; wenn sie beim Hinausfahren des Zuges noch neben dem Zug herrennen; der Wegfahrende noch aus dem Fens-ter hängt und so lange winkt, bis sich beide nicht mehr sehen. Sie spielen sich ab, wenn Menschen vor Freude und innerer Anspannung auf einen geliebten Menschen warten. Mysterien, das sind die glücklichen Momente, wenn Menschen sich nach langer Zeit wieder sehen, aufeinander zurennen und sich lachend oder weinend in den Armen liegen. „Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt“, behauptet Joseph Beuys. Im allernormalsten Leben findet das Allerheiligste statt. Die Mysterien finden im Warten statt.
    Heutzutage fällt mir auf: Diese zu Herzen gehenden Abschieds- und Begrüßungs-Szenen finden immer seltener im Hauptbahnhof statt. Niemand kann sich mehr aus dem ICE hinauslehnen, die Scheibe he-runterkurbeln. Das Zeitalter der Handys macht sich bemerkbar. Es gibt keinen Schnitt mehr, wenn der andere weg ist: Dauernd kann telefoniert werden. Man braucht eigentlich auch nicht zu warten, weil man schon längst per Handy weiß, wo der andere ist, weil man mit ihm gesprochen hat, lange bevor man ihn wirklich wieder sieht.
    Auch wenn der Hauptbahnhof für viele Menschen nicht mehr der Ort der intensiven Gefühle ist, ich glaube trotzdem: Beuys hat Recht. Das Warten spielt sich nicht in einer religiösen Sonderwelt ab, es findet – wie alle großen religiösen Erfahrungen – mitten im Alltag statt. Die großen Warteräume, in denen religiöse Erfahrungen gemacht werden können, haben heute nur andere Namen.
    Die Mysterien finden statt, wenn ein junges Paar ein Kind erwartet, es sich ausmalt, wie das Leben mit Kindern einmal sein wird. Wenn es von einer guten Zukunft mit ihrem Kind träumt. Die Mysterien finden statt, wenn Vater und Mutter sich über das Kind im Bettstättchen beugen und sich nicht satt sehen können am schlummernden Kind. Da bricht Gott ins Leben von Menschen ein und neu wird bewusst, welch ein Geschenk das Leben ist.
    Die Mysterien finden statt, wenn der junge Ingenieur voller Erwartung seine neue Aufgabe in Angriff nimmt. Wenn er konzentriert im Labor die Versuchsergebnisse auswertet und davon träumt, dass er etwas Wichtiges entdeckt und die Forschung nach vorne bringt. Die Mysterien finden statt, wenn er spürt: Das Durchhaltevermögen, der zähe Fleiß, das Warten auf die entscheidende Idee hat sich gelohnt.
    Die Mysterien finden aber auch im belastenden oder bangen Warten in einem Krankenhauszimmer statt; wenn die Zeit nicht vergeht, wenn Menschen mit Angst auf den Befund warten, wenn die Tür aufgeht und der Arzt mit der Nachricht h-reinkommt. Die Mysterien finden im Krankenzimmer statt, wenn Menschen Resümee ziehen über ihr Leben. Wenn sie sich fragen: Muss ich jetzt alles aus der Hand geben, oder beginnt noch einmal etwas Neues für mich?
    Die Mysterien finden im Warten statt. Das machen uns biblische Texte im Advent immer neu bewusst. Und so steht heute am Beginn der Adventszeit wieder dieser programmatische Ruf: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt!“ (Mt 24,42).
    „Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt.“ Davon war Joseph Beuys überzeugt. Wenn Sie auf Ihr Leben schauen: Gab oder gibt es zur Zeit solche Warteräume? Wie würden Sie den Satz von Joseph Beuys für sich beenden: Die
    Mysterien finden im .......... statt?

    Der Autor ist Pfarrer von St. Maximilian Kolbe und Dekan in Schweinfurt-Stadt.