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Chormusik in Corona-Zeiten: Wie geht es Kirchenmusikern und Sängern?

Die Glut am Glühen halten

Das zurückliegende Jahr sei „für uns alle etwas völlig Neues” gewesen, „eine Herausforderung in allen Bereichen“ – so lautet das Fazit von Christian Stegmann, Kirchenmusiker und Chorleiter an St. Johannes in Kitzingen, nach 18 Monaten Pandemie. Denn auch wenn Präsenz-Gottesdienste an sich ja längst wieder möglich sind, allerorten die Biergärten öffnen und Schulklassen wieder in voller Stärke unterrichtet werden: Die Kirchenmusik ist noch nicht wieder zur Normalität zurückgekehrt.

Und so ist auch für Stegmann, der vor Corona etwa 120 Sängerinnen und Sänger vom Vorschul- bis zum Rentenalter in Kinder-, Jugend-, Kammer- und Kirchenchor betreute, seit März 2020 alles anders. „Die Hauptbeschäftigung für mich war in dieser Zeit aber trotzdem die Chorarbeit, in der ich versucht habe, möglichst findig zu sein und mit allen Gruppen Kontakt zu halten, so eine Glut am Glühen zu halten“, berichtet er.

Online und im Freien

Dafür betrieb er erheblichen Aufwand: Schon im ersten Lockdown probierte auch Stegmann, ob man wohl mit Onlinechorproben auf einen grünen Zweig kommen könne. Immerhin mit dem Kinder- und dem Jugendchor probte er denn auch bis Juni 2020 per Zoom, meist einstimmige Lieder. Mit den Erwachsenenchören jedoch gab er diesen Gedanken schnell wieder auf: Die Zeitverzögerung beim Streamen war einfach zu unbefriedigend. Stattdessen schickte er Orgelgrüße auf YouTube in die Welt, erstellte aber beispielsweise auch ein virtuelles Chor-Video mit seinem Kammerchor: Dafür nahmen sich die Sänger selbst auf Video auf, und Stegmann selbst setzte diese Einzelaufnahmen anschließend zu einem Chorvideo zusammen. Mit den Kindern habe er im Sommer sogar im Freien geprobt, erzählt er. Im Abstand von zwei Metern saßen sie da dann, Stegmann brachte ein Keyboard mit, und so konnte live musiziert werden. „Es war einfach schön, dass überhaupt wieder etwas ging, aber musikalisch kommt da natürlich nicht so viel rüber wie in normalen Proben“.

In jedem Falle ist es auch jetzt noch sein Grundsatz, die kirchenmusikalischen Coronaregeln jeweils auszureizen: „Sobald etwas erlaubt ist, mache ich das auch, kündige das kurzfristig an“. So konnten etwa letztes Jahr und auch dieses Frühjahr je nach aktuellen Regeln Gottesdienste und geistliche Abendmusiken mit einer Gruppe von Chorsängern in der Kirche stattfinden. „Das will ich auch wieder machen, sobald es geht“, erklärt Stegmann. „Die Sänger stehen parat. Ich muss ihnen wirklich nicht nachrennen, sondern zeitweise sogar manche wieder ausladen, weil wir eben nur in kleinen Besetzungen auftreten dürfen – meist mit vier Leuten“.

Emotion per Video

Und auch ein paar andere Dinge konnten trotz Corona stattfinden, zum Beispiel ein Konzert des Kammerchors in Castell, im Herbst vergangenen Jahres, erinnert er sich: „Da standen wir mit 18 Sängern auf der Empore im zwei-Meter-Abstand und das Publikum hatte eine Art Surround- Sound“. Auch Orgelkonzerte konnte er in diesem Zeitfenster wieder spielen. An Weihnachten habe man dann immerhin das Krippenspiel des Kinderchors realisieren können, wenn auch nicht vor Publikum, sondern mit Abstand als Videostream. „Das war für mich ein emotionales Highlight, auch wenn es nur einfache Kirchenlieder waren die wir musiziert haben. Aber es wurde einfach Weihnachten lebendig“. Auch in einem Altenheim, wo der Chor normalerweise live auftritt, sei es gezeigt worden, freut er sich. „Da hat mir eine Mitarbeiterin gesagt, die Bewohner seien nach dem Video wirklich zu Tränen gerührt gewesen“.

Die letzte größere Aktion sei ein Oster-Video gewesen, für das Stegmann selbst Einzelaufnahmen seiner Sänger mit Händels Halleluja zu einem großen YouTube-Video zusammenschnitt: „Eine echte technische Herausforderung, all die Aufnahmen synchron zu bekommen!“, erinnert er sich lachend. Aber immerhin: Dabei hat nicht nur er dazugelernt – von technischem Knowhow im Hinblick auf Streaming und Videoschnitt bis zu schnell erlernbarer Literatur für Gottesdienste mit regulierter Probenzeit –, sondern auch seine Sänger. „Das Singen auf Abstand hat durchaus Vorteile, weil man selbstständiger singt, und weil ich auch den Eindruck hatte, in unserem Kirchenraum klingt das besser. Das möchte ich auch in Zukunft immer wieder mal einfließen lassen“, sagt der Kirchenmusiker.

Möglichkeiten ausreizen

Die Rückmeldungen seiner Sänger, wenn sie singen durften, seien dabei durch die Bank eines gewesen: „Dankbar. Einfach glücklich, wenn sie wiedermal musizieren dürften. Und wenn es nur in einem kleinen Ensemble ist und vielleicht nicht gerade Monteverdis Marienvesper, sondernnur vierstimmige Sätze: Die freuen sich sehr“.

Stegmanns Vorteil ist dabei die Größe der Kirche St. Johannes: Viel Raum, viele Kubikmeter Luft. Für die Gottesdienste um Ostern dieses Jahr konnte er dank einer Sondergenehmigung von Diözesankirchenmusikdirektor Gregor Frede sogar mit acht Sängern musizieren. So sagt er, bei aller Vorsicht, denn auch: „Für mich war der Grundsatz in dieser Pandemie immer, nicht nur Bedenken zu haben, sondern immer das auszureizen, was möglich ist und eine gewisse Selbstverantwortung an die Sänger abzugeben, dass sich jeder des Risikos bewusst ist, das eben existiert, wenn man live singt“.

Sicher, nicht alle Sänger wollten das Risiko eingehen. Vor allem ältere Chormitglieder hätten gemischte Gefühle gehabt, und dafür habe er vollstes Verständnis, meint ihr Chorleiter. „Es ist zum Glück auch nicht so, dass sie sich nicht trauen würden, abzusagen, wenn sie ein schlechtes Gefühl haben, sondern da sind wir so offen miteinander, dass jeder, der Angst hat, mir das auch sagen kann“. Auf der anderen Seite seien die Älteren nun auch die ersten, die geimpft würden, und so könnten sie sich vielleicht auch als erste wieder sicher fühlen, wenn es dann einmal wieder losgehe.

Planungen

Die große Hoffnung ist für Stegmann wie für seine Kollegen im Bistum nun, dass im Herbst auch wieder in größeren Besetzungen geprobt und aufgetreten werden darf. „Ich habe ein erstes Konzert für die Vorweihnachtszeit geplant, in dem wir eine Christmette von Praetorius machen wollen. Aber das geht natürlich nur, wenn wir ab Herbst wieder proben können und ich habe keine Ahnung, wer sich traut, wer dann wieder kommt“. Da müsse man dann einfach kurzfristig entscheiden.

Sicher werde er im Herbst auch erst einmal mit leichterer Literatur anfangen müssen, damit alle Sänger trotz Abständen wieder Freude an den Proben hätten, gleich einsteigen könnten. Ist das frustrierend für ihn, als Musiker, als Künstler? Nein, lächelt Stegmann. „Ich sehe Musik momentan weniger als künstlerische Herausforderung, sondern eher im Kontext Seelsorge, Kontakt halten, Menschen Mut machen: Dass man eben trotz Corona etwas zusammen macht, den Glauben auch durch Musik verkündet“.

Andrea Braun

In unserer Printausgabe lesen Sie zusätzlich ein Interview mit Diözesankirchenmusikdirektor Gregor Frede zur aktuellen Lage der Kirchenmusik.

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