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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Gedanken zum Sonntagsevangelium – Vierter Fastensonntag
In der Kirche Heimat geben
Das heutige Evangelium zeigt das Bild des guten Vaters, der seinen verlorenen Sohn erwartet und ihm wieder seinen Platz in der Familie gibt. Wie können die einzelnen Gemeinden und Gruppen in unseren Pfarreiengemeinschaften genauso missionarisch attraktiv erscheinen wie der barmherzige Vater?
Bernhard Hopf, Riedenberg.
Evangelium
 
In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungers­not über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf, der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. 
 Lukas 15,1–3.11–32In 
 
 
Unsere Zeit ist geprägt vom sogenannten „Iconic-Turn“ – von der Wende weg von vielen Worten hin zu den vielen Bildern, die uns tagaus-tagein über die Medien in unsere Vorstellung gebracht werden. Da tut es gut, dass das Evangelium uns heute ein archaisches Bild vor Augen führt,  das immer noch aktuell und heilsam ist. Das Bild des guten Vaters, der mit offenen Händen am Hofeingang steht und den Sohn erwartet, um den Heimkehrenden liebevoll zu umarmen und ihm seinen Platz zu geben.
 
In unserer Diözese haben wir seit einigen Jahren das Bild der Pfarreiengemeinschaft vor Augen gestellt bekommen. Unser Bischof hat in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit nach den Notwendigkeiten gefragt, wie missionarische Pastoral in unserer Zeit in den Pfarreiengemeinschaften geschehen kann. Da kommt bei mir das Bild des Vaters in den Sinn, der mit weit ausgebreiteten Armen da steht, um seinen Sohn im Empfang zu nehmen.
 
Wie können die einzelnen Gemeinden und Gruppen in unseren Pfarreiengemeinschaften genauso missionarisch attraktiv erscheinen wie der barmherzige Vater?
 
Eine Möglichkeit ist, dass die Türen all unserer Kirchen in den einzelnen Dörfern aufgeschlossen sind, vielleicht sogar offen stehen können, damit mit einem Blick deutlich wird, dass jeder Mensch eingeladen und mit all seinen konkreten Lebensumständen willkommen ist. Zu den offenen Kirchen muss hinzukommen, dass auch die anderen Gemeinderäume für alle Gruppen, auch für jene, die nicht den Sonntagsgottesdienst mitfeiern, gleichermaßen offen stehen.
 
Missionarisch-offene Kirche bedeutet, dass in Liturgie und Predigt die Situationen in der Gemeinden gesehen werden und dass alle Gruppen Gottesdienst auf ihre je eigene Art und Weise feiern können, damit Liturgie wieder mehr mit dem konkreten Leben zu tun hat.
 
Wenn unsere Seelsorger und Seelsorgerinnen mit offenen Armen dastehen, Zeit haben für die Menschen und ihnen in der Kirche Heimat geben, kann jede Gruppe in der Pfarreiengemeinschaft zu einem Ort werden, wo das Fest des Lebens gefeiert wird. Denn: „Jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern“ (Lukas 15,32a).
 
Der Autor ist Pastoralreferent in der Pfarreiengemeinschaft Oberer Sinngrund und Referent für die Wort-Gottes-Feier. 
Veröffentlicht: 09.03.2010 Bernhard Hopf