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Sonntagsblatt KNA/Judith Bornemann |
| Kaffeebäuerinnen wenden die geernteten Kaffeebohnen mit den Händen, damit sie vor dem Abfüllen in die Säcke gut durchtrocknen. Nach der Ernte hat die Bohne noch eine helle Farbe. Erst die Röstung färbt sie braun. |
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Kaffeeduft liegt überall in der Luft, je nach Standort ein bisschen anders. Rainer Braun sieht die verschiedenen Kaffeesäcke aus aller Welt, wenn er durch seine Lagerhallen geht: Tansania, Sambia, Peru, Ghana, Australien und viele mehr. In seinem Kopf hat er dazu ein passendes Bild vom afrikanischen Kaffeebauern, von der Plantage in den Anden oder der mittelamerikanischen Kleinbauern-Genossenschaft vor sich. Rainer Braun ist Kaffeeröster in Mainaschaff bei Aschaffenburg. Er kennt jeden Kaffee, den er verkauft. Und er kennt die Bauern, die diesen Kaffee angebaut haben. Fairer Handel ist dabei eine Selbstverständlichkeit für ihn. Vor 30 Jahren war Braun durch Lateinamerika gezogen. Hatte dort Menschen und Arbeit, Natur und Städte kennengelernt und wollte auf seine Weise helfen. Zurück in Deutschland gründete der Kaufmann seine eigene Rösterei. Mit einem alten, mechanischen Röstgerät fing er an und brachte sich alles selbst bei. Heute hat er mehrere Mitarbeiter und bildet Jugendliche zu Logistikkaufleuten aus. Doch Braun fühlt sich nicht nur seinen eigenen Mitarbeitern verpflichtet: „Fair gehandelter Kaffee hat für mich etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Wichtig ist, dass die Menschen vom Kaffeeanbau leben können.“ Mindestens einmal im Jahr geht er auf Reisen, um die Anbaugebiete und den Kontakt mit den dortigen Bauern zu pflegen. So kennt er mittlerweile die Gegenden, in denen zur Kaffeeplantage ein eigener Kindergarten gehört und die Gesundheitsvorsorge stimmt. Solche Projekte möchte er unterstützten. Und wenn er davon erzählt, merkt man ihm die Begeisterung dafür an. Auf diese Weise habe er seine Marktnische entdeckt, sagt er. Heute werden in seiner Rösterei vor allem auch solche Kaffees abgefüllt, die direkt mit einem Projekt in Verbindung stehen. In Aschaffenburg und Würzburg unterstützen die „Partnerkaffees“ Bauern in Tansania. Den Kontakt dorthin hält Rainer Braun und finanziert mit den Spenden der Partnerkaffee-Projekte dann den Bau von Schulen oder Wohnhäusern. Rainer Braun ist kein Einzelkämpfer. Sein 21-jähriger Sohn ist seit einigen Monaten von seiner ersten eigenen Reise zu den Kaffeebauern zurück. Sechs Monate lang hat er sich angesehen, wie vor Ort gearbeitet wird, wie diejenigen leben, deren Produkte im väterlichen Betrieb weiterverarbeitet werden. Im Studium will er sich auf Import und Export spezialisieren und strebt dafür nach Hamburg. In der Nähe von Deutschlands größtem Hafen ist er dann ganz nah an den Schiffen dran, die Kaffeebohnen aus Lateinamerika und Afrika bringen. Wenn Braun nicht selbst als Importeur auftritt, arbeitet er vor allem mit der Gepa zusammen, der Fair-Handels-Organisation katholischer und evangelischer Hilfswerke. Auch die Gepa unterstützt direkt die Bauern, von denen sie den Rohkaffee kauft. Die Rösterei Braun übernimmt dann die Weiterverarbeitung der Kaffeebohnen für die Gepa. Die in Wuppertal ansässige Organisation kümmert sich um den Verkauf der Kaffees in Supermärkten und Weltläden. Und sie kümmert sich um die Zertifizierung der Produkte mit dem Transfair-Siegel. Denn wer das Siegel erhalten will, muss die zahlreichen Bedingungen der Zertifizierungsstelle immer wieder erfüllen. Hinter dem Transfair-Siegel steht ein gemeinnütziger Verein. Das Siegel vergibt aber eine weltweit tätige Firma. Für Rainer Braun ist das eine zwielichtige Sache am Fairen Handel. Ohne Siegel sei man heute nicht mehr glaubwürdig im Fairen Handel, dabei helfe das Siegel allein längst nicht allen Beteiligten: „Für Transfair ist fair, wer Kaffee von Kleinbauern verkauft“, kritisiert Braun. „Die Tagelöhner auf den Plantagen haben nichts davon. Und von denen gibt es weit mehr als Kleinbauern.“ Mit der jetzigen Regelung profitiere nur ein Teil der Kaffeebauern, findet Braun. Andernorts herrschten dagegen unmenschliche Bedingungen, wie der Kaffeeröster auf seinen Reisen erfahren hat. Doch er weiß auch, dass in Deutschland ein enormer Preisdruck regiert: „Ein Pfund Kaffee über fünf Euro anzubieten ist so gut wie sinnlos.“ Qualitätskaffee habe es hier schwerer als beispielsweise in den USA, wo es neben den Billigprodukten auch einen Markt für hochwertigen und teureren Kaffee gebe. Als Unternehmer im Kaffeegeschäft lebt Braun von einer Mischkalkulation. Wenn sein Name als Importeur und Röster auf der Packung steht, möchte er wissen, wie die Menschen in den Anbaugebieten leben und arbeiten. Deshalb besucht er immer wieder seine Partner vor Ort. Doch als Dienstleister für Importeure und Händler röstet er auch anderen Kaffee. „Man muss sich abschminken, etwas bewegen zu können“, sagt er über das Geschäft. Es ist dann die Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern und seiner Familie, die ihn zeitweise zum rein kaufmännischen Denken zwingt. Dabei lebt er seine Marktnische sonst vollständig aus und trinkt am liebsten den Kaffee, bei dem ihn auch die Bedingungen vor Ort überzeugt haben: „Mein Lieblingskaffee kommt aus Indien von einem langjährigen Partner, der eine außergewöhnliche Qualität liefert. Und für die Mitarbeiter gibt es ein kleines Krankenhaus, eine Schule und einen Kindergarten. Das macht den Kaffee doppelt wertvoll.“ An diese Kaffeebauern denkt Rainer Braun, wenn er durch sein Lager in Mainaschaff geht und die neu angelieferte Ware aus aller Welt überprüft. Mexiko, Tansania oder Indien sind für ihn nicht weit weg; die dort lebenden Bauern sind für ihn keine Unbekannten. Jeder Kaffeesack hat seine eigene Geschichte – und Rainer Braun kennt jede einzelne.
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