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Interview mit Bischof Franz über die Bilanz seiner Dekanatsbesuche und die Perspektiven für die Ausrichtung der Seelsorge im Bistum Würzburg

Die Blickrichtung ändern

Interview mit Bischof Franz Jung am 26. Juli in der Sonntagsblatt-Redaktion.

Herr Bischof, Sie haben nun alle Dekanate des Bistums besucht und mit vielen Menschen gesprochen. Wie lautet Ihr Fazit in wenigen Sätzen?

Ein erster Eindruck war: Die Gläubigen haben es geschätzt, dass der Bischof vor Ort kommt und sich viel Zeit nimmt, um mit allen ausführlich zu sprechen. Gefreut hat mich überdies, dass viele mir zurückspiegelten, die Ankündigung der Besuche in den Dekanaten sei ein willkommener Anlass gewesen, einmal eine Standortbestimmung vorzunehmen und sich selbst darüber Rechenschaft abzulegen, wo man in dem Prozess „Pastoral der Zukunft“ gerade steht. Ein Drittes: ich habe eine große Ungeduld gespürt. Nach einer relativ langen Vorlaufzeit und nach der Unterbrechung durch die Zeit der Sedisvakanz wünschen sich viele, dass jetzt rasch eine Entscheidung herbeigeführt wird. Das kann ich gut nachvollziehen, da sich Veränderungsprozesse nur über einen klar umrissenen Zeitraum hin erstrecken können, will man das Interesse an einem solchen Prozess wachhalten.

Was hat Sie bei den Besuchen am meisten überrascht oder beeindruckt?

Überrascht hat mich zum einen eine ­relativ große Einmütigkeit, was die Umschreibung der neuen Räume anbelangt. Bis auf wenige Ausnahmen teilte man die Vorschläge zur Raumplanung in den Dekanaten, wie sie in Abstimmung mit der Gemeindeentwicklung erarbeitet wurden. Zum anderen war für mich die Einschätzung der pastoralen Situation insgesamt aufschlussreich, gerade was Dekanatsteam und Dekanatsrat anbelangt. Hier spürte man die unterschiedlichen Perspektiven. Während die Hauptamtlichen verständlicherweise fragten, was an Arbeitspensum auf sie zukommt und wie das gut geschultert werden kann, wurden durch die Dekanatsräte noch andere Aspekte stark gemacht, die nachmittags so gar nicht Gegenstand der Diskussion waren. Eindrücklichstes Beispiel war für mich die Sorge der Gläubigen um den Erhalt von beliebten und viel besuchten Wallfahrtsorten als geistliche Zentren für den Fall, dass die bisherige Form der Wallfahrtsseelsorge dort nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Die Frage nach dem Erhalt der Wallfahrtsorte als Stätten geistlicher Einkehr wird uns insgesamt noch beschäftigen müssen in einem Bistum, das mit solchen Orten so reich gesegnet ist.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Um eine begründete Entscheidung bezüglich der neue Räume treffen zu können, bedarf es eines diözesan einheitlichen Prozesses. Das heißt, nach den Ferien wird ein Kriterienkatalog erstellt für die Überprüfung der Sinnhaftigkeit der größeren Räume. Zugleich wünschen wir uns bis März 2020 ein Votum aus den Dekanaten zu den neuen Räumen. Diese Rückmeldungen sollen dann in den diözesanen Gremien wie Priesterrat, Diözesanpastoralrat und Diözesanrat diskutiert werden. In einem pastoralen Forum im Oktober 2020 sollen die Gremien nach dieser ersten Sondierungsphase noch einmal gemeinsam auf alle Vorschläge schauen und dem Bischof eine Entscheidungsvorlage erstellen, auf deren Grundlage er seinen Beschluss fassen kann. Die neuen Räume werden dann die Grundlage für alle weiteren Planungen sein wie Personalbemessung, Finanzzuweisungen und Immobilien.

Sie haben beim Diözesanrat gesagt, dass Sie sich im Bistum Würzburg keine XXXL-Pfarreien vorstellen können, sondern eher pastorale Räume, deren Zuschnitt noch zu klären ist. Was ist der zentrale Unterschied zwischen einer XXXL-Pfarrei und einem solchen pastoralen Raum?

Nun ist das letzte Wort darüber, wie wir in den größeren Räumen arbeiten wollen, noch nicht gesprochen. Dennoch nehme ich wahr, dass wir ein sehr stark ländlich geprägtes Bistum sind, in dem sich viele Menschen mit ihrem Ort und ihrer Kirche identifizieren und gewillt sind, sich einzubringen. Ich hätte bei einer radikalen Zusammenlegung der Pfarreien, wie sie derzeit in anderen Diözesen ansteht, die Befürchtung, dass viele Gläubige dann resigniert ihr Engagement einstellen. Allerdings habe ich bei allen Dekanatsbesuchen auch immer dazu gesagt, dass es dann in jedem Fall eine verbindliche Form der Kooperation geben muss. Man kann es nicht jedem Pfarrer und seinem Team zumuten, in jahrelangen Auseinandersetzungen die Zusammenarbeit in den neuen Räumen zu organisieren. Das raubt viel Energie und geht zu Lasten der Seelsorge. Überkommenes kann nur gehalten werden, wenn sich vor Ort Menschen bereit erklären, das auch zu übernehmen. Andernfalls bedarf es neuer Lösungen.

Das heißt also: Wo immer möglich, Erhalt der Pfarreistruktur, aber unter der Maßgabe zukunftsorientierter Kooperation?

Nach dem derzeitigen Stand der Überlegungen hieße das in der Tat, Erhalt der Pfarreistruktur, wo möglich. Die Bezugsgröße für die weiteren Planungen zur Pastoral der Zukunft wären jedoch die neuen Räume. Das ist wichtig. Denn hier gilt es, künftig Schwerpunkte zu setzen.  

Heißt das dann auch, dass es nicht den Standardweg für diese Räume geben wird, sondern dass genau hingeschaut wird, welche Erfordernisse und Möglichkeiten es jeweils vor Ort gibt?

Es braucht beides. Bei den Dekanatsbesuchen wurde immer gefragt, ob es denn nicht so etwas geben müsse wie Standards für die Seelsorge, also eine gewisse Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit in den seelsorglichen Vollzügen. Das hat auch etwas mit Qualitätssicherung zu tun. Auf der anderen Seite aber muss man unter sozialräumlichen Aspekten in jedem neuen Kooperationsraum genau hinschauen, was die Menschen hier benötigen und wie Kirche zum Heil der Menschen einen wirksamen Beitrag leisten könnte. Das verlangt langfristig eine andere Arbeitsweise. Denn dazu muss man Ziele formulieren, die man gerne erreichen möchte. Es ist die Abkehr vom vornehmlich aufgabenorientierten Handeln mit dem immer gleichen Jahresprogramm hin zu einem zielorientierten Handeln, das hilft, sich als Kirche weiterzuentwickeln.

Der Diözesanrat hat beklagt, dass er sich auf dem bisherigen Weg nicht genügend wahrgenommen fühlte. Sehen Sie eine Chance für mehr Harmonie?

Mir geht es nicht zuerst um mehr Harmonie, mir geht es um eine gute Kommunikation, die es gerade in Zeiten von Veränderung braucht. Deshalb habe ich mich auf den Weg in die Dekanate gemacht. Nur so kann man voneinander und miteinander lernen und, wie das üblich ist, auch um geeignete und nachhaltige Lösungen ringen.

Pastoralforscher sagen uns, die meisten Menschen wünschen eine persönliche Ansprache durch die Kirche, daher seien insbesondere Feiern zu den Lebenswenden wie Taufen, Trauungen oder Trauerfeiern gefragt. Dreh- und Angelpunkt der kirchlichen Debatte über Pastoral ist jedoch oft die sonntägliche Eucharistiefeier. Wie passt das zusammen?

Hier sehe ich keinen Widerspruch. Auch in den sonntäglichen Gottesdiensten geht es darum, in die Lebenssituation der Menschen hinein zu sprechen und ihnen das Evangelium nahe zu bringen. Während man hier jedoch eher die Kerngemeinde vor sich hat, bieten Kasualien eine missionarische Chance. Denn anlässlich von Taufen, Trauungen und Beiset­- zungen treffe ich auf Menschen, die oft nur noch lockeren oder gar keinen Bezug mehr zur Kirche haben und die in dieser besonderen Situation auch besonders ansprechbar sind. Das gilt es zu nutzen.

Lesen sie das ganze Interview in unserer Printausgabe Nr. 32-33 zum 11./18. August.

Interview: Ulrich Bausewein/Wolfgang Bullin

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