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Auf Spurensuche im Würzburg der Gegenwart

Adelige Sommerfrischen

Die Inschrift „F. F. F. V. S. 1719“ über dem Türsturz zeigt es an: Das einstige Würzburger „Talavera-Schlösschen“, seit 2016 „Waldschänke Dornheim“, begeht in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag. Auftraggeber für den zweigeschossigen Barockbau im späteren Würzburger Stadtteil Zellerau war Friedrich Joseph Dietrich Freiherr Faust von Stromberg. Den einst dazu gehörenden großen, vor dem Zeller Tor gelegenen Garten hatte der hohe Beamte – Faust war kurmainzischer, bambergischer und würzburgischer Geheimer Rat und Oberamtmann in Arnstein – im selben Jahr 1719 erworben.

Das Allianzwappen über dem Portal des ehemaligen „Lustschlösschens“ zeigt auch das Wappen der Fuchs von Dornheim – zu diesem Zeitpunkt lebte noch seine erste Frau Maria Amalia Susanna, eine geborene Fuchs. Beide konnten die Sommerfrische nicht lange genießen: Bereits am 23. April 1720 starb Maria Amalia Susanna, und der Bauherr wurde neun Jahre später zu Grabe getragen.

Talavera-Schlösschen

Von 1728 bis 1927 besaßen die Freiherren Groß von Trockau Schlösschen und Park. 1927 erwarb die Stadt das Anwesen, das mehrmals renoviert wurde. Seit 1809 erinnert der Name „Talavera“ für das 1806 eröffnete Gartenlokal an eine Niederlage Napoleons bei der spanischen Stadt Talavera de la Reina – im Heer des Kaisers kämpften auch Soldaten aus dem kurzlebigen Großherzogtum Würzburg mit.1952 wurde ein zum Park gehörendes Gartenhaus abgebrochen. Die Reste des früheren englischen Landschaftsparks gehören seit 1995 zu den „Naturdenkmälern“. 1990 schrieb Suse Schmuck: „Vieles ist verlo- rengegangen: die freie Lage am Main (…), die Einbettung in die Nutzgärten des Großschen Hofes, die Dominanz des Schlösschens über der Ebene, die Maßstäblichkeit von Baum und Haus. Der Brunnen in der Mittelachse verrät noch etwas von der alten Beziehung Architektur-Garten.“

Heute sitzen im Brunnen die Gäste der „Waldschänke Dornheim“– im Biergarten finden 400 Gäste Platz. „Der Ort ist offen für alle“, sagt Geschäftsführer Alexander Schmelz, der mit dem ehemaligen Generalvikar Karl Hillenbrand persönlich verbunden war. Stolz berichtet Schmelz, dass auch Bischof em. Friedhelm Hofmann dort schon einmal gefeiert habe.

Im Biergarten und im „Schlöss- chen“ erinnern pink-grün-schwarze Ausstattungsstücke an eine kurzlebige und trotzdem legendäre Institution des Würzburger Nachtlebens: den 2016 geschlossenen „Schönen René“ vom Bahnhofsvorplatz. Die dort gepflegte Club-Tradition greift die „Waldschänke Dornheim“ auf: Im „Schlösschen“ legen regelmäßig bekannte Discjockeys auf. In einer für junge Leute bestimmten „Free map for young travellers made by locals” beschreibt Student Marius das „Dornheim” als alternativen Erholungsort. Auf Deutsch zusammengefasst: Wer es liebt, nicht nach dem Massengeschmack zu feiern, ist in der „Waldschänke Dornheim“ richtig.

Kein Einzelfall

Das „Lustschloss“ des Adeligen war kein Einzelfall. In der Barockzeit genossen die Spitzen der Gesellschaft gerne in ihren Gärten und Parks die Sommerfrische –  in und außerhalb der Stadt. Die bekanntesten Beispiele: der Hofgarten Würzburg und der Hofgarten Veitshöchheim. Neben dem Fürstbischof gehörten die adeligen Domkapitulare zur Führungsschicht des geistlichen Staates. Hinweise zur Gartenkultur der „Mitregenten“ in den Mauern der Residenzstadt finden sich in zwei Ende des 20. Jahrhunderts entstandenen Standardwerken: der von Jörg Lusin 1984 publizierten „Baugeschichte der Würzburger Domherrenhöfe“ und dem 1990 zur Landesgartenschau erschienenen Ausstellungskatalog „Gärten und Grünanlagen in Würzburg“.

„Kurie Uissigheim“

Von den einst zahlreich vorhandenen innerstädtischen Gärten der Domherrenhöfe mit geometrisch angelegten Wegen und Beeten, Brunnenanlagen und Gartenhäusern haben sich nur wenige Reste erhalten. Zu ihnen zählt das – nach 1945 um zwei Fensterachsen verkürzte – Gartenhaus in der Nordostecke der ehemaligen „Kurie Uissigheim“ in der Spiegelstraße; beim Bombenangriff am 16. März 1945 war es stark zerstört worden. Der um 1710 errichtete, zweigeschossige Bau mit ursprünglich fünf offenen Arkadenbögen im Erdgeschoss war luxuriös ausgestattet: „Eines der dort gelegenen Zimmer besaß eine Stuckdecke mit einem von Akanthus und Muscheln umrahmten Mittelfeld, in den vier Eckkartuschen waren Putten, welche die vier Jahreszeiten darstellten“, schreibt Lusin. Heute lädt im Gartenpavillon das italienische Restaurant „Le Candele“ zum Genuss ein.

Huttenschlösschen

Mehr Glück als die nach dem Zweiten Weltkrieg bis auf das Gartenhaus verschwundene „Kurie Uissigheim“ hatte das zur Barockzeit vor den Toren der Stadt gelegene, heute dem „Corps Rhenania“ gehörende „Huttenschlösschen“. Um 1720 errichtete wohl der Architekt Georg Bayer im Auftrag des damaligen Domdekans und späteren Fürstbischofs Christoph Franz von Huttens in der späteren „Sanderau“ – am heutigen „Sanderglacis“ – ein Sommerschlösschen in Mainnähe. Der Bauherr dachte bei der Anlage des einst stattlichen Parks nicht nur an die Konkurrenz zum baufreudigen, 1719 gewählten Fürstbischof Johann Philipp Franz, sondern auch an das Wohl der Allgemeinheit. Darauf weist die lateinische Inschrift „PUBLICAE AMOENITATI ET PRIVATAE SALUBRITATI“ – „Der öffentlichen Erholung und dem privaten Wohlergehen“ unter dem Balkon des „Huttenschlösschens" hin.

Anders als heute blickte die 1905 um 90 Grad gedrehte „Sommerresidenz“ im 18. und 19. Jahrhundert mit der Schauseite zum Main. Den Festsaal im Obergeschoss verband ein doppelläufige Außentreppe mit dem ursprünglich zirka 230 Meter langen, von einer hohen Mauer eingefassten Garten. Über ein Gartenparterre gelangte man in den geometrisch angelegten Park mit zentralem, von einer Raute gerahmten Achsenkreuz und vier Rondellen. Heute ist der Großteil des Gartens überbaut, und im „Rest“ des Parks findet alljährlich die unter Studenten bekannte „Huttenfete“ statt.

An der West- und Ostseite führten Eingangstore zum Schlösschen. „Der neben dem Schlösschen bedeutendste Rest der Gartenanlage aber steht noch in der Virchowstraße: eine prachtvolle barocke Toranlage”, so Suse Schmuck über die „Wandlungen eines Gartens“ im Katalog von 1990.

Kaum bekannt

Vom ein paar Gehminuten entfernten Barockgarten in der  Randersackerer Straße 5  ist „nur“ der Gartenpavillon erhalten. Die meisten Kunden der „Frankonia Würzburg“ dürften wohl überrascht reagieren, wenn sie im stimmungsvollen Innenhof des Fachgeschäfts für Jagdmode und -bedarf das Balthasar Neumann zugeschriebene Bauwerk entdecken.

Der Pavillon als architektonische Krönung des Gartens: Zweigeschossig erhebt er sich aus der Umgebung. Der Mittelteil ist betont durch die polygonal vorspringende Grundrissform und die Ausbildung des Daches. Eine geschwungene doppelläufige Freitreppe führt in das obere Stockwerk“, schreibt Suse Schmuck im Katalog von 1990. Sie verweist auf die Parallelen zum Schlossbau: „Oben der „Festsaal en miniature“, verbunden mit der nach außen gelegten ,Prachttreppe‘ als unmittelbare Verbindung in den Garten – diese reizvolle Architektur spiegelt die barocke Monumentalarchitektur des Schlossbaus im kleinen, privaten, intimen Maßstab.“ Das Schlösschen gehört mit den aufgezeigten Beispielen zum Typus der adeligen Sommerfrischen in Würzburg.    

Stefan W. Römmelt

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