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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Akademiedirektor Dr. Rainer Dvorak zum Kulturprojekt „Endspiel – Würzburger Apokalypse 2010“
Die Apokalypse beginnt!
WÜRZBURG. Am Aschermittwoch, 17. Februar, beginnt das größte Kulturprojekt der Diözese seit langem. Bis November widmen sich zahlreiche Veranstaltungen dem Thema „Endspiel – Würzburger Apokalypse 2010“. Begründet haben die Aktion das Kunstreferat der Diözese und die Katholische Akademie Domschule.
Dr. Rainer Dvorak, Direktor der Katholischen Akademie Domschule, mit dem Programmheft des Kultur­projekts.
? „Endspiel –Würzburger Apokalypse 2010“ – stehen wir knapp vor dem Weltuntergang?
„Hoffentlich nicht! Aber in der Apokalypse des Johannes geht es ja nicht nur um zukünftige Ereignisse, sondern auch um die Verarbeitung der Gegenwart. Was die Zukunft betrifft: Das letzte Buch der Offenbarung wurde aus großer Zuversicht heraus geschrieben: Es bleibt immer Platz für die Hoffnung! Wobei ich die gegenwärtige Situation der Welt nicht verharmlosen will. Man muss den Schrecken ernst nehmen, aber der Hoffnung das letzte Wort lassen.
? Wie aber kommt man dann auf solch ein Thema und in dieser Größenordnung?
Die Sorgen der Menschen vor Abbrüchen und Untergängen sind immer da. Durch die Finanzkrise kochten sie zeitweilig extrem hoch. Dazu haben Kirche, Bibel und Theologie etwas zu sagen. Aber die Idee gab es schon lange zuvor. Kunstreferat und Domschule haben das Thema unabhängig voneinander entdeckt. Wir wollten eine Tagung machen, um die gängige, negative Bewertung des Begriffs zu hinterfragen. Das Kunstreferat plante eine Ausstellung und einen Künstlerwettbewerb. Dann haben wir das zufällig als gemeinsames Thema entdeckt und sind auch auf andere Kulturträger zugegangen. An die jetzige Größenordnung hatten wir allerdings nie gedacht. Sie hat sich erst mit der Zeit entwickelt.
? Hat die Stadt Würzburg einen besonderen Bezug zum Thema?
Durch die verheerende Bombardierung am 16. März 1945 hat sie  natürlich einen ganz besonderen Bezug dazu. Aber das spielte keine ursächliche Rolle. Unser Anliegen war: Wie gehen Menschen mit Angst und Schrecken um? Das kann der Klimawandel sein, aber auch der selbst gewählte Untergang eines einzelnen Menschen wie bei Robert Enke. Wie geht eine Gesellschaft damit um? Robert Enkes Freitod lässt uns auch fragen, wo unsere Gesellschaft katastrophal geworden ist, ähnlich wie die Gesellschaft des Römischen Reichs in der Apokalypse.
 
Wir wollen über nichts billig hinwegtrösten, man muss diese Dinge ernstnehmen. Es ist uns aber ein Anliegen, die biblische und die göttliche Perspektive zur Geltung zu bringen. Was ist dieser Welt bestimmt? Welcher Gedanke verbindet sich mit dieser Schöpfung? Doch wohl sicher nicht ein endgültiger Untergang oder die Absicht, Menschen in die Verzweiflung zu treiben, sondern die Vollendung!
? In der Gothic- und Heavy Metal-Szene ist die Apokalypse ja ein Dauerthema. Gibt es auch Zugangsangebote für solche gesellschaftliche Gruppen?
Wir haben das Projekt von vornherein strategisch nicht so angelegt, einschlägige Zielgruppen, wie zum Beispiel ganz bestimmte Jugendliche, anzuvisieren. Wie gesagt: Die jetzige Größenordnung überrascht uns selbst. Aber es gibt schon Angebote für junge Leute wie etwa den Literaturwettbewerb in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) oder eine Filmreihe im Ochsenfurter Casablanca-Kino. Aber an bestimmte Zielgrupen richten wir uns nicht. Jeder, den das Thema anspricht, aus welcher Gruppe oder in welchem Alter auch immer, ist zur Auseinandersetzung eingeladen.
 
? Das Projekt wurde größer als geplant. Wie wird es nun beworben?
Dankenswerterweise unterstützt uns die Stadt Würzburg. Ihre Abteilung „Congress – Tourismus – Wirtschaft“ (CTW) bewirbt das Projekt bundesweit bei Reiseveranstaltern, Busunternehmern und Kulturbüros. Außerdem besteht eine Medienpartnerschaft mit Bayern 2 und der Mediengruppe Main-Post. Das Projekt ist ja ein Prozess, in dem ständig Veranstaltungen dazukommen. Den aktuellen Stand zeigt dann immer unsere Internetseite „www.endspiel2010.de“.
? Was sind die Höhepunkte des Programms?
Einige Veranstaltungen werden auf  besonderes öffentliches Interesse stoßen, etwa Calderons „Großes Welttheater“. Das Mainfranken Theater führt das Stück mitten in der Stadt auf dem Kiliansplatz  auf. Dann natürlich die Ausstellung zu Albrecht Dürer und Max Beckmann. Interessant werden sicher auch die beiden Uraufführungen „Vom Anfang im Ende“ von Gerhard Stäbler und „Der Sohn des Zimmermanns“ von Wilfried Hiller. Von der Domschule her ist die Fachtagung „(K)ein Buch mit sieben Siegeln“ über die Offenbarung des Johannes von überregionaler Aufmerksamkeit. 
 
Aber das sind nur einige Schlaglichter. Jeder wird für sich selbst ganz andere Höhepunkte finden. Denn jede einzelne Veranstaltung, ob groß oder klein, ist auf ihre Weise eine Kostbarkeit.
 
? Und was bringt das alles der katholischen Kirche? Neue Gläubige?
Der Umgang mit Angst und Schrecken ist etwas zutiefst Menschliches. Wenn Kirche „Kirche für die Menschen“ sein will, kann sie diesem Grundaspekt nicht ausweichen. Zugleich kommt Kirche so ihrem Verkündigungsauftrag und ihrer Bildungsverantwortung nach. Sie wird auf dem Gebiet der Kultur diakonisch tätig. Die Leute bemerken dadurch, dass das, was Kirche zu sagen hat, auch für Menschen außerhalb ihrer Mauern bekömmlich und förderlich ist.
? Spielt denn die Apokalypse in Pastoral und Glaubenspraxis überhaupt noch eine Rolle?
Es wäre schlimm, wenn sie keine Relevanz mehr hätte. Man würde so der Hoffnungsbotschaft des Neuen Testaments die Spitze abbrechen und die Welt um den Mehrwert des Glaubens betrügen. Es wäre ein Alarmzeichen ersten Ranges für die Pastoral, wenn der Blick auf das Endgültige verloren gegangen wäre.
? Welche theologischen Impulse können von dieser Aktion ausgehen?
Mich würde es freuen, wenn deutlich würde, wie bereichernd und fruchtbar es sein kann, sich mit Apokalypse auseinanderzusetzen. Denn vor dem Horizont des Endgültigen gewinnt das Leben hier und jetzt neue Perspektiven.
 
Veröffentlicht: 02.02.2010 Interview: Jerzy Staus
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