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Glocken in der Diözese Würzburg – Teil 21: Die Glocken des Würzburger Doms St. Kilian

„Auf solch ein Geläute muss man stolz sein“

Das mächtige Geläut des Doms wird auch heuer wieder in der Kilianiwoche vom 5. Bis 12. Juli erklingen. Und zwar täglich zu den Pontifikalämtern um 10 Uhr, die Bischof Franz und Weihbischof Ulrich Boom im Wechsel zelebrieren. Grund genug, sich die 20 Glocken einmal aus der Nähe anzuschauen.

Wer das tun will, braucht eine Erlaubnis vom Staatlichen Hochbauamt. „Das trägt hier nämlich die Baulast“, sagt Dompfarrer Dr. Jürgen Vorndran, während er die Tür im Turmuntergeschoss Untergeschoss öffnet. Für das liturgische Gerät hingegen sei die Kirche zuständig, betont der 53-Jährige. Und hierzu zählen auch die Glocken. Hinauf geht es eine enorm lange Wendeltreppe. Nach gefühlten 1000 Stufen ist die Glockenstube erreicht. Es geht kurz an die frische Luft. Zwischen den beiden Türmen fällt der Blick auf Domstraße, Alte Mainbrücke und Festung.

In den Westtürmen

„Glocken“, sagt Dompfarrer Vorndran, „gibt es im Würzburger Dom nur in den beiden Westtürmen“. Dann wendet er sich der gewaltigen Glocke im Nordwestturm zu. „Nein”, sagt Vorndran, das sei nicht die berühmte Salvatorglocke. „Dies hier ist die Kiliansglocke.“ Es ist die zweigrößte Glocke des Doms. Die über neun Tonnen schwere Salvatorglocke befindet sich im Turm gegenüber. Wie die Kiliansglocke und die Salvatorglocke sind die insgesamt elf Glocken des Hauptgeläutes allesamt aus der Nachkriegszeit. Denn bis auf eine einzige Glocke überstand keine Glocke des historischen Geläuts den Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945. Die Glocken in den Westtürmen zerschmolzen, die flüssige Bronze drang bis unter den Boden des Domes und zerstörte dort unter anderem Teile des Domschatzes. Die neuen Glocken des Hauptgeläuts goss Wilhelm Friedrich Schilling in Heidelberg im Jahr 1965. Die Glockenweihe erfolgte am 18. Mai 1966 durch den apostolischen Nuntius Corrado Bafile.

Dompfarrer Vorndran lenkt den Blick nach oben. Denn oberhalb der schwersten Glocke des Geläuts befindet sich eben jene Glocke, die als einzige vom historischen Geläut erhalten ist. „Das ist die Lobdeburgglocke“, sagt Vorndran. Die fast anderthalb Tonnen schwere Glocke ist aus dem Jahr 1257. Den Krieg überstand sie, weil sie 1933 in die Sepultur des Domes gebracht worden war. Ihren Namen hat sie nach Fürstbischof Hermann I. von Lobdeburg, der ihren Guss in Auftrag gab. Heute ist die Lobdeburgglocke die zweitälteste Glocke des Bistums. Als älteste gilt die Katharinenglocke von St. Burkard in Würzburg aus dem Jahr 1249. Die noch ältere Heinle-Glocke von 1220 im Dom wurde beim Bombenangriff 1945 zerstört; sie galt als älteste Glocke Deutschlands.

26 Tonnen Gewicht

Oberhalb der Lobdeburgglocke hängen die acht kleineren Glocken des Zimbelgeläuts, die vor zwölf Jahren von kirchlichen Trägern, Gruppen, Persönlichkeiten und von Bürgern aus Stadt und Land gestiftet wurden. Gegossen hat sie die Glockengießerei Perner in Passau. Mit einem Gesamtgewicht von etwa 26 Tonnen zählt das Geläut des Würzburger Doms zu den größten Deutschlands.

Und wie Dompfarrer Vorndran, so sind auch Glockenexperten vom Gesamtklang sehr angetan. So lobt die Glockensachverständige Katja Mark-Engert die „Klangfülle“ und „Farbenpracht“ des Geläuts. „Die Zusammensetzung aus einer historischen Glocke aus dem 13. Jahrhundert als noch ursprüngliche Zeitzeugin, dem elfstimmigen Nachkriegsgeläute und einem achtstimmigen Zimbelgeläute der 2000er als Glanzlichter darüber ist aufgrund der Anzahl und unterschiedlichen Gusszeiten besonders“, sagt Mark-Engert, die außerdem die „zahlreichen Möglichkeiten der Kompositionen von Teilgeläuten und damit verbundenen Klangvariationen“ hervorhebt.

Das sei „maßgebend für die Wertigkeit“. Die einzelne Salvator- oder Lobdeburgglocke habe in sich schon sehr viel Kraft und Ausdruck mit nur einer Stimme, die Zimbeln seien „wie funkelnde, musikalische Sterne über dem Hauptgeläute, das die massive und klangstarke Basis darstellt“. Das Plenum aller Glocken sei „schlussendlich schlichtweg überwäl- tigend“, so Mark-Engert. „Insbesondere als Würzburger muss man einfach auf solch ein Geläute stolz sein.“ Das alles funktioniert nicht ohne ordnende Hand. Um das zu sehen, geht es jetzt wieder hinunter.

Freitags um 15 Uhr

Ganz am anderen Ende des Doms in der Sakristei ist Dommesner Thomas Schumann mit Organisatorischem beschäftigt. „Herr Schumann ist sozusagen der Glöckner von St. Kilian“, sagt Vorndran. Schumann winkt lächelnd ab. Heute mache das ja alles der Computer. Er versieht den Dienst schon seit Jahrzehnten. Früher seien die rund 40 Glockenmotive per Hand gesteuert worden. Heute müssten sie nur einprogrammiert werden. 20 verschiedene Motive sind es aber immer noch. Einen Stundenschlag gibt es übrigens nicht am Dom, sagt der Dommesner. Man habe befunden, dass der Stundenschlag vom nahen Rathaus genüge und es keinen weiteren Stundenschlag benötige.

Und dann hat Schumann noch eine Art Tipp zur Lobdeburgglocke. Denn diese wertvolle Glocke erklingt nicht als Teil des Plenums. Wer die Lobdeburgglocke hören möchte, braucht nur freitags um 15 Uhr zum Dom zu kommen. Denn sie erklingt stets zur Sterbestunde Christi. 

   Frank Kupke

Auf dem YouTube-Kanal von Glockenfan Ben Schröder (siehe Ausgabe 50/2016) kann man die Domglocken hören: „bit.ly/glockenzeit_kiliansdom“.
 

Das Geläut des Würzburger Doms

I. Lobdeburgglocke (Südwestturm): Guss: 1257; Gießer: Magister Cunradus Citewar, Würzburg; Gewicht: 1,386 Tonnen; Durchmesser: 1,27 Meter; Schlagton: es‘ (+5); Umschrift (in Versalien): „Anno Domini M.CC.LVII facta est hec campana a capio. Sub o. ctod. de Lobdeburg”; Ornament: Krone mit Zopfbügeln.

II. Das Schilling-Geläut: Guss: 1965; Gießer: Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg; Zierde: Bildhauer Albert Schilling.

1. Salvator (Südwestturm): Gewicht: 9,088 Tonnen; Durchmesser: 2,318 Meter; Schlagton: g°; Umschrift (in Versalien): „Jesu Christe – Salvator mundi veni cum pace – anno Domini MCMLXV“; Ornamente: 13 netzartig miteinander verbundene Kreuze, Christus und die 12 Apostel symbolisierend.

2. Kilian, Kolonat und Totan (Märtyrer): – Glocken 2 bis 11 im Nordwestturm; Gewicht: 3,968 Tonnen; Durchmesser: 1,765 Meter; Schlagton: b°; Umschrift (in Versalien): „S. Kiliane S. Kolonate S. Totnane orate pro cuncto populo christiano. Anno Domini MCMLXV”; Ornamente: Wappen des Domkapitel.

3. Osanna: Gewicht: 2,786 Tonnen; Durchmesser: 1,765 Meter; Schlagton: c‘; Umschrift (in Versalien): „Osanna vocor populos orare exhortor. Anno Domini MCMLXV”; Ornamente: Stilisierte Sonnen, Wappen von Bischof Josef Stangl.

4. Maria: Gewicht: 2,390 Tonnen; Durchmesser: 1,487 Meter Schlagton: d‘; Umschrift (in Versalien): „Janua coeli vas spirituale gratia plena. Anno Domini MCMLXV”; Ornamente: Buch, Kelch, Maria mit Kind.

5. Michael: Gewicht: 1,354 Tonnen; Durchmesser: 1,237 Meter; Schlagton: f‘; Umschrift (in Versalien): „S. Michael archangele, defende nos in proello. Anno Domini MCMLXV”; Ornament: Kreuz.

6. Peter und Paul: Gewicht: 951 KG; Durchmesser: 1,104 Meter; Schlagton: g‘; Umschrift (in Versalien): „Sanct Petere et Paule, intercedite pro universa ecclesia Dei. Anno Domini MCMLXV”; Ornamente: Schwert und Schlüssel, Thron.

7. Bruno: Gewicht: 934 KG; Durchmesser: 1, 087 Meter; Schlagton: a‘; Umschrift (in Versalien): „S. Brunone episope, patrone urbis et patriae custodi franconiam nostram. Anno Domini MCMLXV”; Ornamente: Stab, Mitra, Herzogsschwert.

8. Andreas: Gewicht: 814 KG; Durchmesser: 1,023 Meter; Schlagton: b‘; Umschrift (in Versalien): „S. Andrea apostole, amator crucis conforta Christi fideles. Anno Domini MCMLXV”; Ornamente: Gekreuzte Baumstämme.

9. Evangelisten: Gewicht: 578 KG; Durchmesser: 91 Zentimeter; Schlagton: c‘‘; Umschrift (in Versalien): „S. Mattaeus S. Lucas S. Marcus S. Johannes. Anno Domini MCMLXV”; Ornamente: Symbole der vier Evangelisten.

10. Josef: Gewicht: 400 KG; Durchmesser: 80,8 Zentimeter; Schlagton: d‘‘; Umschrift (in Versalien): „Ite ad Joseph. Anno Domini MCMLXV” Ornament: Stilisierter blühender Baum.

11. Martin: Gewicht: 368 KG; Durchmesser: 75,1 Zentimeter; Schlagton: f‘‘; Umschrift (in Versalien): „S. Martinus episcopus nec morti timuit nec vivere recusavit. Anno Domini MCMLXV”; Ornamente: Tuch (Umhang), Schwert.

III. Zimbelgeläute (Südwestturm): Guss: 2008; Gießer: Rudolf Perner, Passau; Zierde: Bildhauer Albert Schilling; Gestaltung: Glocken 1 bis 3 Firma Perner Passau nach Vorlagen; Glocken 4 bis 8 Dipl. Des. Linda Issig. Stifter: Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, Weihbischof Helmut Bauer, Würzburger Domkapitel, Dommusik unter Kapellmeister Martin Berger, Doris und Dr. Adolf Bauer, Karl und Martha Stahl, Helmut Oberle, Siegfried und Maria Issig, Bürger aus Stadt und Land.

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