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Die Fair-Handel GmbH Münsterschwarzach wird 25 Jahre alt

20 Länder auf 1000 Quadratmetern

Espressotassen aus Indien, Meersalz aus Südafrika, Silberschmuck aus Burkina Faso, Hautcreme aus Marokko, Alpaka-Westen aus Peru, Hängematten aus El Salvador, Kokos-Fußmatten aus Sri Lanka. Wer über die 1000 Quadratmeter Ladenfläche des Fair-Handels in Münsterschwarzach schlendert, versteht rasch: Die Welt der fair gehandelten Waren umfasst weit mehr als Ebenholzschnitzereien aus Tansania, Speckstein aus Kenia und Retablos aus Peru. Vor 25 Jahren wurde die Fair-Handel GmbH im Schatten der Benediktinerabtei Münsterschwarzach gegründet. Den fairen Handel mit Waren aus aller Welt gibt es allerdings schon länger.

„Es begann unscheinbar Mitte der 1970er Jahre“, berichtet Klaus Brönner, seit 2006 Betriebsleiter des Fair-Handels. „Die Missionsbenediktiner schickten damals jährlich bis zu 80 Container mit Hilfsgütern wie Wasserleitungen, Medikamenten, Milchpulver, Nähmaschinen und sogar Traktoren nach Tansania. Bis sich der damalige Missionsprokurator Bruder Joachim Witt fragte, warum die Container immer leer zurückkamen.“ Mit Hilfe von Pater Ildefons Weigand aus Bad Königshofen, der ein gutes Auge für Kunst hatte und in Mtwara lebte, kaufte Witt Ebenholzschnitzereien und verschiffte sie nach Deutschland. 1975 kam der erste Container in Münsterschwarzach an. Da die Kunstgegenstände bei Pfarreien, Spendern und Gönnern großen Anklang fanden, machte Bruder Joachim weiter, kaufte auch andere Waren wie Körbe, Kleidung, Kaffee und Tee und verkaufte sie in Deutschland zum Nutzen der Einheimischen.

Steigendes Interesse

15 Jahre später lernte ein Benediktinerbruder in Frankfurt Orlando Vasquez kennen; der Initiator der peruanischen Künstlervereinigung Raymisa kam mit Bruder Joachim und dem damaligen Abt Fidelis Ruppert ins Gespräch. Es entwickelte sich eine Freundschaft und spätestens bei ihren Reisen nach Peru wurde den beiden Mönchen klar, dass der Verkauf der Erzeugnisse in Europa nicht nur die indianische Identität stärkt, sondern auch eine Hilfe für das Leben der Menschen bedeutet. Die Benediktiner starteten einen Versuch mit Keramikvasen und -krippen und waren überrascht: Auch die Produkte aus Südamerika stießen auf überaus positive Resonanz. „Mitte der 1990er Jahre hatte all das zu weit mehr geführt, als wir jemals geahnt hätten“, erinnert sich Bruder Stephan Veith, der damals in der Verwaltung tätig war. Das rasant gestiegene Interesse an fair gehandelten Waren machte es nötig, den Abteibetrieb in eine eigene Rechtsform zu überführen: Am 1. April 1995 und mit einem Stammkapital von 50000 DM wurde die Fair-Handel GmbH aus der Taufe gehoben. Gesellschafter waren Orlando Vasquez und dessen Ehefrau, Pater Basilius Doppelfeld, Bruder Manuel Witt und Pater Meinrad Dufner; Bruder Joachim Witt wurde zum Geschäftsführer ernannt.

Strenge Kriterien

„Von Anfang an war klar, dass wir mit der GmbH keine Gewinne erwirtschaften, sondern die Menschen fair bezahlen wollen, so dass sie von ihrer Hände Arbeit leben können“, erläutert der spätere Missionsprokurator Bruder Stephan. Zentrales Anliegen der Fair-Handel GmbH sind denn auch faire Arbeits- und Lohnbedingungen: Keine Kinderarbeit und die bestmögliche Förderung sozialer Standards gehören ebenso dazu wie die Verpflichtung zu möglichst wenig Zwischenhandel, einer ökologisch verträglichen Produktion und einem fairen Preis. Für Waren aus Münsterschwarzach bedeutet das, dass 20 Prozent des Endkundenpreises beim Produzenten ankommen. (Bei in Asien gefertigten T-Shirts vieler Markenhersteller sind es nur 0,5 bis 1 Prozent). Die Einhaltung dieser Kriterien wird durch direkten Kontakt zu den Produzenten, regelmäßige Besuche und Kontaktpersonen vor Ort garantiert, verspricht Klaus Brönner.

Rund 2500 Artikel

In den Geschäftsräumen auf dem Abteigelände werden heute etwa 2500 Artikel von gut 80 verschiedenen Produzenten(gruppen) aus 20 Ländern der Erde präsentiert. Waren anfangs Ebenholzschnitzer aus Tansania der Renner, sind heute Raymisa und der Würzburger Partnerkaffee wichtige Handelspartner. Etwa 30 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen laut Klaus Brönner auf Genuss- und Lebensmittel wie Kaffee, Tee, Gewürze, Trockenfrüchte, Nüsse und Schokolade – Tendenz steigend. Weitere 70 Prozent werden mit Kleidung, Gebrauchsgegenständen und Kunsthandwerk erwirtschaftet. Nicht umsonst bietet der Fair-Handel die größte Auswahl von Krippen im Bundesgebiet. Genau diese Vielfalt schätzen Gäste, Tagesbesucher und Ausflügler ebenso wie die Stammkunden aus ganz Deutschland. 60 Prozent der Kunden sind nach Brönners Erfahrung Wiederverkäufer wie Weltläden, eine-Welt-Gruppen und der gut sortierte Einzelhandel. Hier kämpft die GmbH mit einer Konkurrenz von mittlerweile über 80 Fairhandels-Organisationen. Dass man den Jahres-Umsatz von rund 1 Million Euro dennoch seit Jahren halten kann, führt Brönner auf das gestiegene Bewusstsein der Menschen und einen gewissen Wohlstand zurück: „Fair gehandelte Waren muss man sich leisten können“, sagt er. Einen finanziellen Gewinn erwirt­- schaftet die GmbH dabei aber nicht. „Unser Gewinn sind ein Leben in Würde, ein gesichertes Einkommen und Solidarität mit den Produzenten vor Ort“, so Klaus Brönner.     

Anja Legge

Keine Feier

Das für Mai 2020 geplante Jubiläumsfest wird aufgrund der Corona-Maßnahmen auf das Jahr 2021 verschoben. Einkaufen im Fair-Handel ist möglich. Bitte aktuelle Öffnungszeiten erfragen unter: Fair-Handel GmbH, Schweinfurter Str. 40, 97359 Münsterschwarzach, Telefon 0 93 24/2 02 73, E-Mail „info@fair-handel-gmbh.de“.

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