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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Kommentar von Gerhard Heinrichs
Ein Test wirft Fragen auf
In der Pränataldiagnostik ist die medizinische Machbarkeit als Maßstab allen Protesten zum Trotz längst eingezogen – mit leider vielfach tödlichen Folgen für kranke Embryonen.
Gerhard Heinrichs
Die Konstanzer Firma „Life Co­dexx“ will einen Bluttest auf den Markt bringen, mit dem die Krankheit „Trisomie 21“, auch bekannt als Down Syndrom, bei Embryonen angeblich zuverlässig und gefahrloser als bei Fruchtwasseruntersuchungen erkannt werden kann. Das hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Bischof Gebhard Fürst zum Beispiel befürchtet, dass damit die gezielte Aussonderung unerwünschter Menschen gefördert wird. Und Erzbischof Ludwig Schick sieht darin eine Kampfansage an Behinderte. Auch Fachverbände und Einzelpersonen, die sich für behinderte Menschen  einsetzen, bilden eine breite Front gegen die Testeinführung. 
 
In der Pränataldiagnostik ist die medizinische Machbarkeit als Maßstab allen Protesten zum Trotz längst eingezogen – mit leider vielfach tödlichen Folgen für kranke Embryonen. Umso mehr muss über die Sinnhaftigkeit dieses Bluttests erst noch diskutiert werden. Da nämlich Trisomie 21 nicht heilbar ist, hat er weder medizinischen noch therapeutischen Nutzen. Darauf machen Ärzte wie Medizinethiker aufmerksam. Der Test hat allerdings, was seine Entwickler gewiss so nicht erwartet hätten, allein schon wegen der Ankündigung seiner Marktreife einen anderen Effekt gezeitigt. Inzwischen mehren sich in der öffentlichen Wahrnehmung die Stimmen derer, die darin einen Impuls sehen, grundlegend über unsere Einstellung gegenüber Behinderten nachzudenken. Dass die Betreuung und Behandlung behinderter Mitmenschen Aufwand, Zuwendung und auch Finanzmittel erfordert, ist eine Tatsache. Dass die Genetik Möglichkeiten eröffnet, Menschen zu designen und nach Nutzen und Leistungsvermögen zu selektieren, auch. Daher ist es unbedingt erforderlich, eine Grundsatzdebatte zu führen, wie wir, wie jeder Einzelne, zu Behinderung und Behinderten stehen. Bekennen wir uns nicht zumindest manchmal lauthals zu behindertem Leben und meiden dann im Alltag den Umgang mit Betroffenen? Der Druck, dem Eltern von Kindern mit Down Syndrom schon heut vielfach ausgesetzt sind, kommt aus der Gesellschaft. Und die Gesellschaft sind wir.  
Veröffentlicht: 17.07.2012 Gerhard Heinrichs