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    Aschaffenburger Ausstellung schaut auf das Werk Lucas Cranachs des Älteren

    Der Meister, der den Glauben malte

    Ohne die Hofbibliothek hätten wir diese Ausstellung nicht machen können“, sagt Kunsthistoriker Dr. Thomas Schauerte und deutet auf die Erstausgabe von Martin Luthers „Septembertestament“. „Diese Ausstellung“ – damit meint der Direktor der Museen der Stadt Aschaffenburg die Schau „Zwischen den Stühlen: Cranach, Luther und der Kardinal“ im Stiftsmuseum. Und die Erstausgabe stammt aus der Aschaffenburger Hofbibliothek.

    Die zentrale Frage der Schau formuliert Kurator Schauerte so: „Wie verhält sich ein Künstler in der Reformationszeit?“ Mit der Reformation gehe es wirklich ans Eingemachte: „Wenn man hier unsere Skulpturen sieht, wächst und blüht das alles!“ Luther allerdings seien Bilder eigentlich relativ egal gewesen: „Wenn Kunst der Verkündigung der reinen Lehre diene, ist das in Ordnung. Aber notwendig sind sie eigentlich nicht“, fand der Reformator laut Schauerte.

    Lucas Cranach der Ältere indes sei deswegen besonders interessant, weil der Maler und Graphiker einerseits die Reformation unterstützt habe,  andererseits aber mit seinen Mitarbeitern genauso für Albrecht von Brandenburg – mit ihm ist der „Kardinal“ im Untertitel der Schau gemeint – arbeitete. Luther befehdete Albrecht heftig als „Scheissbischof“. Mit Cranach dagegen war er befreundet. Die Cranach-Werkstatt hatte aber kein Problem damit, Anfang der 1520er Jahre einen Großauftrag mit 150 Gemälden für die Stiftskirche in Halle an der Saale, der Lieblingsresidenz des Kardinals, anzunehmen. Auf diese „konfessionelle Flexibilität“ Cranachs spielt der Ausstellungstitel „Zwischen den Stühlen“ an.

    Testament und Altar

    „Cranach hat einerseits mit der rechten Hand Luthers Septembertestament illustriert, mit der anderen Hand malte er den Magdalenenaltar“, bringt es Schauerte auf den Punkt. „Als Cranach mit seiner Werkstatt 1521/1522 über den Illustrationen des „Septembertestaments“ saß, stand sozusagen zweieinhalb Meter weiter eine halbfertige Altartafel für Albrecht von Brandenburg.“ Benannt ist dieser Altar, auf dessen Mitteltafel Auferstehung und Höllenfahrt Jesu zu sehen sind, nach der Darstellung der heiligen Magdalena, die man auf dem linken Seitenflügel sieht.

    Er bildet in der Ausstellung den Gegenpol zu Luthers „Septembertestament“. Der Magdalenenaltar war der Endpunkt eines in nur fünf Jahren fertiggestellten Passionszyklus, sagt Schauerte. Er stand in der Hallenser Stiftskirche direkt neben der Kammer mit der Reliquiensammlung Albrechts. Aber nicht sehr lange. Denn 1541 war die Zeit des „Kardinals“ in der Saalestadt – reformationsbedingt – abgelaufen. Die Altäre aus der Stiftskirche nahm er mit anderen Kunstgegenständen mit in seine Zweitresidenz Aschaffenburg. Erst seit 2007 ist der Magdalenenaltar wieder komplett. Und von der Farbigkeit dieses Erlösungsgewissheit ausstrahlenden Kunstwerks ist Schauerte begeistert: „Das ist alles schön fröhlich und bunt.“

    Der Bestseller

    Wer sich einen Überblick über den einstigen Umfang des Hallenser Projekts verschaffen will, findet in der Schau eine virtuelle Rekonstruktion des Innenraums der Stiftskirche zur Zeit Albrechts. Die meisten Altäre sind heute verloren, also greift der digitale Rundgang für die Rekonstruktion der Altäre auf Vorzeichnungen Cranachs zurück. Sie liegen heute in der Universitätsbibliothek Erlangen.

    Und der zweite Höhepunkt er Schau, die erwähnte Erstausgabe des „Septembertestaments“? Nun, es ist 1521 auf der Wartburg entstanden und wurde im Herbst 1522 veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine Übersetzung des Neuen Testaments, die sich in kürzester Zeit zum Bestseller entwickelte: Bis 1529 wurde es 18 mal nachgedruckt. Schauerte hat sie eingebettet in die „lustige, bunte Heiligenwelt der Spätgotik“. Plastiken aus längst zerstörten Flügel­altären bilden den Rahmen für Luthers legendäre Übersetzung. Aufgeschlagen sieht man die Illustration mit der Darstellung der vier apokalyptischen Reiter Antichrist, Krieg, Hunger und Tod, die in der Endzeit die Wiederkunft Christi ankündigen.

    Gegenprojekt

    Luthers von Cranach illustriertes „Septembertestament“ blieb nicht konkurrenzlos. „Natürlich hat dann auch die Gegenseite gesagt: Wir können das Feld nicht komplett dem Luther überlassen“, erläutert Schauerte. Die „Gegenseite“ ist die katholische. Schauerte zeigt auf die 1534 publizierte Bibelübersetzung von Johann Dietenberger, die sich im katholischen Deutschland bis ins 18. Jahrhundert behauptet hat. Beauftragt hat sie selbstredend der Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg höchstpersönlich.

    Wer noch mehr über den Kardinal wissen will, kann in die benachbarte Stiftskirche St. Peter und Alexander gehen. Dort warten neben dem für Albrechts Grab in Halle bestimmten Bronzebaldachin – den er auch mitgenommen hat – zwei Bronzeplatten aus der renommierten Nürnberger Vischer-Werkstatt mit der Darstellung der Madonna und des Kardinals im Pontifikalornat. An Albrechts Geliebte Agnes Pless erinnert im nahen Park Schöntal die Ruine der bereits 1552, sieben Jahre nach Albrechts Tod 1545, zerstörten Kirche des Beginenklosters.

    Cranach-Städte

    Die Aschaffenburger Schau gehört zu der Reihe „500 Jahre Septembertestament“ der „Cranach-Städte“. Neben Aschaffenburg sind das Dessau-Roßlau, Eisenach, Erfurt, Gotha, Kronach, Wittenberg, Meißen, Neustadt an der Orla, Nürnberg, Torgau und Weimar. Aschaffenburg ist seit 2020 Mitglied des Netzwerks „Wege zu Cranach“. Es ist die einzige katholische Stadt im Verbund, bemerkt Schauerte: „Das ist unser Aufschlag in diesem Städtenetzwerk, das erste Mal, dass wir uns als Cranach-Ort bemerkbar machen.“ Verschwiegen werden sollte allerdings nicht: Lucas Cranach d. Ä. war nie in Aschaffenburg.

    Stefan W. Römmelt/jes

    Die AusstellungZwischen den Stühlen – Cranach, Luther und der Kardinal“ im Stiftsmuseum Aschaffenburg (Stiftsplatz 1) ist bis 8. Januar 2023 dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet; Eintritt: 2,50 (ermäßigt 1,50) Euro.