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      Interview mit Sebastian Volk über das Ministrieren in der Diözese Würzburg

      Der Dienst am Altar ist ein Erlebnis

      Der Ministrantendienst ist nach wie vor attraktiv. Das hat die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz im Sommer verkündet. Auch in Corona-Zeiten gebe es Aufnahmen in bestehende Gruppen. Das Sonntagsblatt hat nachgefragt bei Sebastian Volk, dem Referenten der Diözesanen Fachstelle Ministrant:innenarbeit.

      Herr Volk, wie hat sich die Zahl der Ministrantinnen und Ministranten in der Diözese Würzburg im letzten Jahr verändert?

      Konkret kann ich das nicht sagen, weil wir die Zahlen nur in sehr unregelmäßigen Abständen erheben. Zur letzten Erhebung 2015 hatten wir 15.500 Ministrant:innen. Die nächste Zählung fand 2020 statt. Wir haben gemerkt, dass die Zahlen nicht so belastbar sind, wie wir uns das gewünscht hätten. Denn die Corona-Pandemie hat in der Ministrant:innenarbeit ganz viel verändert. Am Anfang gab es einen Stopp, es gab keine gottesdienstlichen Feiern und auch der Ministrant:innendienst war über eine ganze Zeit untersagt. Da ist in einigen Gemeinden der Kontakt zu den Ministrant:innen abgerissen, deswegen sind nur ungefähre Angaben möglich. Ende des Jahres 2020 hatten wir etwa 12.500 Ministrant:innen in unserem Bistum.

      Welche langfristige Entwicklung gibt es?

      Von 2015 auf 2020 hatten wir einen Rückgang von 20 Prozent. Woher der kommt, können wir uns nicht erklären. Wir haben versucht, bei anderen Trägern von Jugendarbeit, Musik- und Sportvereinen, Vergleichszahlen zu finden, waren dabei leider nicht erfolgreich. Aber wir haben gesehen, dass wir eine ganze Reihe an Gruppenleiter:innen verloren haben. Im Vergleich zu 2015 haben wir 600 Gruppenleiter:innen weniger im Bistum.

      Wie erklären Sie sich den Rückgang?

      Es wäre blauäugig, zu denken, es hätte nichts mit der allgemeinen Situation in der Kirche zu tun. Was natürlich auch fehlt, ist der Erstkommunionjahrgang 2020. Weil der Ministrant:innendienst lange Zeit unklar und unsicher war, kann das ein Grund sein, warum im Herbst weniger angefangen haben. Es gibt andere Anbieter, die natürlich auch junge Leute suchen und binden. Das Budget an freier Zeit von Jugendlichen wird zudem wegen schulischer Belastungen immer weniger. Und dann schließe ich mich doch lieber dort an, wo ich das Gefühl habe, dass ich da eine gewisse Anerkennung und Reputation kriege und setze mich nicht mit einer Institution auseinander, die in der Öffentlichkeit schwierig dasteht. Die Leute gehen auch zum Arbeiten und Studieren weg, der Kontakt nach Zuhause reißt ab. In dem Moment gibt es weniger Gruppenleiter und dann gibt es auch immer weniger Angebote vor Ort.

      Sprechen 12.500 Jugendliche nicht auch für die Attraktivität der Kirche unter Jugendlichen?

      Ja! Auf jeden Fall. Weil wir ganz viele Ministrant:innengruppen haben, in denen ganz viel großartige Arbeit geleistet wird. Wo die Gemeinschaft vor Ort stabil und stark ist, da gibt es auch kein Nachwuchsproblem. Da gibt es eine große Identifikation mit der Gruppe und den Menschen.

      Auf einige wirkt der Ministrantendienst ver­altet und langweilig. Aber vielen gefällt es offenbar, dabei zu sein. Was macht den Dienst am Altar attraktiv?

      Es gibt durchaus noch Familien, in denen Gottesdienstbesuche eine große Rolle spielen. Da sind die Kinder gerne als Ministrant:innen unterwegs. Weil sie dann das Gefühl haben: Da habe ich was zu tun, da ist der Gottesdienstbesuch nicht so langweilig. Das ist das eine. Das andere ist: Der eine oder andere nimmt den Gottesdienst auch in Kauf, um Teil der Gemeinschaft zu sein. Die Gemeinschaft ist dann das Tragende, das Identitätsstiftende. Wenn Kinder und Jugendliche in ihrem Ministrant:innendienst verstehen, dass das, was im Gottesdienst passiert, mit ihrem Leben zu tun hat, dann besteht die Chance, dass eine langfristige Bindung entsteht.

      Wie wird sich das Ehrenamt in den nächsten Jahren entwickeln? Welche Veränderungen können Sie beobachten?

      Es hat sich schon ein bisschen auch das Bild verändert. Früher waren Ministrant:innen kleine Priester. Heute werden Ministrant:innen als Vertreter:innen der Gemeinde im Gottesdienst verstanden. Es ist noch nicht so lange her, dass Mädchen als Ministrantinnen zugelassen wurden. Das sind zwei große Veränderungen. Die Frage ist: Was passiert in einer Gesellschaft, in der Glaubenswissen immer weniger vorhanden ist? Wie gelingt es uns zum Beispiel in der Erstkommunionvorbereitung, die Kinder dafür zu begeistern, Ministrant:innen zu werden?

      Mit welcher Einstellung, welchen Hoffnungen blicken Sie in die Zukunft?

      Für mich ist Kirche etwas Wichtiges, weil ich einen Ort gefunden habe, an dem ich sein kann, wer ich bin. Mit all meinen Macken, mit all meinen Fehlern, mit dem, was im Leben schwer war. Dieses Bild von einem Gott, der mich annimmt, zu vermitteln ist unsere Aufgabe. Was junge Menschen beschäftigt, muss uns als Kirche beschäftigen und wir müssen unsere Arbeit daran orientieren. Mit unserem Festival „Wellenbrecher“ wollen wir als Fachstelle unseren Beitrag dazu leisten. Dasselbe gilt für das Projekt „Und du so?“ der kirchlichen Jugendarbeit und des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend in der Diözese Würzburg.

      Interview: Linus Hartmann (Sonntagsblatt)

      In der Diözese Würzburg liegt das Geschlechterverhältnis unter den Messdienerinnen und Messdienern bei 53 Prozent (weiblich) zu 47 Prozent (männlich). Zwei identifizieren sich als divers. 46 Prozent sind zwischen neun und zwölf Jahre alt. Die Altersstufe von 13 bis 17 Jahren ist mit 44 Prozent vertreten. Jede(r) zehnte ist über 18 Jahre alt. Davon ist jede(r) hundertste älter als 27. Unter dem Titel „Wellenbrecher“ plant die Diözesane Fachstelle Ministrant:innenarbeit ein Mini-Festival vom 17. bis 19. Juni 2022 in Münsterschwarzach. Beim Projekt „Und du so?“ wiederum sollen die Meinungen junger Menschen zwischen 14 und 27 Jahren zur Sprache kommen. Mehr dazu unter: und-du-so.de.

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