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Prälat Günter Putz gibt als Schulreferent altersbedingt zum 1. September sein Amt ab

Der Umgang mit Menschen ist ihm wichtig

Prälat Günter Putz (69), seit 1991 Leiter der Hauptabteilung Hochschule, Schule und Erziehung, wird zum 1. September von seinen Leitungsaufgaben entpflichtet. Der gebürtige Würzburger hatte am 30.  November 2018 Bischof Franz gemäß Statuten des Domkapitels Würzburg mit Vollendung seines 70. Lebensjahres seine Emeritierung schriftlich angetragen. Putz begeht am 18. März 2020 seinen 70. Geburtstag. Mit insgesamt 28 Jahren war er der dienstälteste Schulreferent aller Diözesen in Deutschland.

Wie fühlen Sie sich am Ende eines so langen Arbeitslebens von insgesamt 45 Jahren?
Von der Wegstrecke meines gesamten Lebens sind in der Tat 45 Jahre immerhin Zweidrittel meines Lebens. Nachdem der priesterliche Dienst sich für mich nicht von einer Funktion her deutet, sondern von einer Berufung, fühle ich mich trotz vieler Mühen relativ frisch und jung.

Was hat Sie besonders an Ihrer Aufgabe als Schulreferent gereizt?
Ein Leben lang hat mich der Umgang mit den Menschen beschäftigt, ja der Mensch als solcher war und ist für mich ein spannendes Geheimnis. Das Abbild Gottes ist für mich der schönste Gottes-Aufweis, den ich kenne. Menschenliebe ist Gottes- und Nächstenliebe in einem. Die Botschaft des christlichen Glaubens, das Evangelium als frohmachende Interpretation eines gelingenden Menschseins erschließt sich für mich in der Person Jesu Christi. Jungen Menschen eine Sinndeutung für das Leben in der Form des christlichen Glaubens als „erlöstes Dasein“ aufzuweisen, ist die eigentliche Motivation gewesen, die Aufgabe des Schulreferenten nicht nur zu übernehmen, sondern 28 Jahre zu erfüllen.

Gab es Situationen, die Sie im Berufsleben besonders geprägt haben?
Im Berufsleben haben mich besonders die Kaplansjahre und die Aufgabe als Direktor im Kilianeum Bad Königshofen geprägt. Die Kaplansjahre in Rauhenebrach und Kitzingen waren vom Schuleinsatz und von der Jugendarbeit in der Pfarrei und im Dekanat stark beeinflusst. Die Entscheidung, als Direktor im Kilianeum Bad Königshofen zu wirken, habe ich besonders deswegen gerne getroffen, als ich dort einerseits im Gymnasium Religionsunterricht erteilen konnte, ebenso an der dortigen Musikschule das Fach Liturgik für Kirchenmusiker unterrichtet habe und über die Schule hinaus junge Menschen auf ihrem Weg zu ihrer Selbstwerdung im Internat umfassend begleiten konnte.

Gab es Situationen, die sie lieber verdrängen würden?
Ich bin kein Freund von verdrängen, sondern von aufarbeiten. Selbstverständlich kommen missliche Situationen in einem langen Leben als Priester vor, Situationen, in denen man vermeindlich unangenehme Entscheidungen fällen muss, aber auch Situationen, die angenommen werden müssen, in denen ungerechtfertigte Fehleinschätzungen anderer hingenommen werden müssen.

Gibt es etwas, was Sie heute anders machen würden?
Für den eigenen Selbstwerdungsprozess würde ich vielleicht angesichts nicht abgerufener Potenziale diese energischer für den pastoralen Dienst im Bistum einfordern. Aufgrund der Erziehung im Elternhaus und des daraus resultierenden von mir sehr ernst genommenen Gehorsamversprechens gegenüber dem Bischof habe ich mehr Solidarität mit dem Verfügtem gelegt, als es im nachhinein wünschenswert gewesen wäre.

Sie haben sich besonders bei dem Seligsprechungsverfahren für den im Konzentrationslager Dachau gestorbenen Diözesan­priester Georg Häfner eingebracht. Was war Ihre ­Antriebsfeder, sich für die Seligsprechung so engagiert einzusetzen?
Zum einen habe ich mich seit Beginn des Theologiestudiums mit dem Priesteramt in der Kirche spirituell und theologisch auseinandergesetzt, weil ich bereits als junger Mann mit der Gewissheit, Priester werden zu wollen, einerseits schon eine gewisse „Zerlegung“ des priesterlichen Dienstes in Theorie und Praxis erleben konnte und mich als jugendlicher Idealist mit einer Banalisierung des priesterlichen Amtes nicht zufrieden geben konnte. Ein Ergebnis war, dass sich meine Diplom- und Lizenziatsarbeit im Fach Dogmatik deswegen ausdrücklich mit dem Amtspriestertum der katholischen Kirche beschäftigt hat. Zum anderen ist gegen Ende des Studiums die Seligsprechung des Pfarrers von Altenmünster, Liborius Wagner, ein wichtiges Ereignis gewesen. Zudem habe ich vor allem in der Zeit des Theologiestudiums in der Gemeinschaft der Schönstattpriester den Werdegang und das Zeugnis von Pater Josef Kentenich mit seiner Gefangenschaft in Dachau kennengelernt und spirituell dieses Zeugnis für mich fruchtbar gemacht, so dass ich der Bitte von Bischof Scheele leicht nachkommen konnte, Postulator für das diözesane Erhebungsverfahren für die Seligsprechung von Pfarrer Georg Häfner zu werden.

Als Domdekan an der ­Kathedralkirche zu Würzburg sind Sie auch für Liturgie und Kirchenmusik am Dom verantwortlich. Welche Art von Musik hören Sie persönlich gerne? Kann es auch mal die leichte Muse sein, oder gar Rock, Heavy Metal?
Von Kindesbeinen an habe ich die Nachtmusik im Hofgarten im Rahmen des Mozartfestes erlebt. Bei einem dieser Konzerte wurde die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart aufgeführt. Dieses Schlüsselerlebnis führte dazu, dass zuhause sofort ein Schallplattenspieler gekauft werden musste und ich ein Klavier haben wollte, um das Klavierspielen zu lernen. Dem wurde zuhause entsprochen und damit hat sich die Welt für mich für die klassische Musik eröffnet. Ich habe persönlich auch für keine andere Musik seid Kindesbeinen an ein Ohr und das wird auch so bleiben.

Als Jugendlicher war ich in der Pfarrei Heiligkreuz im Kirchenchor und durfte eine Knaben- und Mädchenschola begleiten, was mich als junger Mensch aktiv und passiv mit der Liturgie und Kirchenmusik für immer verbunden hat. So sind diese für mich bis auf den heutigen Tag höchster Selbstvollzug, Liturgie und Kirchenmusik im Dom zu feiern und zu erleben.

Darüber hinaus ist mir von Jugend an die Welt der Oper und des Schauspiels eine Wirklichkeit, in der ich gerne zuhause bin. Grundgelegt wurde diese Leidenschaft sicherlich, dass ich bereits im Kindergarten gerne selbst auf der Theaterbühne gestanden bin.

Sie sind als, fränkisch gesagt, „nicht schlechter“ Tennisspieler bekannt. Was macht für Sie den Reiz aus, einem Ball hinterherzujagen?
Neben dem Tennisspiel ist mir seit Jugendzeit an auch das Wandern sehr wichtig gewesen, was sich seit 20 Jahren in ein Pilgern verwandelt hat. Ich bin in besonderer Weise auf vielen Jakobuswegen unterwegs, nicht als Alleingänger, sondern immer in Gemeinschaft. Das macht für mich auch den Reiz des Tennisspielens aus. Es ist ein Gemeinschaftsspiel, das nicht nur sportliche Kondition, sondern auch strategische Überlegungen braucht, um ein spannendes Spielgeschehen zu erzeugen. Für mich ist es immer wichtig, etwas in Gemeinschaft zu tun, dafür zu sorgen, dass etwas geschieht, etwas gespielt wird. Dabei ist es für mich nicht das wichtigste, selber der Sieger zu sein, sondern zu „spielen“.

Gibt es sonst noch irgendwelche versteckten Talente, über die wir unterrichtet werden sollten?
Wenn Sie es wissen wollen, ist natürlich das Klavierspielen ein verstecktes Talent, das wieder neu eingeübt werden will, weil es durch den Dienst der Jahre gelitten hat. Daneben bin ich ein Freund der Belletristik und versuche regelmäßig einen neuen Roman zu lesen. Ganz zu schweigen davon, dass für mich die theologische Fachliteratur nach wie vor ein richtiges Steckenpferd ist. Weniger ein Talent als vielmehr ein Bedürfnis ist es für mich als Mitglied in verschiedenen Studentenverbindungen und als Familiar des Deutschen Ordens bundesbrüderliche Gemeinschaft zu pflegen.

Wer oder was kommt nach Ihnen? Konkreter: Was geschieht mit der Hauptabteilung, der Sie 28 Jahre mit Verve vorgestanden haben?
Nach mir kommt ein Engel. Dieser Engel hat einen Namen, Schulrat i.K. Jürgen Engel. Er wird kommissarischer Hauptabteilungsleiter sein, bis die endgültige Ordinariatsreform, die Hauptabteilungen zusammenlegt, gefunden ist, und er dann hoffentlich weiterhin mit der Verantwortung der Schulabteilung betraut wird. Herr Engel war in den letzten Jahren bereits stellvertretender Hauptabteilungsleiter und hat sich viele Kompetenzen erworben, diese Aufgabe gut zu erfüllen.

Wie sieht das Leben von Günter Putz nach seiner Emeritierung aus? Gibt es schon einen Plan?
Ich hoffe, dass es genauso schön ist wie vor der Emeritierung. Aus dem Priesteramt ist man nicht entlassen. Dass der Natur des Alterns Rechnung getragen wird, und dabei gelassen seinen priesterlichen Weg zu gehen und weiterhin Menschen zu helfen, daran wird es nicht fehlen. Als Würzburger bin ich in Würzburg zuhause und bin deswegen nicht heimatlos. Ich fürchte, dass dieses Leben einfach zu kurz ist, um langweilig zu werden.     

Interview: Matthias Risser

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