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Kommentar von Wolfgang Bullin

Die Glut am Glühen gehalten

Manche selbstverständlich erscheinenden Dinge lernt man erst richtig zu schätzen, wenn man sie nicht mehr selbstverständlich zu Verfügung hat, wenn man gezwungen ist, auf sie zu verzichten. Diese Erfahrung gehört zu denen, wie wohl jeder und jede in der Corona-Pandemie gemacht hat, die meisten in mehrfacher Hinsicht. Zu diesen Selbstverständlichkeiten zu zählen ist ohne Zweifel der Gesang im Gottesdienst.

Erst das corona-bedingte Gesangsverbot hat vielen deutlich werden lassen, welche liturgische, aber auch gemeinschaftsstiftende Bedeutung dem Gesang zukommt. Als besonders harte Zeit erwies sich die Corona-Pandemie für die vielen Chöre, Musik- und Gesangsgruppen, denen aufgrund der Kontaktbeschränkungen über Monate hinweg weder Auftritte noch Proben möglich waren. Einen Eindruck davon vermittelt unser Beitrag in der aktuellen Ausgabe zur Situation der Kirchenmusik. Zugleich zeigt er beispielhaft, wie viel Engagement und Einfallsreichtum man gerade auf dem Feld der Kirchenmusik entwickelt hat, um aus der Situation das Beste zu machen. Online-Proben, Proben im Freien, aus Einzelaufnahmen zusammenmontierte Chorstücke ...

Es wurden Möglichkeiten gesucht, entdeckt und ausprobiert – manches davon wird wohl erhalten bleiben. Dennoch sehnen sich durch die Bank alle danach, endlich wieder analog, also richtig, proben und auch musizieren zu können. Chöre und Musikgruppen haben nämlich gemerkt, wie wichtig die gemeinsamen Proben nicht nur für die musikalische Qualität sind, sondern auch für das eigene Wohlbefinden und den Zusammenhalt. Mag die regelmäßige Probe vor Corona wohl immer wieder auch als Last empfunden worden sein, sehnen sich viele jetzt geradezu danach.

Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Leuten wie Christian Stegmann, die alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel genutzt haben, den Zusammenhalt zu bewahren, „die Glut am Glühen zu halten” wie er es formuliert hat. Hoffentlich darf die Glut bald wieder musikalische Flammen der Begeisterung auflodern lassen.

Wolfgang Bullin

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