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Auf Entdeckungsreise

Portugal gilt als „das” Land der Entdecker. Bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist Gil Eanes bis zum Kap Bojador (Westsahara) gesegelt, dem damaligen Ende der Welt.

Kein Entdecker jedoch reicht an Vasco da Gama heran. Im November 1497 segelt er um das Kap der Guten Hoffnung. Bei diesem Unternehmen findet er im Frühjahr 1498 als erster Seefahrer überhaupt den Seeweg nach Indien. Als Entdecker dürfen sich auch die 35 Teilnehmer der achttägigen Leserreise fühlen. Mit ihnen war das Sonntagsblatt Anfang November in einem der schönsten und gastfreundlichsten Ländern Europas unterwegs. In Zusammenarbeit mit „Lloyd Touristik Bremerhaven” erhielten die Gäste Einblicke in Land und Leute, Essen und Gebräuche und natürlich auch in die vielen Kunstschätze. Begleitet wurde die Gruppe von Bistumsredakteur Matthias Risser.

Von insgesamt 16 Weltkulturerbestätten des Landes suchen die Unterfranken an sechs Besichtigungstagen sieben auf: das Hieronymuskloster und den Turm Belém in Lissabon, den Nationalpalast in Sintra, das ehemalige Zisterzienserkloster in Alcobaça, die mittelalterlichen Universitätsgebäude mit der weltberühmten Bibliothek in der Stadt Coimbra, das Kloster Santa Maria da Vitória in Batalha sowie das Christuskloster von Tomar. All diese Schätze bringt ihnen Reiseleiterin Hilda Weinberger mit sehr viel Wissen, gespickt mit zahlreichen Anekdoten, näher.   Mit einem „Bon Dia” und immer einem Lächeln auf den Lippen begrüßt die Diplomreiseleiterin an jedem Morgen kurz vor Tourbeginn gegen 9 Uhr die Gruppe. Bereits am Abend des ersten Besichtigungstages ist sich die Gruppe eins: „Die weiß viel, und bringt es gut rüber!”  Stets gestärkt durch erstklassige Frühstücksbüffets – in Lissabon im „Hotel Parque Real” und in Fátima im „Hotel Fátima”, startet die Gruppe in ihre ganz persönlichen Entdeckungstage.
Bereits der erste Schritt aus dem Hotel im Zentrum von Lissabon lässt aufmerken: Der Gehweg ist mit sechs auf sechs Zentimeter kleinen, weißen wie auch schwarzen Mosaiksteinen belegt – wie fast flächendeckend in Lissabon und im ganzen Land. Kunstvoll fügen sich die Kalk- und Basaltsteine zu geometrischen Mustern; mal sind es Tiere, Inschriften, Stadtwappen, Hausnummern und Firmen. Pflasterer heißen die Handwerker im Deutschen, im Portugiesischen „Calceteiros”. Dieses Wort klingt stolzer und melodischer als in unserer Sprache und beschreibt damit wohl treffender die Kunstfertigkeit dieses aussterbenden Berufs. „Ausbesserungen werden immer häufiger mit Teer ausgeflickt, beobachtet Hilda und prophezeit bereits das Ende dieser landestypischen Kunstfertigkeit.
Angeblich sei man nach dem großen Erdbeben vom 1. November 1755, als Lissabon in weiten Teilen zerstört und von einem Tsunami heimgesucht wurde, auf die Idee gekommen, aus den Steinen des Trümmerschutts die Pflastersteine zu schlagen. Unter Portugals erstem Minster Sebastião José de Carvalho e Mello verschwinden die Schuttberge innerhalb nur eines Jahres.   Kurz darauf entstehen Häuserzeilen mit sparsam ausgebildeten, für die Zeit eher untypischen Barockfassaden – streng, mit wenig Zierrat. Wie ihre Vorgängerbauten sind die neuen Quartiere auf Eichenpfählen gegründet, da feuchtes Erdreich die gesamte Unterstadt einnimmt. Auf Anregung von Carvalho e Mello entsteht ab 1755 mit dem akribischen Erfassen von Erdbebendaten auch das weltweit erste Erdbebenmeldesystem.  

Wie eine Königskrone

Per Pedes und per Aufzüge „erobert” die Gruppe das von den Mauren errichtete und ab 1147 von den portugiesischen Königen bewohnte Kastell San Jorge. Seine mit Zinnen besetzten Mauern mit den vorspringenden Türmen wirken wie eine Königskrone auf der höchsten Erhebung der Altstadt. Von dort aus genießen alle den weitschweifigen Ausblick über die roten Ziegeldächer hinweg auf den Fluss Tejo, die 104 Meter hohe Christusstaue und die rund 2,3 Kilometer lange kombinierte Hängebrücke für Autos und Eisenbahn. Es ist die drittgröße weltweit.   Wer meint, Lissabon sei ob der vielen Schönheiten eine Art Schlaraffenland, der täuscht. Horrend steigende Mieten und Immobilienpreise der vergangenen drei, vier Jahre, treiben die einfachen Menschen aus der Stadt. Im Gegenzug legen reiche Ausländer wie Russen und Chinesen ihr Geld in Immobilien an, modernisieren diese luxeriös, wie Hilda erklärt, und vermieten diese teuer als Feriendomizile.   Der ereignisreiche Lissabon-Tag findet seine Fortsetzung beim Turm von Belém am Mündungstrichter des Tejo. Als Leuchtturm hat er einst die ankommenden Entdecker und Handelsschiffe begrüßt. Nun begrüßt er unter anderem Unterfranken. Erbaut hat den 35 Meter hohen, gedrungenen Steinkoloss König Manuel I. (1469–1521). Seine Regentschaft wird als das Goldene Zeitalter bezeichnet. Mit der Entdeckung des Seewegs nach Indien und der Entdeckung Brasiliens stieg das Land zur Weltmacht auf.  

Manuelinischer Stil

Nach Manuel I. ist auch der prunkvolle Dekorationsstil benannt, dem die Entdecker aus dem Norden Bayerns bei ihren Besichtigungen der Weltkulturerbestätten – so auch in Lissabon am Turm von Belém und im Hieronymuskloster – begegnen. Manuelinik nennt man diesen eher schwülstigen Mix aus Elementen der Frührenaissance, des maurischen und orientalisch/indischen Stils. Drei Elemente tauchen in diesen Dekorationen immer wieder auf, die den Anspruch des Landes auf Weltherrschaft zum Ausdruck bringen: die Armillarsphäre, ein astronomisches Instrument der Seefahrer, das Kreuz der Christusritter und das Segelschiff. Übers Meer gelangen einst auch die teuersten Gewürze nach Europa: Zimt aus Ceylon oder Safran aus Indien, der noch heute fast so teuer wie Gold gehandelt wird. Nicht zuletzt der Kostbarkeit wegen nannte man einst reiche Gewürzhändler auch Pfeffersäcke.   Dementsprechend sind auch zahlreiche portugiesische Kirchen sehr reich ausgestattet. So auch die kleine Kirche São Sebastião in der Nähe des Hotels. Hier kommen die Reisenden um 9 Uhr zum sonntäglichen Gottesdienst zusammen. Blattvergoldete Stuckaturen und blau-weiße Kachelkunst mit biblischen Motiven – wie häufig in Portugal anzutreffen – verleihen dem Raum einen himmlischen Charakter.   Auch wenn der Pfarrer kein Wort Deutsch spricht, versucht der Reisebegleiter dessen mit einem Lächeln rübergebrachten Worte zu deuten: „Ich wünsche Ihnen allen Gottes Segen!” Mit einem „Segne du, Maria” revanchieren sich die Franken. In Erinnerung wird allen noch das rührende Bild einer Schwester am elektrischen Klavier bleiben, oder die sechs älteren Damen, die inbrünstig den Ton angaben.   Bei der Reise sticht vor allem der Wallfahrtsort  Fátima heraus. Das „Hotel Fátima”, wo die Gruppe für vier Nächte Quartier bezieht, liegt direkt am Wallfahrtsgelände; das Angebot des allabendlichen Rosenkranzes mit anschließender Lichterprozession nehmen von daher alle rege an. Informativ gestaltet sich der Besuch des Wohnortes der drei Seherkinder, der nach dem heiligen Bezirk in Fátima alle wieder erdet.  

Kleine Extras

Aus einer spontanen Laune heraus kehrt die Gruppe in einer Taberna ein und lernt hier den süßen Portwein kennen. Einem weiteren spontanen Einschub ist der Besuch eines typischen Fischrestaurants in dem Surferparadies Nazaré zu verdanken, ebenso die Fahrt mit der alten Straßenbahn Nr. 28 – ratternd und quietschend durch die Altstadt Lissabons.    Weniger schön zeigt sich Portugal in der Gegend um den  Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlands. In der hügeligen Landschaft, wo bis vor kurzem noch Eukalyptusbäume standen, haben riesige Brände verbrannte Erde und rußgeschwärzte Baumgerippe hinterlassen. Nach jahrzehntelangem Zögern beginnt Portugal nun endlich darüber nachzudenken, den Bestand dieser nichtheimischen und schnell entflammbaren Bäume, einzudämmen. Doch dies blieb das einzige Negative auf einer nach Meinung aller sehr schönen Leserreise. 
Matthias Risser

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