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    Interview mit Dr. Josef Schuster zum Ende des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“

    Den Weg des Miteinanders fortsetzen

    Am 31. Juli endet das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, das im Februar vergangenen Jahres begonnen hatte. Es fanden über 2000 Veranstaltungen statt. Organisiert hatte „#2021JLiD“ der Verein „321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Das Sonntagsblatt hat zum Abschluss des Jubiläumsjahres mit Dr. Josef Schuster (Foto: Zentralrat der Juden) gesprochen, dem in Würzburg lebenden Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Schuster ist zudem Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken.

    Herr Dr. Schuster, warum wurde das Jubiläumsjahr Ende 2021 um ein halbes Jahr verlängert?

    Die Verlängerung war notwendig geworden, nachdem im ersten Halbjahr des vorigen Jahres zahlreiche Veranstaltungen wegen Corona nicht stattfinden konnten. Deswegen war es sinnvoll und gut, eine Reihe der Veranstaltungen nachzuholen, als es wieder möglich war.

    Welche Bilanz ziehen Sie für das Jubiläumsjahr?

    Dieses Festjahr hat es in meinen Augen geschafft, mehr zu bewirken, als ich es im Vorfeld geglaubt hatte. Die Präsenz jüdischen Lebens in Deutschland über viele, viele Jahrhunderte war vielen Menschen vorher nicht präsent. Dadurch wurde klar, dass Juden in Deutschland nichts Exotisches sind.

    Können Sie einige für Sie besonders wichtige Veranstaltungen benennen?

    Die mehr als 2000 Veranstaltungen haben das Spektrum des jüdischen Lebens in seiner ganzen Breite gezeigt. Zum Lebensumfeld eines Juden gehören beispielsweise die koschere Küche und jüdische Spezialitäten. Das wurde bei den Koch-Events besonders schön deutlich. Ansonsten sind Juden Menschen wie Sie und ich mit allen möglichen Berufen. Das wurde im Festjahr auf ganz unterschiedliche Weise vermittelt.

    Welche Veranstaltungen in Würzburg und Unterfranken haben Sie besonders beeindruckt?

    In Würzburg wurde ein breites Spektrum an verschiedenen Veranstaltungen angeboten, häufig in Kooperation mit den christlichen Kirchen und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit aber auch mit der Stadt Würzburg, dem Bezirk Unterfranken, dem Johanna-Stahl-Zentrum und der Universität, die eine bemerkenswerte Vorlesungsreihe abgehalten hat. Im Johanna-Stahl-Zentrum fand beispielsweise die Ausstellung „Nachhall“ statt, eine sehr moderne Kunstform, die auch die jüdischen Grabsteine mit einbezogen hat. Das war etwas Besonderes.

    Was hat sich für Sie persönlich durch das Jubiläumsjahr verändert?

    Für mich persönlich hat sich nichts verändert. Viele der Inhalte, die vermittelt wurden, haben sich an eine nichtjüdische Öffentlichkeit gewandt. Deren Einstellung dürfte sich teilweise schon geändert haben.

    Welche Bedeutung hat das Jubiläumsjahr für das Zusammenleben von Christen und Juden hierzulande?

    Das Zusammenleben von Juden und Christen durch die Jahrhunderte wurde in vielen Veranstaltungen ebenso thematisiert wie der christliche Antijudaismus mit seinen Folgen. Dadurch fand auch in vielen kirchlichen Kreisen noch einmal ein Nachdenken statt.

    Der Antisemitismus in Deutschland hat laut Verfassungsschutzbericht zugenommen. Welche Veranstaltungsformate, die im Jubiläumsjahr erfolgreich waren, werden weiter genutzt, um ihn zu bekämpfen?

    Ein erfolgreiches Format des Zentralrats der Juden will ich nennen, das es schon vor dem Festjahr gab: „Meet a Jew“. Wenn jüdische Freiwillige in Schulen oder Vereinen aus ihrem Leben erzählen, wird oft deutlich, dass die jüdischen Jugendlichen die gleichen Interessen und identischen Sorgen haben wie die nichtjüdischen Jugendlichen.

    Was erwarten Sie von den christlichen Kirchen für das zukünftige Zusammenleben mit den Jüdinnen und Juden in Deutschland und Unterfranken?

    Die Zusammenarbeit mit den christlichen Kirchen ist sehr gut und sehr positiv. Von den christlichen Kirchen wird viel getan, um den aus christlichen Quellen stammenden Antisemitismus zu bekämpfen. Wir wollen den Weg des Miteinanders fortsetzen.

    Die Zahl der Christinnen und Christen in Deutschland nimmt ab. Welche Rolle soll Ihrer Meinung nach das Judentum in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft spielen?

    Es gibt ethische Leitlinien, die unabhängig sind von der eigenen Religion. Diese ethischen Leitlinien werden in einer zunehmend pluralen Gesellschaft das Fundament bilden. Hier sollte das Grundgesetz als Richtschnur dienen.

    Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich für das künftige Jubiläum „1750 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wünschen?

    Ich würde mir wünschen, dass die Veranstaltungen zum Thema Antisemitismus entfallen könnten. Allerdings gebe ich zu: Sehr realistisch ist das nicht.

    Interview: Stefan W. Römmelt