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Kommentar von Wolfgang Bullin

Der Aufschrei ist ausgeblieben

An der Botschaft dürfte es nicht liegen; die ist gut. Liegt es an der Vermittlung, den Vermittlern?

„Die Kirchen schrumpfen“ war ein Beitrag im Sonntagsblatt der vergangenen Woche überschrieben. Es ging um die kirchliche Statistik, die Evangelische Kirche in Deutschland und Deutsche Bischofskonferenz seit einigen Jahren gemeinsam präsentieren. Abgesehen von Nuancen teilen beide große Kirchen ja auch das gleiche Schicksal: seit Jahren Rückgänge bei Kirchenbesuch, Sakramentenempfang, Kirchenmitgliedschaft. Dazu kommt, dass noch nie so viele Kirchenaustritte zu verzeichnen waren wie 2019, nicht einmal während der Hochphase der Enthüllungen im Missbrauchsskandal. Es dürfte sich somit bei der Mehrheit der Austritte nicht um spontane Reaktionen auf Skandalöses handeln, mag bei vielen auch ein konkreter Anlass vorliegen, diesen Schritt zu tun.

Der Grund liegt tiefer. Von einer Entfremdung von der Kirche, die in der Regel über einen längeren Zeitraum gewachsen ist, sprechen die Fachleute. Untersuchungen belegen das. Einfacher ausgedrückt: Kirche ist für diese Menschen unwichtig geworden. Sie brauchen sie nicht mehr für ihr Leben. Andererseits ist unsere Zeit geprägt von einer ungeheuren Suche nach Orientierung. Der Markt der Sinn vermittelnden Angebote boomt, die abstrusesten Theorien finden Anhänger, gerade jetzt in Zeiten von Corona. Warum kommt dann die Kirche, kommen die Kirchen nicht auf einen grünen Zweig? An der Botschaft dürfte es nicht liegen; die ist gut. Liegt es an der Vermittlung, den Vermittlern? An der Last der 2000 Jahre? An der Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Reden und Handeln? An der Hartleibigkeit von Struktur und Institution? An der Gewohnheit?

Gewöhnt hat man sich innerkirchlich offenbar an den Schwund. Für die offiziellen Stellungnahmen zur Statistik hätte man zumeist auch Texte aus den Vorjahren recyceln können. Schnell ist man zur Tagesordnung übergegangen, damit die Zahlen bald aus dem Bewusstsein verschwinden. Einen Aufschrei hat es nicht gegeben. Und einen Aufbruch? Dafür muss wohl jeder bei sich selbst sorgen.   

Wolfgang Bullin

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