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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Gedanken zum Sonntagsevangelium – Dritter Fastensonntag
Ganz konkret umkehren
Eine ganz konkrete Umkehr – dazu fordert die Botschaft Jesu auf. Es geht darum, einen anderen Weg einzuschlagen, wichtige Perspektiven zu ändern und bewusst zu handeln.
Dr. Stefan Meyer-Ahlen, Würzburg.

Evangelium

Zu jener Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden – meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.
Lukas 13,1–9 
 
 
 
Der Text des heutigen Sonntagsevangeliums erscheint düster und passt so gar nicht zu den Erzählungen und Bildern des heilenden, helfenden und tröstenden Jesus, die uns sonst oft vor Augen stehen. Aber auch dieser Text muss Berücksichtigung finden, wenn wir uns angemessen mit dem Gottesgeheimnis und der in Jesus Christus zugesagten Erlösung auseinandersetzen wollen. Es wird uns dabei auch einiges abverlangt. 
 
Der Evangeliumstext weist besonders auf menschliche Unzulänglichkeiten und Schuld hin. Im Hintergrund dieses Textes steht eine Vorstellung von Sünde und Schuld, die viele Texte des Alten Testaments kennzeichnet und auch zur Zeit Jesu eine maßgebliche Verständniskategorie war: der Zusammenhang von Tun und Ergehen. Auf eine gute oder schlechte Tat folgten – so die Vorstellung – immer gute oder schlechte Ereignisse im Leben des Handelnden. 
 
Mehrfach wird an dieser „Formel“ schon an vielen Stellen des Alten Testaments gezweifelt. Ganz „berühmt“ ist das Hadern Hiobs, des Gerechten, mit Gott angesichts seines aus seinem Tun völlig unerklärlichen andauernden Unglücks. Im Hiobbuch bleibt diese Spannung letztlich stehen und kann nicht aufgelöst werden. Erst durch die Erlösung Jesu Christi wird schließlich vollends klar, dass der Zusammenhang von Tun und Ergehen nicht gilt. Mit Christus ist die Zeit des Heils ganz angebrochen.
 
In diesem Zusammenhang stehen die Schilderungen im ersten Teil des heutigen Evangeliumstextes: Die beschriebenen Unglücke und Übel werden als Folgen von Schuld dargestellt – und somit in den Ohren der Zuhörenden als gerechtfertigt. Im Umkehrschluss bedeutet das für diese Menschen dann auch, dass sie selbst ohne Schuld sind, da ihnen ja nichts Schreckliches widerfahren ist. Aber Jesus nimmt seinen Zuhörern diese „Sicherheit“. Er prophezeit allen das Unheil, wenn sie sich nicht bekehren – also, wenn sie nicht Jesu Botschaft annehmen und daraus ihr Leben gestalten beziehungsweise radikal verändern – und wirklich umkehren.
 
So lässt sich das etwas sperrige Wort „bekehren“ vielleicht klarer verstehen: Es geht um eine ganz konkrete Umkehr im Leben – einen anderen Weg einschlagen, wichtige Perspektiven ändern und bewusster handeln. Dazu fordert die Botschaft Jesu auf. Das ist allerdings nicht nur auf uns selbst als einzelne Personen gerichtet. Im Bild des Evangeliumstextes ist es der Feigenbaum, der keine Früchte trägt. Er gibt nichts weiter von dem, was er empfangen hat, und bleibt für sich stehen. Wir Christinnen und Christen sind aufgefordert, unseren Glauben aufblühen zu lassen, damit er dann reiche Frucht trägt. Diese Blüten und Samen müssen wir dann in die unterschiedlichsten Gegenden tragen – seien sie auch manchmal noch so schattig und wenig erfolgversprechend.
 
Auch der Weingärtner im Evangelium lässt den „erfolglosen“ Baum nicht umhauen, sondern gibt ihm weitere Chancen. Allerdings nicht unbegrenzt viele – machen wir uns also auf und bringen die Strahlkraft unseres Glaubens in kleinen und großen Zeichen, Worten und Taten in die Welt, auf dass sie aufblühe! Vielleicht kann uns der in den kommenden Wochen immer weiter – und jedes Jahr aufs Neue in seiner ganzen Pracht – aufblühende Frühling ein Zeichen der Hoffnung und Zuversicht dabei sein.
Der Autor ist Studienleiter an der Katholischen Akademie Domschule Würzburg. Er war von 2004-2009 am Lehrstuhl für Moraltheologie und Ethik der Universität Erfurt tätig, wo er mit einer ­Arbeit über „Ethisches Lernen“ zum Dr. theol. promoviert wurde. 
 
 
 
 
 
 
 
Veröffentlicht: 02.03.2010 Dr. Stefan Meyer-Ahlen