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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Kommentar von Jerzy Staus
Alt – ab ins Altenheim?
Altsein und Seniorenarbeit ist nicht einfach. Die Senioren sollten lieber selbst aktiv werden.
Jerzy Staus
Wissen Sie, was ein Jungenheim ist? Nein? Aber was ein Altenheim ist, wissen Sie schon? Da kommen „die Alten“ hinein. Die Jungen dagegen bekommen ein „Jugendzentrum“ und kein „Jungenzentrum“, das klingt besser. Auch die Alten hatten früher ein „Altersheim“. Das klang auch irgendwie positiver, menschlicher. Man ging eben wegen seines Alters hin. Durchgesetzt hat sich aber der Begriff „Altenheim“, leider auch in kirchlichen Heimen. Das wirft kein gutes Licht auf die Behandlung alter Menschen.
 
Das Antidiskriminierungsgesetz verbietet Altersdiskriminierung – doch Menschen um die 80 bekommen keinen Kredit mehr und finden kaum noch eine Wohnung – außer im „Altenheim“. Interessante Freizeitangebote sind selten. Tanz-Tee und Bridge-Abend gibt’s nicht mehr. Was bleibt? Sich vom „Musikantenstadl“ einlullen lassen? Gut, auch die Kirchen bieten hier Alternativen. Bedenklich allerdings, dass auch Seelsorger zugeben, an ihren eigenen Seniorenangeboten später lieber nicht teilnehmen zu wollen.
 
Seniorenarbeit ist eine soziale Aufgabe. Ist Altsein ein soziales Problem? Warum lassen sich alte Menschen das gefallen, statt aktiv zu werden? Wahrscheinlich sagen sie sich – typisch deutsch – „Das bringt doch eh nichts!“ anstatt „Yes, we can“ zu sagen. Denn so ist es nicht überall. In England locken Pubs mit abwechslungsreichen Angeboten wie Folk-Konzerten, Mitsingabenden oder Quiz. Der „Age Concern“ hilft beim Umgang mit Behörden, Banken oder Versicherungen.
 
Gewerkschaften sorgen für zusätzliche Freizeitangebote. In den USA schießen Wellness-Seniorenstädte aus dem Boden. Rentner, die auf der Harley durchs Land gondeln, sind nicht nur ein Klischee.
 
Den Deutschen bleiben Florian Silbereisen und Andy Borg. Über Lippenbekenntnisse von Politikern kommt man hier nicht hinaus. Auf deren Verwirklichung zu warten, haben Senioren aber keine Zeit. Sie sollten lieber bald selbst aktiv werden, sollten wagen, aus der Reihe zu tanzen und ihre Lebenszeit mit Ungewöhnlichem wertvoll zu machen. Wenn andere sagen: „Das bringt doch eh nichts!“, machen sie es richtig. 
Veröffentlicht: 23.02.2010 Jerzy Staus
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