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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Kommentar von Matthias Risser
Eigennutz der USA auf Haiti?
Die USA als Weltpolizist. Nein, in Haiti geht es den Amerikanern nur um humanitäre Hilfe. Mit dem Thema beschäftigt sich Matthias Risser vom Sonntagsblatt.
Matthias Risser
Die Rolle Der USA als „Welt-Polizei“ ist spätestens seit der unrühmlichen Rolle, die Präsident Bush im Irak-Konflikt gespielt hat, ins Wanken geraten. Doch der immer wieder aufkeimende Vorwurf, die USA würden nur dort eingreifen oder politischen Druck ausüben, wo fette Gewinne winken, ist beim jüngsten Einsatz der Weltmacht zumindest fraglich.
 
Haiti war schon vor dem Erdbeben das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. 50 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sind arbeitslos, nahezu ein Viertel der Einwohner unterernährt, die Hälfte Analphabeten. Warum sollten sich die USA aus Profitdenken so einen „Klotz“ ans Bein hängen wollen, ein am Boden liegendes Land, das durch den allgegenwärtigen Tod traumatisiert ist?
 
Nun sind die Amerikaner da. 10000 Soldaten sollen sich in dem Land bereits aufhalten, unter ihnen 2000 Soldaten einer Eliteeinheit. Vor der Katastrophe waren die USA gerade einmal mit 60 Militäran­gehörigen vertreten. Die US-Soldaten besetzen Schlüsselpositionen wie Flughäfen, das Gelände des Präsidentenpalastes und weitere wichtige Einrichtungen. Zugegeben, da kann sehr leicht wieder der alte Vorwurf aufkeimen, die USA stellten politische Einflussnahme über humanitäre Hilfe.
 
Die Geschichte Haitis, des einst reichen Koloniallandes, zeigt, dass die Kritiker nicht ganz zu Unrecht ihre Bedenken anmelden. Die Machterübernahme des Diktators Papa Doc 1957 war von den USA unterstützt worden. Man befürchtete kommunistische Einflussnahme , die man verhindern wollte. Doch das Rad der Geschichte hat sich weitergedreht. Die USA stec­ken in der größten Finanzkrise ihrer Geschichte. Ungelöste Prob­leme gibt es zuhauf – weltweit!
 
Wer da Böses unterstellt, sollte zunächst einmal abwarten. Was Haitis Bevölkerung zurzeit braucht, sind Menschen, die Ordnung im Chaos schaffen. Und ob Friedensnobelpreisträger Barack Obama als ein Präsident in die Geschichte eingehen will, der die Not von Menschen schamlos zur Ausweitung eigener Interessen ausgenutz hat, darf bezweifelt werden.
Veröffentlicht: 26.01.2010 Matthias Risser
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