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„Kunsthistorische Detektivarbeit“ zum Kiliansaltar aus Basel im Museum für Franken

Dem Geheimnis auf der Spur

Er ist Augenweide und Rätsel zugleich. Prächtige Farben, Vergoldungen, Schnitzwerk und Details zeichnen den spätmittelalterlichen Kiliansaltar aus Basel aus. Selbst nachdem die Sehgewohnheiten sich über 500 Jahre stark verändert haben, stehen Betrachter heute noch staunend vor dem Flügelaltar. Unbekannt ist, wo er ursprünglich einmal stand. Ein Rätsel, das Dr. Claudia Lichte vom Würzburger Museum für Franken – wo der Kiliansaltar derzeit als Leihgabe des Historischen Museums Basel zu sehen ist – lösen will.

Steht man mit der Kunsthistorikerin vor dem Altar, ist ihre Begeisterung deutlich spürbar. Die Augen der Museumsleiterin und stellvertretenden Direktorin leuchten beim Anblick der geschnitzten Heiligenfiguren – Christophorus und Dorothea auf den Flügeln sowie im Zentrum Hieronymus, Kilian und Burkard (von links). Sie zeigt auf Details, wie ihr liebstes, den Löwen zu Füßen des Hieronymus, und ab und zu schaut sie einfach still lächelnd auf das 1,84 mal 2,12 Meter große Werk aus Lindenholz. Sie sieht, was Anderen verborgen bleibt.

„Kunsthistorische Detektivarbeit“ nennt Lichte ihre Aufgabe, also Hinschauen, Vergleichen, Erkennen und Recherchieren. Und die 60-jährige Kunsthistorikerin ist eine gute Detektivin. Lichte hat herausgefunden, was über den Altar, der zwischen 1470 und 1479 entstand – so verrät es ein bis auf die letzte Zahl vollständige Inschrift – und in Basel 1886 aus einer Privatsammlung angekauft wurde, unbekannt war. Nämlich, dass er aus der Gegend rund um Schwäbisch-Hall beziehungsweise aus Württembergisch-Franken, wie es in der Kunstgeschichte heißt, stammt. Wie hat sie das gemacht?

Granatapfelmuster als wichtiger Hinweis

Kilian mit Kolonat und Totnan, die auf die Rückseiten der Flügel gemalt sind, sowie Burkard verwiesen eindeutig auf das Bistum Würzburg. Der Schlüsselhinweis war für die Kunsthistorikerin, neben Vergleichen mit anderen Altären, aber das Muster, das im Goldgrund und im dunkleren Teil darunter – von Lichte als herrschaftliches Ehrentuch gedeutet – zu sehen ist. Wer da ganz genau hinsieht, erkennt in den beiden Hintergründen, die als Symbole für Himmlisch und Irdisch die Heiligen zu Mittlern zwischen den beiden Sphären werden lassen, ein sogenanntes Granatapfelmuster. Das heißt so, weil es an einen aufgeschnittenen Granatapfel erinnert.

Lichte machte sich auf die Suche nach dem Muster. Glück habe sie insofern gehabt, als dass sie, wie der berühmte fränkische Künstler Tilman Riemenschneider, „geschickt geheiratet“ habe, sagt die Forscherin und schmunzelt. Ihr Mann ist Restaurator und hat an einem dicken Buch über Muster in Schwaben mitgearbeitet. Darin fand sich ein nahezu identisches Muster für Altäre im Grenzgebiet des einstigen Hochstifts Würzburg zu Württemberg. Die Aufstellung von Altären mit den Frankenaposteln an den Grenzen des Herrschaftsbereichs sei damals durchaus üblich gewesen, erklärt Lichte. Das machte Fremden klar: Hier beginnt das Territorium des Fürstbischofs von Würzburg.

Die „kunsthistorische Detektivarbeit“ ist freilich noch nicht zu Ende. Lichte will den genauen Aufstellungsort finden, bevor der Altar wieder zurück nach Basel geht. Dafür grenzt sie die möglichen Aufstellungsorte weiter ein. Einerseits sucht sie anhand von Kirchen und ihren Patrozinien. Christophorus, der der Legende nach das Jesuskind auf seinen Schultern durch einen Fluss trug und daher als Schutzheiliger der Reisenden gilt, könne auf eine Wallfahrtskirche hinweisen; Dorothea mit dem Blumen- und Früchtekorb in der Hand, den ihr ein Engel gebracht haben soll, wegen der Verknüpfung ihrer Person mit der Nächstenliebe eventuell auf eine Spitalkirche.

Auftraggeber war wohl Vermögend

Andererseits hilft die künstlerische Pracht Lichte beim Eingrenzen. Sie geht von einer privaten Stiftung aus, auch weil der relativ kleine Altar auf persönliche Andacht hin angelegt ist. Und wer – wohl aus Sorge um sein Seelenheil – solch ein Prachtstück beauftragte, war nicht arm. Eine einfache Dorfkirche scheint als Aufstellungsort ausgeschlossen. Wahrscheinlicher sei eine Schlosskirche oder -kapelle, so Lichte. Und: Vielleicht ist einer der Heiligen auch Namenspatron des Stifters. Aktuell geht die Forscherin dem Hinweis eines Privatmanns auf einen möglichen Aufstellungsort nach. Für weitere Tipps, woher der Altar stammen könnte, ist sie dankbar.

Dankbar ist man am Museum für Franken, dass der Kiliansaltar noch bis Anfang 2021 bleibt, besitzt man selbst doch keinen komplett erhaltenen spätgotischen Flügelaltar. Und obwohl seit seiner Entstehung über ein halbes Jahrhundert vergangen ist, fasziniert der Altar die Besucher noch immer, hat Lichte bei Führungen beobachtet. Es mache ihnen Freude ihn mit eigenen Augen zu entdecken. Und Lichte? Sie bleibt dem Geheimnis des Kiliansaltars weiter auf der Spur...     
Anna-Lena Herbert

Öffnungszeiten Museum für Franken (Würzburger Festung Marienberg): Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Eintritt regulär 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, sonntags 1 Euro, bis 17 Jahre freier Eintritt. Infos online unter: „www.museum-franken.de“.

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