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Sonntagsblatt |
| Monika Oestemer. |
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Evangelium In jener Zeit begann Jesus in der Synagoge in Nazaret darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs? Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat! Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarépta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. Lukas 4,21–30 Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ Kommen Ihnen diese Worte bekannt vor? Haben Sie diese Worte noch im Ohr? Mit diesen Worten beginnt unser heutiges Sonntagsevangelium, und mit diesen Worten schloss auch das Evangelium am vergangenen Sonntag. Um die Ausgangssituation für unseren heutigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium vor Augen zu haben, lohnt es sich die vorangegangenen Verse (Lukas 4,14-20) noch einmal zu lesen. Was hatte die versammelte Gemeinde in der Synagoge von Nazaret „eben gehört“? Jesus las einen Abschnitt aus dem Buch Jesaja vor. Für die versammelte Gemeinde war das ein vertrauter Text, doch Jesu Art und Weise des Vortrags beeindruckte sie. Hier setzt unser heutiger Abschnitt an, denn auf den zweiten Blick werden die Zuhörer unsicher: Wie kann jemand aus unseren Reihen, aus unserer Umgebung solche Worte sprechen? Die Antwort Jesu lässt sie so wütend werden, dass sie ihn töten wollen. Um das Verhalten der „Leute in der Synagoge“ einordnen zu können, muss man die Erzählungen aus dem Alten Testament von Elija (1 Könige 17,8–16 ff) und Elischa (2 Könige 5,1–18) kennen. In beiden Geschichten geht es darum, dass die Propheten zu allen Menschen, auch zu den so genannten. Heiden (hier: die Witwe von Sarépta und der Syrer Naaman) gesandt werden. Diese Beispiele provozieren die gläubige jüdische Gemeinde und lassen ihr spontanes, unüberlegtes Handeln in einem anderen Licht sehen. Um aber die eigentliche Botschaft dieser Perikope zu entdecken, bedarf es eines weiteren Blickes, nämlich den auf die Zuhörer des Lukasevangeliums zu seiner Zeit. Was hatten sie „eben gehört“? Lukas schreibt für eine überwiegend heidenchristliche Gemeinde, die ungefähr im Jahre 80 nach Christus lebt. Die Gemeindemitglieder haben Jesus nicht mehr persönlich gekannt und sind auf eine glaubhafte Überlieferung angewiesen. Lukas will ihren Glauben stärken. So erfährt die lukanische Gemeinde in diesem Abschnitt eine Fülle von Botschaften über Jesus Christus. Zentrale Aussagen sind: Erstens: In Jesus erfüllen sich die alttestamentlichen Verheißungen. Zweitens: Jesus setzt die Tradition der alttestamentlichen Propheten fort, steht auf ihren Wurzeln und ist zu allen Menschen gesandt. Drittens: Jesus ist der Retter für alle, die am Rande der Gesellschaft stehen. Wichtige und aufrichtende Worte für die (damalige) lukanische Gemeinde; heute können wir sagen: grundsätzliche Aussagen für das ganze Lukasevangelium. Der Blick auf die in der Synagoge versammelte Gemeinde und der auf die lukanische Gemeinde sind notwendig, um eine Antwort zu geben auf die Frage „Was haben sie eben gehört?“. Und was werden wir hören, wenn uns dieses Evangelium verkündet wird? Damals wie heute ist es von unserer eigenen, konkreten Lebenssituation abhängig, ob wir die Frohe Botschaft für uns verstehen und annehmen können, ob dieses Evangelium uns Trost und Halt geben kann oder ob wir uns daran reiben oder es gar ablehnen. Damals wie heute stellt sich Jesus unseren Fragen und Anfragen, unserem Glauben und unserem Zweifel. Es ist an uns, sich immer wieder kritisch mit seinem Wort auseinanderzusetzen und eine Antwort für unser Leben zu entdecken. Die Autorin ist als Gemeindereferentin tätig in der Pfarreiengemeinschaft Würzburg-Heidingsfeld, im Liturgiereferat und als Sachbearbeiterin bei der Erstellung des neuen Gotteslobes.
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