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Marienfiguren

Bildergalerie – ein Blick zurück

Zum 80. von Bischof em. Friedhelm Hofmann hat das Sonntagsblatt ins Archiv geschaut.

    Zum 80. von Bischof em. Friedhelm Hofmann hat das Sonntagsblatt ins Archiv...

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    Von Rieneck geht es über den Nonnenpfad zum Kloster Schönau

    Dem Kloster entgegen

    Es herrscht Aufbruchstimmung im Franziskaner-Minoritenkloster Schönau bei Gemünden: Die Hausgemeinschaft ist mit fünf Brüdern so stark wie lange nicht, sodass die Ordensleute die Vielfalt ihres Angebots, den Menschen der Region bei Lebens- und Glaubensfragen zur Seite zu stehen, ausgeweitet haben. Aktiv ist dabei auch der Förderkreis Kloster und Wallfahrtskirche Schönau. Vorsitzender Dr. Gerhard Köhler hat zuletzt viel Energie darauf verwandt, den Nonnenpfad neu zu erschließen. Das ist ein historischer Wanderweg, der vom Tal der Sinn in das der Fränkischen Saale führt. Auf der rund sieben Kilometer langen Tour sind annähernd 270 Höhenmeter zu bewältigen. Franziskaner und Förderer laden dazu ein, sich aufzumachen.

    Für Matthias Risser, stellvertretender Vorsitzender des Schönauer Förderkreises, ist der Nonnenpfad von Rieneck nach Schönau „ein Spiegelbild des Lebens“: „Zunächst geht es bergauf, mitunter sehr steil. Nach fast der Hälfte der Strecke erreicht man ein Plateau – in diesem Fall heißt es Harres. Man hat bereits viel geschafft, Zufriedenheit stellt sich ein, man ruht sich aus und genießt. Doch es liegt noch ein ebenso langer Weg vor einem. Zunächst geht’s eben weiter. Dann folgen die mehr oder weniger abschüssigen Abschnitte, zuletzt ein Zick-Zack-Kurs nach unten in die ‚schöne Au’. Die Glocke ruft am Ende zum Gebet und zur Einkehr.“

    Ursprünglich kein Zurück

    In der Vergangenheit war ein anschließender Rückmarsch von Schönau nach Rieneck übrigens nicht vorgesehen: Die unverheirateten Töchter der Grafen von Rieneck mussten einst den Steinernen Berg und sich selbst auf dem Nonnenpfad überwinden, um im Kloster Schönau als Ordensfrauen einzutreten. Der Volksmund spricht deshalb vom „Weg der Tränen“.

    Freundlich und gar nicht unglücklich blickt heutzutage die Nonne auf den Markierungstäfelchen am Weg drein. Dr. Gerhard Köhler, der den Förderkreis mit seinen aktuell 125 Mitgliedern 2013 aus der Taufe gehoben hat und seither leitet, betont: „Um keinen Baum zu beschädigen, sind die Metallschildchen nicht an die Stämme genagelt – nur geklebt.“ Der Spessartbund habe sich darum gekümmert. Parallel dazu habe der Naturpark Spessart seine einheitlichen Wanderwegweiser mit Entfernungsangaben aufstellen lassen. Im Übrigen verlaufe jetzt ein Stück des Fränkischen Marienwegs auf dem Nonnenpfad.

    Kriege und die Reformation

    Dr. Köhler versteht es zu motivieren: Für das Projekt „Nonnenpfad“ konnte er die Rathauschefs der drei tangierten Kommunen Rieneck, Gräfendorf und Gemünden begeistern sowie die jeweiligen Touristiker und viele mehr. So lobt er unter anderem die Mitarbeiter der Bauhöfe und die Jugendfeuerwehrler aus Seifriedsburg. Sie schlugen die teilweise zugewucherte Trasse frei und ebneten holprige Stellen. Auf dem höchsten Punkt bei „413 m ü. NN“ wurde ein Rastplatz mit Tisch und Bänken sowie Infotafeln geschaffen. Den größten finanziellen Beitrag an den Gesamtkosten von etwa 5000 Euro leistete laut Dr. Köhler das Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken über die Sinngrund-Allianz.

    Vom Sinngrund aus kam schon in der Frühzeit des Klosters Schönau Unterstützung: Als das 1189 von den Freiherren von Thüngen direkt am Saaleufer als Zisterzienserinnenabtei gegründete Kloster  Mitte des 13. Jahrhunderts zu veröden drohte, traten die Grafen von Rieneck als Wohltäter auf, ließen neue Gebäude weiter hangwärts errichten und sorgten für eine Besetzung vorwiegend mit Frauen aus der Adelsfamilie.

    Neubelebung durch Franziskaner-Minoriten

    Nach segensreichem Wirken der Zisterzienserinnen löste sich die Gemeinschaft infolge von Kriegen und der Reformation 1564 auf. 1699 belebten Franziskaner-Minoriten das Kloster neu. Sie barockisierten es mithilfe des Baumeisters und Stuckmarmorierers Bruder Kilian Stauffer und des Thüngersheimer Malers Georg Sebastian Urlaub. Die Franziskaner-Minoriten blieben durchgängig präsent, sogar über die Säkularisation hinweg. Pater Totnan Schech widersetzte sich 1803 erfolgreich allen Versuchen, ihn umzusiedeln. Man erzählt sich, dass er 40 Jahre später König Ludwig I. von Bayern auf dessen Fahrt zur Kur nach Bad Brückenau eine Petition in die Kutsche reichte. Der Regent gestattete 1843 dem Orden einen personellen Neustart.

    Vor allem seit 1704 die Gebeine der Heiligen Viktor und Antonin aus den Römischen Katakomben in den Seitenaltären beigesetzt wurden, pilgern Wallfahrer zur Schönauer Kirche. Sie ist im Wesentlichen in ihrem historischen Bestand erhalten. Aber das Konventsgebäude wurde 1975 abgerissen und durch eine Dreiflügelanlage nach Plänen des Würzburger Architekten Walter Schilling ersetzt. Eine neue Begegnungsstätte (Pilgerheim) steht seit 2004 zur Verfügung.

    Bier und Spiritualität

    Neben ihren Seelsorgeaufträgen in der Umgebung und den Eucharistiefeiern im eigenen Gotteshaus setzen die Brüder im Kloster Schönau heute insbesondere auf Besinnungstage und Einzelgespräche, um die Gläubigen zu begleiten.

    Mit Bruder Tobias Matheis kam „Deutschlands kleinste Klosterbrauerei“ nach Schönau. Ihm ist gestattet, „für den Eigenbedarf“ maximal 200 Liter Bier im Jahr herzustellen. Der examinierte Krankenpfleger ist drei Tage die Woche in der Würzburger Straßenambulanz im Einsatz. So bleibt noch Zeit für ein außergewöhnliches spirituelles Angebot in Schönau – zum Beispiel nach einer Wanderung auf dem Nonnenpfad: „Bibel. Bier. Begegnung. Ein himmlischer Dreiklang.“

    Und es gibt noch weitere Pläne rund um das Kloster: Kürzlich erhielt der Schönauer Förderkreis die Zusage durch den Bürgermeister von Gemünden, dass die dort im Huttenschloss verwahrte Krippe des Klosters an ihrem einstigen Aufstellungsort zurückgebracht werden soll. Heuer zu Weihnachten klappt dies noch nicht; in Abstimmung mit dem Kunstreferenten der Diözese wird ein Konzept erarbeitet. Es handelt sich um eine Jahreskrippe, bei der mit der Präsentation nicht bis zum Advent 2022 gewartet werden muss. Beispielsweise könnte man mit der Hochzeit von Kana einsteigen, als nach dem Johannesevangelium das öffentliche Wirken Jesu begann. – Es herrschte Aufbruchstimmung...

    Bernhard Schneider

    Die Fernsehredaktion des Bistums war bei der Eröffnung des Nonnenpfads im Herbst dabei. Den Beitrag finden Sie auf der Homepage der Fernsehredaktion.