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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Gedanken zum Sonntagsevangelium – Zweiter Fastensonntag
Hütten der Verklärung bauen
So steht es im heutigen Evangeliumstext: Während des Gebets erfuhren sie eine ganz besonders intensive Gottesbeziehung.
Dr. Stefan Meyer-Ahlen, Würzburg.
Evangelium
In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija, sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Pet­rus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.
 
Lukas 9,28b-36
 
Vor zwei Wochen gab es im Sonntagsevangelium die „Gegenbewegung“ zum heutigen: Jesus stieg für seine „Feldrede“ vom Berg herab. Heute wird uns eine Begebenheit geschildert, in der Jesus wieder auf ­einen Berg steigt; und damit etwas entrückt – wieder näher heran an die göttliche Sphäre. 
 
Aber er ist nicht allein; seine Jünger begleiten ihn auf den Berg. Jesus will sich also nicht „aus dem Staub machen“ wieder hin in die „himmlische Welt“. Vielmehr wird an dieser Bibelstelle deutlich, worum es Jesus geht: seinen Jüngern, uns, allen Menschen den Weg zu Gott zu zeigen. 
 
Uns ist diese Begebenheit als „Verklärung“ bekannt. Ein Wort, das im Deutschen eigentlich nur noch in diesem biblischen Kontext verwendet wird. Auch in der Dichtung finden sich zahlreiche Beispiele, die Verklärung als Umschreibung eines jenseitigen Zustandes verwenden. So schreibt zum Beispiel Friedrich Schiller in seinem Drama „Maria Stuart“: „Dem sel’gen Geiste folgen nicht die Schwächen / Der Sterblichkeit in die Verklärung nach.“ 
 
Wir sprechen aber auch heute noch beispielsweise von einem „verklärten Blick“, wenn jemand besonders froh und glücklich aussieht und uns auf eine gewisse Weise „weltenthoben“ zu sein scheint. Sind es nicht gerade besondere Erfahrungen wie die Liebe, die einen solchen Blick hervorrufen? Erfahrungen also, die uns unmittelbar angehen und bewegen.
 
Und sind denn nicht Gotteserfahrungen etwas ganz Ähnliches? Erfahrungen der unbedingten Annahme und Zuwendung? 
 
Verklärung ist die Schau Gottes. Und damit trifft das Wort also zweifelsohne den Kern unseres Glaubens. Nach unserer irdischen Zeit – so glauben wir – wird es ein Dasein bei Gott geben, wie auch immer sich dieses genau ausgestalten mag. 
 
Aber Verklärung ist keineswegs bloß auf das Jenseits beschränkt.
 
Im Beten lassen sich schon jetzt und hier Erfahrungen der besonderen Gottesnähe, der Verklärung, machen. So steht es ja auch im heutigen Evangeliumstext: Während des Gebets erfuhren sie eine ganz besonders intensive Gottesbeziehung. Jesus zeigte ein so intensives Beten, eine so innige Beziehung zu Gott, dem Vater, die die Welt deutlich sichtbar verändert.
 
In fünf Wochen stimmen wir wieder ein in den Osterjubel, wo es in einer Liedstrophe heißt: „Verklärt ist alles Leid der Welt“. Diese Aussage hat zwei Seiten: Zum einen ist es natürlich Gott, der für die letztendliche Verklärung und Wandlung alles irdischen Leids „zuständig“ ist und sich darum sorgt – ja mehr noch: Er hat es in Jesus Christus unverbrüchlich zugesagt.
 
Aber die Verklärung, die Veränderung des irdischen Leids dürfen wir nicht auf den jüngsten Tag verschieben und bis dahin abwarten. Wir Christinnen und Christen sind in besonderer Weise aufgefordert, aktiv an der Verbesserung der Welt und der Minderung des Leids in ihr nach Kräften mitzuwirken – im Gebet und in unserem Tun.
 
Richten wir doch so schon einmal unseren Blick in Richtung Ostern: Wo können wir durch Beten und Handeln die Welt schon jetzt österlicher, in verklärterem Glanz strahlen lassen? Damit wären an vielen Stellen kleine „Hütten der Verklärung“ gebaut – Orte, an denen eine besondere Gottesbeziehung und das von Gott zugesagte Heil dauerhaft sichtbar werden. Gegen solche Hütten hat Jesus dann bestimmt nichts einzuwenden.
 
Der Autor ist Studienleiter an der Kath. Akademie Domschule Würzburg. Er war von 2004 bis 2009 am Lehrstuhl für Moraltheologie und Ethik der Universität Erfurt tätig, wo er mit einer ­Arbeit über „Ethisches Lernen“ zum Dr. theol. promoviert wurde.
Veröffentlicht: 23.02.2010 Dr. Stefan Meyer-Ahlen