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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Gedanken zum Sonntagsevangelium - Sechster Sonntag im Jahreskreis
Jesu unumstößliche Zusage
Es ist wichtig, immer wieder einmal darüber nachzudenken, was unser Alltag mit christlichem Glauben zu tun hat. Sind wir wirklich bereit, uns auf Jesus und seine Botschaft einzulassen?
Dr. Stefan Meyer-Ahlen, Würzburg.
Evangelium
In jener Zeit stieg Jesus mit seinen Jüngern den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen, und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon strömten herbei. Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. Aber weh euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten. Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. Weh euch, wenn euch alle Menschen loben; denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.
Lukas 6,17.20-26
 
Am Beginn des heutigen Sonntagsevangeliums steht eine Bewegung: Jesus steigt vom Berg herab. Das ist übrigens ein wesentlicher Unterschied zur sogenannten „Bergpredigt“ im Matthäusevangelium. Hier – bei Lukas – hat Jesus den Berg schon verlassen, als er zu den Menschen spricht. Bibelwissenschaftler nennen diese Stelle bei Lukas daher auch „Feldrede“.
 
Diese zunächst als randständiges geografisches Detail erscheinende Begebenheit lässt sich vor dem Hintergrund des sich Anschließenden auch inhaltlich deuten: Jesu Botschaft kommt nicht mit einem mächtigen Donnerwort von oben herab oder wird direktiv verordnet. Seine Hinwendung geschieht auf Augenhöhe. Es sind keine entrückten Weisheiten, die Jesus verkündet. Vielmehr handelt es sich um die Zusage des Heils für alle Menschen. Diese spricht Jesus in eine ganz konkrete Situation hinein – zu ganz konkreten Menschen mit ihren ganz konkreten Sorgen und Nöten, aber auch Freuden und Hoffnungen. 
 
Können wir uns das heute noch vorstellen? Dass Jesus in allen Lebenslagen wirklich bei uns ist und uns etwas zu sagen hat? Oder haben wir ihn längst schon wieder mit seiner Botschaft auf den Berg zurückgeschickt und kümmern uns „hier unten“ um unsere Alltäglichkeiten? Kommt Jesus außerhalb des Sonntags bei uns noch vor?
 
Es ist wichtig, immer wieder einmal darüber nachzudenken, was unser Alltag mit christlichem Glauben zu tun hat. Sind wir wirklich bereit, uns auf Jesus und seine Botschaft einzulassen?
 
Was er zu sagen hat, geht zuallererst von einer Zusage aus. Es steht im heutigen Sonntagsevangelium die Zusage, das Erkennungszeichen der Seligkeit – für alle: Selig seid ihr. Das ist eine Aussage, die feststeht: Ihr alle seid selig. Diese Zusage ist allerdings konfrontiert mit den vielen Situationen des „Un-Heils“, in denen Menschen leben und wird so zur Herausforderung: Durch die Zusage Jesu, durch die Botschaft seines Evangeliums – theologisch gesprochen durch die Gnade Gottes – habt ihr die Kraft, euch in schlechten Verhältnissen einzusetzen und diese zu wandeln. Ihr könnt helfen, dass Armut nicht mehr drückt, dass Hunger nicht mehr quält, dass Einsamkeit und Verleumdung nicht mehr den Ton angeben. Helft mit und wandelt die Welt. Auch wenn die Not mal größer und mal kleiner erscheint – es gibt sicherlich keinen irdischen Zustand, der nicht noch – auch durch unser Zutun – zu bessern wäre. 
 
Jesu Zusage des Heils ist nichts Entrücktes. Es wirkt jetzt schon und verändert diese Welt, in der wir herausgefordert sind, uns aus dem Geist Jesu heraus einzusetzen und an der Durchsetzung des Reiches Gottes mitzuwirken. Jesus macht zunächst seine unumstößliche Zusage. Das stärkt uns und begleitet all unser Tun. Deshalb stehen wir dabei nicht allein da.
 
Schließlich steht da noch das vierfache „Weh“ im Text. Menschen sind gefährdet, sich bequem einzurichten und es bei der Mitwirkung am Reich Gottes eher bei der „passiven Mitgliedschaft“ zu belassen. Hier mahnt Jesus nachdrücklich, seiner Botschaft und Herausforderung nicht auszuweichen. Haben wir den Mut dazu! Vielleicht kann daraus ja ein geeigneter Vorsatz für die vor uns liegende Fastenzeit werden.
 
Der Autor ist Studienleiter an der ­Katholischen Akademie Domschule Würzburg. Er arbeitete von 2004 bis 2009 am Lehrstuhl für Moraltheologie und Ethik der Universität Erfurt, wo er mit einer Arbeit über „Ethisches Lernen“ zum Dr. theol. promoviert wurde.
 
Veröffentlicht: 09.02.2010 Dr. Stefan Meyer-Ahlen
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