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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Kommentar von Wolfgang Bullin
Der Kurs ist vorgegeben
Erwartungen und Ansprüche im Vorfeld von Reisen oder Besuchen, die Papst Benedikt XVI. unternimmt, sind höher als bei seinem Vorgänger. Das hat auch mit unserer immer stärker von den Medien geprägten und gelenkten Wahrnehmung zu tun. Diese Meinung vertritt Wolfgang Bullin.
Wolfgang Bullin
Man hat den Eindruck, dass Erwartungen und Ansprüche im Vorfeld von Reisen oder Besuchen, die Papst Benedikt XVI. unternimmt, höher und gespannter sind als bei seinem Vorgänger. Das mag damit zu tun haben, dass bei Benedikt XVI. solche Ereignisse seltener sind als bei Johannes Paul II. Das hat aber wohl auch mit Person und Verhalten Benedikt XVI. selbst zu tun, die mehr Spielraum für gelegentlich sogar widersprüchliche Interpretationen lassen als bei seinem Vorgänger. So hatte er etwa zu der nervösen Haltung im Vorfeld seiner Türkeireise Ende 2006 durch seine so genannte Regensburger Rede im September 2006 zumindest mit beigetragen. Die Neuformulierung der Karfreitagsbitte für den außerordentlichen Ritus, das Entgegenkommen gegenüber der Bruderschaft St. Pius X. und das Seligsprechungsverfahren für Pius XII. hatten im Vorfeld des Besuch der Synagoge in Rom für kritische Stimmen gesorgt.
 
Und natürlich hat das auch mit unserer immer stärker von den Medien geprägten und gelenkten Wahrnehmung zu tun. So heftig und überspitzt man da im Voraus Anfragen stellt und Kritik übt, so schnell verfällt man vielfach im Nachhinein ins andere Extrem. Ausdruck dafür ist der inflationäre Gebrauch des Wortes „historisch“ bereits unmittelbar nach einem Ereignis. 
 
Man sollte also nicht alles für bare Münze nehmen, was da im Umfeld solcher Ereignisse verbreitet wird. Aber man sollte genau hinhören und hinsehen, was die Hauptakteure sagen und tun. Da gab es beim Synagogenbesuch durchaus unterschiedliche Schwerpunktsetzungen und Positionen – und deren Aussprechen, Anhören und Aushalten. Da gab es aber auch viel Übereinstimmung, Bereitschaft zum Dialog und Signale der Entspannung. Da gab es vor allem aber das eindeutige Bekenntnis des Papstes zur Fortsetzung des vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeschlagenen und von Johannes Paul II. so engagiert beschrittenen Wegs des Dialogs mit dem Judentum. Der Kurs für alle das Verhältnis zwischen Judentum und katholischer Kirche berührenden Sachverhalte ist also vorgegeben.  
Veröffentlicht: 19.01.2010 Wolfgang Bullin