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An Mariä Himmelfahrt strebt der Mensch gen Himmel – vier Treppenanlagen im Bistum erleichtern den „Aufstieg“

Dem Himmel ein Stück näher

An Mariä Himmelfahrt feiert die katholische Kirche traditionell die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Auch der Mensch versucht in den Tagen rund um den 15. August dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Das legen zumindest vier beeindruckende Treppenanlagen im Bistum Würzburg nahe, die zu auf dem Berg gelegenen Marien-Wallfahrtskirchen führen.

Obwohl die Bibel nicht ausdrücklich von einer leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel berichtet, ist Mariä Himmelfahrt seit Jahrhunderten fester Bestandteil der katholischen Tradition. Das Fest, das in der Ostkirche des 6. Jahrhunderts noch Mariä Heimgang hieß, verbreitete sich rasch auch in der westlichen Christenheit, wo es bald Assumptio (lat. Aufnahme) hieß. Damit brachte man die verbreitete Idee der Unverweslichkeit des Leibes und die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel zum Ausdruck. Im Gegensatz zur Auffahrt Christi gelangt Maria aber nicht aus eigener Kraft in den Himmel, sondern wird von Christus aufgenommen – ein Unterschied, der im Lateinischen gut erkennbar ist: Dort heißt die Himmelfahrt Christi nämlich „Ascensio“ (lat. Aufstieg), die Aufnahme Mariens dagegen „Assumptio“. Im Konzil von Trient wurde die Aufnahme Ma­riens zum festen Bestandteil der kirchlichen Lehre. 1950 hat Papst Pius XII. die Tradition zum Dogma erklärt.

Erhaben und erhebend

Mit ihrer Aufnahme in den Himmel ist Maria der Inbegriff des erlösten Menschen: Sie hat einen Zustand erreicht, den alle Gläubigen anstreben, aber erst zum Jüngsten Tag erreichen: Die Nähe zu Gott. Was also ist an Himmelfahrt naheliegender als dem Himmel schon zu Lebzeiten ein wenig näher zu kommen? Um dies für den Menschen auch körperlich erfahrbar zu machen, sind im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Marienkirchen auf Bergen erbaut worden. Erreichbar sind diese meist über eindrucksvolle Treppenanlagen. Auch im Bistum Würzburg stehen einige bekannte Marienwallfahrtskirchen erhöht – so Maria Ehrenberg in der Rhön, die Wallfahrtskirche auf dem Engelberg bei Miltenberg, das Zeiler Käppele in den Haßbergen und das Würzburger Käppele. Sie alle lohnen nicht nur einen Besuch, sondern halten mit ihren Treppenanlagen zugleich ein besonderes spirituelles Erlebnis bereit. Für Pfarrer Michael Erhart aus Zeil am Main etwa ist der weite Ausblick nach den Strapazen des Aufstiegs „erhaben und erhebend zugleich“. „Und genau das brauchen viele Menschen heute in emotionaler und spiritueller Hinsicht. Viele Menschen fühlen sich niedergedrückt und klein, hier haben sie das Gefühl, dass sie erhoben, aufgehoben werden.“

Wie eine Himmelsleiter

Die Wallfahrtskirche Maria Ehrenberg liegt auf einer 674 Meter hohen Basaltkuppe der Bayerischen Rhön. Seit fast 500 Jahren verehren die Menschen hier die „Mutter der Barmherzigkeit“ eine spätgotische Madonna mit Jesuskind aus dem 15. Jahrhundert. Durch die besondere Lage im Truppenübungsplatz Wildflecken trägt Maria hier zudem den Titel „Königin des Friedens“. Nachdem der Pilger sich über Panzerstraßen und staubige Pisten (die nur an bestimmten Tagen zugänglich sind) dem Berg angenähert hat, erhebt sich kurz vor dem Ziel eine gewaltige Treppenanlage. Wie eine Himmelsleiter weist sie mit über 252 Stufen in den Himmel. Gegliedert wird diese durch drei Plateaus mit Marienfiguren, die den freudenreichen, den schmerzensreichen und den glorreichen Rosenkranz versinnbildlichen. Einem traditionellen Segensgestus folgend, berühren Pilger den Fuß der Statuen und bekreuzigen sich, dann geht es Stufe um Stufe betend den Berg hinauf. Hauptwallfahrtstag mit bis zu 10 000 Besuchern ist Mariä Himmelfahrt, das bereits am Vorabend mit Lichterprozession und Nachtwache begonnen wird.

Die Engelsstaffeln

Die Verehrung der Mutter Gottes auf dem Engelberg bei Großheubach reicht vermutlich bis in die Zeit um 1300 zurück, der erste urkundliche Wallfahrtsbeleg stammt aus dem Jahr 1406. Seit 1828 sorgen sich Franziskaner um das Wohl der Pilgerscharen. Ziel der Pilger ist das gütig lächelnde Gnadenbild „Maria von der Freude“. Außerdem verspricht die exponierte Lage auf dem südwestlichsten Ausläufer des Spessarts einen atemberaubenden Ausblick über Maintal, Spessart und Odenwald. Zuvor muss der Pilger jedoch 612 steinerne Stufen, die so genannten „Engelsstaffeln“ erklimmen. Diese heißen so, weil der Legende nach Engel den Bauplatz der Kirche bestimmt haben. Die Engelsstaffeln sind Teil der 1637 angelegten „Himmelsstiege“ mit sechs barocken Kapellen und 14 Kreuzwegstationen. Eine weit verbreitete Tradition war einst das Staffelbeten, die aus dem Abbeten je eines „Vaterunser“, „Gegrüßet seist Du Maria“ und „Ehre sei dem Vater“ pro Stufe bestand. Bis in die Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts konnte man immer wieder Gläubige antreffen, die die Staffeln auf Knien nach oben rutschten.

Das fränkische Lourdes

Als „fränkisches Lourdes“ wird das Zeiler Käppele gerne bezeichnet. Denn die zwischen 1894 und 1897 erbaute Wallfahrtskapelle „Zur Unbefleckten Empfängnis Mariens“ ist nicht nur ganz im Stil französischer Kathedralen gestaltet, auch eine Miniatur-Nachbildung der weltbekannten Lourdes-Grotte findet der Pilger hier. Dechantpfarrer Karl-Josef Link hatte diese 1883 errichten lassen, um die Lourdes-Frömmigkeit hierzulande weiter zu verbreiten. Darüber hinaus ist das Zeiler Käppele in besonderer Weise Gebetsort für geistliche Berufe. An jedem ersten Sonntag im Monat wird die nachmittägliche Andacht in dieser Intention gefeiert. Einer der Hauptwallfahrtstage ist Mariä Himmelfahrt. Dann feiern etwa 500 Menschen gemeinsam Gottesdienst am Freialtar.

Unscheinbares Gnadenbild

Eines der Wahrzeichen der Bischofsstadt ist das Würzburger Käppele auf dem Nikolausberg. Die zwischen 1748 und 1750 nach Plänen von Balthasar Neumann erbaute Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“ ist ein Juwel des Barock. Vor allem aber das unscheinbare Gnadenbild zieht bis heute zahllose Hilfesuchende an. Von deren Nöten und dem Dank für Gebetserhörung erzählen zahllose Votivgaben im Mirakelgang. Statt der Fahrstraße sollten Besucher den Weg über den Stationsweg mit seinen über dreihundert Stufen wählen, der 1761 bis 1769 von Dominikus Ickelsheimer erbaut wurde. Der großzügige doppelte Stufenbau wird von 77 Figuren und 14 Stationskapellen auf fünf Terrassen gesäumt. Die künstlerisch bedeutsamen Kreuzweggruppen hat der Würzburger Hofbildhauer Peter Wagner geschaffen. Oben erwartet den Besucher ein grandioser Ausblick über die gesamte Stadt. Zwar bewältigen heutige Käppele-Pilger die Stufen nicht mehr wie früher auf den Knien, das Beten des Kreuzweges gehört jedoch nach wie vor traditionell zu einer Käppeles-Wallfahrt dazu.     

Anja Legge

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