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Würzburger katholisches Sonntagsblatt
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| Hans Martin (1916-2007) – ein Mitstreiter der diözesanen Kirchenmusik |
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| „... in der Musik konnte er alles vermitteln“ |
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| "Er hat immer gewusst, dass die Musik sein Leben sein würde", erzählt seine Frau Lieselotte Martin. Und natürlich trieb es ihn auch immer wieder zum Komponieren: Sein musikalisches Werk, dessen Verzeichnis zusammen mit seiner Biographie kürzlich im Internetlexikon Wikipedia veröffentlicht wurde, umfasst mehr als 380 Kompositionen und Bearbeitungen. |
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Sonntagsblatt |
| Auch an seinem 80. Geburtstag vor zwölf Jahren war er unermüdlich tätig: Hans Martin (1916-2007) an seinem langjährigen Arbeitsplatz, der Orgel von
Sankt Gertraud Würzburg. |
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Er war ein großer Schweiger – aber in der Musik konnte er alles vermitteln“, so charakterisiert Lieselotte Martin, Witwe des Komponisten, Organisten, Chorleiters und Lehrers Hans Martin, ihren im November 2007 verstorbenen Gatten. Und ganz ähnlich erinnern sich auch andere Menschen, die ihn kannten, des 1916 in Erlenbach bei Marktheidenfeld geborenen Musikers: „Er machte nicht viel Aufhebens von sich. Martin war ein sehr bescheidener Musiker, der sich in den Dienst der Liturgie gestellt hat, ein ganzes Leben lang, sowohl als Organist wie als Komponist und Chorleiter“, meint etwa Siegfried Koesler, Würzburger Domkapellmeister i. R., der Martin sowohl als Komponist, wie auch als engagierten Mitstreiter in der diözesanen Kirchenmusik gut gekannt hat.
Wie bei vielen anderen seiner Generation wurde auch Hans Martins Biographie durch Krieg und Gefangenschaft stark beeinflusst – um nicht zu sagen: zerrissen. Von klein auf bereits habe er sich für Musik interessiert und im neunten Lebensjahr das erste Lied komponiert, erzählt Lieselotte Martin. „Auf dem Lesebuchrand, aber geheim.“ Und von da ab habe ihr späterer Mann „immer Notenlinien gezogen und Punkte drauf gemacht. Er hat immer gewusst, dass die Musik sein Leben sein würde“, und wirkte schon früh als Organist in Miltenberg und Würzburg. Gerne hätte Martin denn auch die Musik zu seinem Hauptberuf gemacht, doch ließ er sich bis 1938 erst einmal zum Lehrer ausbilden und wirkte nebenbei als Organist an der Würzburger Hofkirche.
Über die Musik zur großen Liebe gefunden Hier war es auch, wo er seine Frau Lilo kennenlernte, wie diese sich erinnert: „Ich bin mit 17 Jahren in den Hofkirchenchor gegangen und er war dort Organist. Als ich unten zur Tür rein kam, hat er auf der Orgel gesessen und gesagt. Diese und keine andere.“ Langsam und vorsichtig entwickelte sich die Romanze dann weiter: „Eines Tages habe ich auf der Orgel dann ein Notenbüchlein gefunden mit einem Brief von ihm“, doch erst einige Zeit später entdeckte auch Lilo ihre Zuneigung zu ihm. „Als er dann im Kriegsdienst war, habe ich ihm Gedichte geschrieben und die kamen dann als Lieder zurück, erst als Liebeslieder, dann später Kinderlieder; dann war er schon ein bisschen interessanter für mich. Ich bin über die Musik zu ihm gekommen. Unser ganzes Kennenlernen war über Briefe und Musik“, erinnert sie sich. 1942 wurde dann geheiratet, 1943 kam das erste von sieben Kindern des Ehepaars zur Welt, doch erst im Juli 1945 kehrte Martin aus Krieg und russischer Gefangenschaft zurück. Aber auch in dieser Zeit der Gefangenschaft im russischen Atkarsk war Hans Martin musikalisch tätig: „Damals entstand seine ‚Atkarsker Weihnachtskantate‘“, erzählt seine Witwe. „Er hat sie auf gebügeltes Packpapier geschrieben, wo er Notenlinien gezogen hatte. Er hatte das Glück, dass die russische Ärztin dort musikalisch war und genehmigt hat, dass die Gefangenen singen durften.“ Eine Kantate, die nicht nur den damaligen Mitgefangenen das Weihnachtsfest veschönt haben dürfte, sondern die auch dazu geführt hat, dass man im Atkarsker Museum vor einigen Jahren einen extra Raum mit Exponaten zu, über und von Hans Martin eingerichtet hat. „Er war also schon bei Lebzeiten im Museum“, kommentiert Lieselotte Martin lächelnd. Übrigens: Die Kantate wurde in den 90er Jahren unter Domkapellmeister Koesler auf CD aufgenommen.
Werkverzeichnis und Biographie bei „Wikipedia“ Nach seiner Heimkehr nahm Martin eine Stelle als Lehrer an, wirkte nebenbei aber auch bald wieder als Organist und Chorleiter in Helmstadt, Ebern und schließlich ab 1956 in St. Gertraud in Würzburg, wo er bis 2003 regelmäßig den Kirchendienst versah. Und natürlich trieb es ihn auch immer wieder zum Komponieren: Sein musikalisches Werk, dessen Verzeichnis zusammen mit Martins Biographie kürzlich im Internetlexikon Wikipedia veröffentlicht wurde, umfasst mehr als 380 Kompositionen und Bearbeitungen, darunter Lieder, Klavier- und Orgelmusik, Kammermusik, Singspiele und Märchenopern, aber vor allem Kirchenmusik jeder Art. „Sein Kompositionsstil war sehr traditionell“, erläutert Siegfried Koesler, „nicht auf der Linie, wie etwa Carl Orff und Oliver Messiaen. Martin war nicht der einzige, der so in der Traditionsweise weiterkomponiert hat, aber das sind die Stillen im Lande, die auch oft zu Unrecht vergessen werden.“ Zahlreiche Ehrungen wurden Martin im Laufe der Jahre verliehen, wie die St.-Bruno-Medaille der Diözese, das Bundesverdienstkreuz am Bande, oder der päpstliche Silvester-Orden. Und natürlich wurden seine Werke gerade im Bistum Würzburg immer wieder gerne aufgeführt.
„In der Musik kam alles zum Klingen“ Auch aus Martins Privatleben war die Musik nicht wegzudenken: „Die Musik spielte die Hauptrolle im Familienleben – zum Leidwesen derer, die das nicht so machen wollten“, verrät Lilo Martin lachend, und fügt ernst hinzu: „Die Pfeiler unser beider Leben waren die Musik und die gleichen Anschauungen in der Religion. Mein Mann hat nicht viel gesagt, aber es war in seinen tiefsten Tiefen – und in der Musik kam alles zum Klingen.“
Weitere Informationen im Internet unter: „www.wikipedia.de“, unter Hans Martin. |
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