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150 Jahre Michael Kardinal von Faulhaber – Teil 1: Der junge Michael Faulhaber

Der dritte Sohn des Bäckermeisters

Somit gilt wohl auch für den jungen Michael Faulhaber (...), dass er eine unterschiedlich strukturierte, komplizierte und sich entwickelnde Persönlichkeit mit einer Fülle von Aspekten war.“ So charakterisiert der Würzburger Kirchenhistoriker Wolfgang Weiß in einem 2004 in den „Würzburger Diözesangeschichtsblättern“ erschienenen Aufsatz den wegen seiner Ablehnung der Novemberrevolution 1918 und der – trotz scharfer Abgrenzung vom Nationalsozialismus als Weltanschauung – während des Dritten Reiches loyalen Haltung zum „Führer“ Adolf Hitler immer noch umstrittenen, vor 150 Jahren, am 5. März 1869, geborenen und am 12. Juni 1952 verstorbenen „Kirchenfürsten“.

Dass der dritte Sohn des Heidenfelder Bäckermeisters Michael Faulhaber und seiner Frau Margareta Schmitt, der Tochter eines Bäckers aus Bergtheim, einmal an der Spitze des Erzbistums München-Freising stehen würde, war kaum vorauszusehen. Die Kirche diente dem vielschichtig begabten Jungen als „Karrierekanal“ – der Ortspfarrer wählte ihn für den Besuch der Lateinschule im nahegelegenen Schweinfurt aus. Die Schweinfurter Zeit des jungen Faulhaber, die am 1. Oktober 1879 begann, währte nicht lange. Ab 1883 lebte der zielstrebige Schüler im Würzburger „Kilianeum“, dem Bischöflichen Knabenseminar.

Talent für Rede und Militär

Die Anfänge der Bildungskarriere Faulhabers beschreibt der Kirchenhistoriker Dominik Schindler in seiner 2018 publizierten Dissertation über Faulhaber als Bischof von Speyer prägnant: „Freiwillig beschäftigte sich der junge Michael mit den Klassikern der Literatur bis spät in die Nacht und nahm am Wahlunterricht in Italienisch, Englisch und Kurzschrift teil.“ Faulhaber engagierte sich laut Schindler auch als „Organisator geselliger Unternehmungen“, verfasste Gedichte und hielt gerne Festreden. Das sich in Faulhabers Gymnasialzeit bereits abzeichnende Redetalent sollte ihm später ebenfalls zugutekommen. Das Abitur schloss Faulhaber 1888 bis auf Griechisch mit hervorragenden Noten ab.

Als „Einjährig-Freiwilliger“ leistete er seinen Militärdienst nur ein paar Minuten vom Kilianeum im Würzburger Stadtteil Zellerau, beim „Königlich Bayerischen 9. Infanterieregiment ‚Wrede‘„, den „Neunern“, ab. Faulhaber selbst schreibt hierzu in seiner Autobiografie: „Der Theologe, von dem hier die Rede ist, brannte darauf, des Königs Rock zu tragen.“ Dass Faulhabers Vorgesetzten sein „militärisches Talent“ erkannt hatten, zeigt sich darin, dass Faulhabers Kompanie-Chef dem zukünftigen Theologen das Angebot machte, eine Kriegsschule zu besuchen. Plastisch beschreibt der Kardinal das Verlockungspotenzial dieses Angebots: „Der Hauptmann ahnte nicht, was für einen Sturm er in der Seele des Einjährigen mit diesem verlockenden Angebot entfesselt hatte.“

Dennoch widerstand er. Am 1. Oktober 1889 wurde Faulhaber aus dem Militärdienst entlassen und begab sich weniger als einen Monat später in ein – ebenfalls streng hierarchisch geprägtes – System: das Würzburger Priesterseminar, in das er am 26. Oktober desselben Jahrs eintrat, liegt nur wenige Meter vom Kilianeum entfernt.

Weg zum Priestertum

Für das Theologiestudium musste er keinen allzu weiten Weg zurücklegen – bis 1896 fand der Lehrbetrieb noch in der „Alten Universität“ in der Domerschulstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft des Priesterseminars, statt. Für sein Studium hatte Faulhaber das Motto gewählt: „Nulla dies sine linea – Kein Tag ohne ein wenig Arbeit“. Seine Neigung zur prägnanten Verknappung von Aussagen brachte in einem „Kollegheft“ den Unterschied zwischen den beiden Weimarer Dichtergrößen so auf den Punkt: „Schiller hält die Fasern der Sittlichkeit höher als Göthe (!)“ – schöngeistige Fragestellungen interessierten Faulhaber sein Leben lang. Die theologische Prägung, die Faulhaber während des Studiums erfuhr, war wohl nachhaltig: „Die Methode ist die gläubig-rationelle Behandlung (...) Kirche und Wissenschaft sind nicht zu trennen.“

Erfolgreich war Faulhaber in Studium und Priesterseminar: Sein Beitrag für die regelmäßig von der Theologischen Fakultät ausgeschriebene Preisaufgabe mit dem Thema „Historisch-kritische Darstellung der griechischen Apologeten des 4. und 5. Jahrhunderts“ erhielt einen Preis, und im dritten Studienjahr war er „Novizenmeister“ des Priesterseminars. Zu seinen Aufgaben gehörte „das Ansehen der Vorstände und das Vertrauen zu ihnen bei den Alumnen lebendig zu erhalten“ und die Funktion eines „Anwalt(s) vernünftiger Wünsche“ – Faulhaber hatte also die Aufgabe eines Vermittlers, eines Brückenbauers, zwischen den Vorständen des Priesterseminars und den Seminaristen.

Knapp drei Jahre nach dem Eintritt in das Priesterseminar, am 1. August 1892, wurde er vom Würzburger Bischof Franz Josef von Stein zum Priester geweiht. Der Würzburger Regens charakterisierte Faulhaber in der „Personal-Beschreibung der Neupriester des Jahres 1892“ so: „Gesundheit: gesund; Geistesfähigkeiten: löste die Preisaufgabe; Predigt: sehr gut und gehaltvoll dabei originell; andere Kenntnisse: gründlich und umfassend; Charakter und sonstige Bem(erkungen): tüchtig und zuverlässig, voll Eifer“.

Summa cum laude

Faulhabers Zeit als Kaplan in Kitzingen dauerte nicht einmal ein Jahr. Dann kehrte er in das Kilianeum zurück: Am 26. Juli 1893 wurde er zum „Präfekten“ ernannt. Zu seinen Aufgaben gehörte die Betreuung der Seminaristen am Nachmittag und am Abend. Dies erlaubte ihm, sich am Vormittag ungestört auf die mündliche Promotionsprüfung vorzubereiten. Eine Dissertation hatte er nicht vorzulegen, denn die prämierte Preisarbeit wurde als Doktorarbeit anerkannt. Am 6. Mai 1895 bestand Faulhaber die mündliche Prüfung, das „Rigorosum“ mit „summa cum laude“, also mit „Ausgezeichnet“.

Die „Belohnung“ für seine Leistungen war ein Universitätsstipendium, das ihm Forschungsreisen ermöglichte: In Rom, wo er im Priesterkolleg „Anima“ wohnte, beschäftigte er sich mit den Kirchenvätern der Spätantike und fand schließlich auch in der Vatikanischen Bibliothek sein späteres Habilitationsthema über spätantike Bibelkommentare. Seinen Horizont weitete der Nachwuchswissenschaftler im Frühjahr 1897 mit einer Reise in den Nahen Osten: In Palästina, Ägypten, Syrien und im Libanon lernte Faulhaber die „Originalschauplätze“ des Alten und Neuen Testaments kennen.

Nach seiner Rückkehr nach Würzburg im August 1898 wünschte Faulhabers neuer Diözesanbischof Ferdinand von Schlör, der Nachfolger Franz Josef von Steins, dass der hochqualifzierte Theologe sich habilitieren sollte. An der Würzburger Universität unterrichtete Faulhaber Patristik, altchristliche Literaturgeschichte – er selbst hätte lieber Exegese, die Auslegung der Bibel, doziert. Wie schon in Rom, weitete Faulhaber seinen Horizont erneut durch Forschungsreisen: „Im Sommer 1900 bereiste er England und besuchte die Bibliotheken in London, Cambridge und Oxford, die Heimreise führte über Paris. Zwei Jahre später besuchte er die Bibliotheken von Saragossa, Madrid, Toledo und die des Escorial“, schreibt Schindler.

Karrieretechnisch war Faulhaber in Würzburg in eine Sackgasse geraten, da ihn Anton von Scholz, der Lehrstuhlinhaber für Altes Testament, nicht protegierte. Aus dieser verfahrenen Situation erlöste Faulhaber Kaiser Wilhelm II.: Am 24. Februar 1903 ernannte der Monarch den Nachwuchswissenschaftler zum Professor für Exegese des Alten Testaments an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Straßburg. Dort machte sich Faulhaber rasch einen Namen als lebendiger Redner. Großen Wert legte er auf eine populärwissenschaftliche Vermittlung – beispielsweise mit öffentlichen Vorlesungen über „Die Hl. Schrift als Königin der Weltliteratur“. Auch in der Fachwelt war Faulhaber akzeptiert, denn er wurde zum Mitherausgeber der Zeitschrift „Biblische Studien“ berufen. Nach siebeneinhalb Jahren nahm Faulhabers Karriere eine erneute Wendung: Am 4. November 1910 ernannte Prinzregent Luitpold den Straßburger Professor nach den Bestimmungen des Bayerischen Konkordats von 1817 zum Bischof von Speyer. Mit päpstlichen Bestätigung wurde Faulhaber knapp vier Monate später, am 19. Februar 1911, durch Franziskus von Bettinger, den Erzbischof von München und Freising, seinen „Heimatbischof“ Ferdinand von Schlör und den Straßburger Bischof Adolf Fritzen zum Bischof von Speyer geweiht. Die Weihe war ein Event, wie man heute sagen würde: 10000 Gäste waren aus ganz Bayern nach Speyer angereist.      

Stefan W. Römmelt

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