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      Was Menschen in der Kirche hält

      Die ihren Platz gefunden haben ...

      Kirchenaustritt – ja oder nein? Im Sonntagsblatt Nr. 38/2021 haben wir anonymisiert drei Personen vorgestellt, die die Kirche verlassen haben und bereit waren, über ihre Gründe zu sprechen. Im folgenden Text lässt unser Autor Menschen zu Wort kommen, die Kirchenmitglieder bleiben wollen.

      Elke Dressel fühlt sich der Kirche verbunden, sie ist in vielfältiger Weise engagiert. „Meine Eltern waren eher kirchenfern, sie besuchten nur selten den Gottesdienst“, antwortet Dressel auf die Frage, welche Personen ihr den Glauben vermittelt haben. „Meine Oma war im guten Sinn traditionell-katholisch. Sie hat mich zu den Gottesdiensten mitgenommen.“

      In der Jugendzeit blieb Dressel der Kontakt zur Kirche wichtig, weil ihre beste Freundin Kirchenmusikerin war. In Verbundenheit mit dieser Freundin besuchte sie öfter Gottesdienste. „Da waren wir in gewisser Weise Exoten, denn nur wenige Jugendliche in unserem Alter zwischen 15 und 20 waren da zu sehen.“ Wichtig für sie war auch der damalige Jugendseelsorger Dr. Jürgen Lenssen: „Es hat mich angesprochen, wie er das Evangelium ausgelegt hat und wie er gedacht hat – aufgeschlossen und offen für die Welt.“

      Ein Kreis schliesst sich

      Ein Vorpraktikum bei der Offenen Behindertenarbeit des Diakonischen Werkes in Schweinfurt stellte die beruflichen Weichen. Elke Dressel arbeitet in der Einzelbetreuung mit behinderten Menschen.

      Ein Erlebnis hatte für sie besondere Bedeutung: Sie wusch einem behinderten Mann dessen verformte Füße. „Da musste ich besonders vorsichtig sein, um ihm nicht wehzutun. Für mich hat sich bei diesem Dienst unmittelbar der Kreis zur Fußwaschung geschlossen, über die die Bibel berichtet, und an die am Gründonnerstag in der Liturgie der katholischen Kirche erinnert wird.“ Dressel hielt am Glauben fest, engagierte sich in der Kirchenverwaltung und bei der Firmvorbereitung.

      Zur aktuellen Kirchenkrise hat sie eine klare Meinung: „Man muss die hausgemachten Kirchenprobleme trennen von der Botschaft Jesu, vom Glauben. Die unbedingte Würde jedes Menschen, und die Verpflichtung, die aus dem Glauben erwächst, sich um die Menschen in Not zu kümmern, ihnen sozusagen die Füße zu waschen, ist für mich die zentrale Botschaft Jesu. Niemand kann die Welt retten, aber jeder kann an seinem Platz den Menschen, mit denen man zu tun hat, mit Wohlwollen begegnen und ihre Würde achten.“ Aus ihrer Sicht würde es der Kirche guttun, wenn mehr Menschen, die mitten im Leben stehen, Entscheidungsträger wären – Frauen und Männer.

      Wie Elke Dressel blickt auch Hans-Walter Schmalzbauer auf Jahrzehnte zurück, die ihn mit der Kirche verbinden. Er wurde schon früh von Mutter und Oma mit in die Kirche genommen. Schmalzbauer war mit Begeisterung Ministrant und hatte eine gute Beziehung zu Pfarrer und Kaplan. „Der Pfarrer verstand es, uns nahezubringen, dass der Glaube an Jesus weltweit Menschen miteinander verbindet“, erinnert er sich.

      Vorbilder in der Kirche

      In der Pubertät besuchte Schmalzbauer mit seinen Großeltern Mallersdorfer Schwestern. Das Miterleben des Gemeinschaftslebens der Schwestern, ihre Offenheit und ihr vielfältiger Einsatz für die Menschen begeisterten den Heranwachsenden, sodass er sogar daran dachte, Priester zu werden. „Wenn die Zölibatsverpflichtung nicht bestünde, hätte ich diesen Beruf gerne ergriffen“, resümiert Schmalzbauer. „Meine Oma war sehr enttäuscht, als ich ihr mitteilte, dass ich von dem Ziel, Priester zu werden, wieder Abstand genommen habe.“

      Statt Priester zu werden, arbeitete Schmalzbauer als Verkaufsleiter in der Automobilbranche. Seit einigen Monaten befindet er sich im Ruhestand. Dem Glauben und der Kirche blieb er treu, obwohl es Enttäuschungen gab. Etwa als er dem Pfarrgemeinderat angehörte und an einer Schulung für neue Mitglieder teilnahm. Die Inhalte seien gut gewesen, auch gut vermittelt, aber dass auf die gemeinsame Eucharistiefeier am Morgen nicht hingewiesen wurde, habe ihm gefehlt, führt er aus. Die Schulung empfand er eher wie ein Training für Führungskräfte, der spirituelle Hintergrund war für ihn nicht spürbar. „Das war für mich fast ein Grund, alles hinzuschmeißen“, ergänzt er.

      Mit welchen Gedanken schaut Hans- Walter Schmalzbauer auf die Zukunft der Kirche? „Das kirchliche Establishment sollte erkennen, dass die Frauen nicht nur da sind, um die Kirche zu putzen und die Kirchengewänder zu pflegen.“ Frauen müssten auf den verschiedenen Entscheidungsebenen der Kirche mehr beteiligt werden, findet er. Aber er schränkt ein: „Wenn Frauen Priester werden würden – da täte ich mir schwer.“

      Freiheit, zu hinterfragen

      Angelika März ist Mutter von drei erwachsenen Kindern, Diplompsychologin und Psychologische Psychotherapeutin. 16 Jahre lang leitete sie die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Diözese Würzburg in Bad Kissingen.

      März wuchs auf dem Dorf auf, in einer gläubigen Familie, in der Kritik am Pfarrer erlaubt war. Die Freiheit, Kirchliches zu hinterfragen, hat sich März bewahrt. „Kirche war damals und ist auch heute noch zu sehr eine Dominanz- und Angstkirche“, urteilt sie. Diese Angstkirche hat März besonders in der Zeit ihrer Kommunionvorbereitung erfahren. So konnte sie als Achtjährige wochenlang abends nicht einschlafen aus Angst, eine Todsünde begangen zu haben, ohne es zu wollen. Die strenggläubige Ordensschwes-ter erzählte im Kommunionunterricht viele Märtyrergeschichten und flößte Angst vor Sünden und Fehlverhalten ein.

      Gerne jedoch denkt März an ihre Gemeinschaftserlebnisse bei der katholischen Landjugend zurück. Die Wochenenden am Volkersberg, ihre erste Auslandsreise mit 16 Jahren, eine Studienreise nach England, sind für sie schöne Erinnerungen. Die von der Hochschul­gemeinde organisierten Reisen, zum Beispiel ein Aufenthalt in Taizé, hinterließen bleibende Eindrücke.

      In ihrer Studienzeit setzte sich Angelika März mit Religion und Kirche auseinander – kritisch, konstruktiv, bodenständig und gegensätzliche Auffassungen akzeptierend. Heiß diskutiert wurde damals soziale Ungerechtigkeit hier und in Entwicklungsländern. Die Theologie der Befreiung, die feministische Theologie, der interreligiöse Dialog waren Themen der Gespräche im Umfeld von Angelika März. Über sich selbst und ihre sechs WG-Mitbewohner sagt sie heute: „Wir waren dem christlich-sozialen Denken verpflichtet.“ Die WG-ler von damals halten nach wie vor Kontakt, obwohl sie räumlich weit voneinander entfernt leben.

      Hoffnung, die bleibt

      Bei aller Kritik an kirchlichen Strukturen und Amtsträgern hat Angelika März ihren Platz in der Kirche gefunden. Warum? Sie habe die Hoffnung auf Veränderung, sagt sie – zumal der vielschichtige Machtmissbrauch und vor allem die überwältigende Zahl von sexuellen Übergriffen immer mehr ans Licht kommen. Die „Höhere Macht“, an die sie glaubt, stellt sie sich vor als wohlwollend, dem Menschen unbedingt zugewandt, das Leben in all seinen Formen bejahend. Viele Menschen in Not und Verzweiflung haben ihr schon von ihrem Glauben an etwas Größeres berichtet, ohne dessen Existenz und Hilfe sie es nach eigener Aussage nicht schaffen würden, weiter am Leben zu bleiben. Mit diesen Menschen fühlt sie sich verbunden.

      März findet es gut, dass die Kirche Orte schafft, an denen Menschen in Not schnelle und wirkungsvolle Unterstützung bekommen können. Den Freiraum und die Offenheit ihrer kirchlichen Beratungsstelle hat sie in guter Erinnerung. So führt sie immer noch Beratungsgespräche – als ehrenamtlich tätige Ruheständlerin.   

       Erhard Scholl/red

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