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Sonntagsblatt: POW |
| Bischof Friedhelm.
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Jeder Mensch fragt sich irgendwann einmal: „Gibt es Gott? Wer ist Gott?“ Der Apostel Johannes gibt darauf eine ganz einfache, aber tiefe Antwort: „Gott ist die Liebe“ (Erster Johannesbrief 4,8). Das heißt doch: Gott hat nicht Liebe, sondern er ist die Liebe. Woher wissen wir das? Auch das beantwortet uns Johannes: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Johannesevangelium 1,18). Dieser Er ist das Fleisch gewordene Wort, wie wir bekennen: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Mit der Menschwerdung Gottes offenbart sich in Jesus Christus das Herz Gottes. Durch ihn schlägt das Herz Gottes unter uns! „Damit auch ihr so handelt …“Dieses Herz aber schlägt nicht in einem x-beliebigen Menschen, sondern in dem Sohn Gottes, dem Kind von Betlehem, das sich uns in seiner Hilfsbedürftigkeit gleichsam ausliefert. Aber diese Liebesbewegung zu den Menschen findet in dem Hohenpriester Jesus Christus auch wieder den Weg zum Vater zurück. Er schenkt sich ihm ganz und gar, mit Haut und Haaren, mit all seinen Fähigkeiten und aller Kraft, zurück. Dieses mit zwei Herzkammern schlagende Herz bleibt durch die Weltgeschichte hindurch aktiv und ist auch in jedem grundgelegt, der am gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen Anteil hat. In besonderer Weise aber schlägt es in jedem Priester, den Jesus Christus durch Berufung und Weihe in seine Nachfolge befähigt. In jedem Priester will Christus sein eigenes priesterliches Dasein fortsetzen und vergegenwärtigen. Als der vollkommene Priester ruft er den Aposteln – und damit auch jedem Priester – nach der Fußwaschung zu: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Johannesevangelium 13,15). Maß nehmen an Jesus ChristusDamit wird das Hirten- und Leitungsamt des Priesters Maß nehmen müssen an dem Hohenpriester Jesus Christus. Er ist nicht zum Herrschen, sondern zum Dienen gekommen. Er ist der gute Hirt (vergleiche Johannesevangelium 10,11ff.), der sein Leben freiwillig für die Schafe hingibt und der die Seinen kennt wie der Vater ihn und er den Vater – wieder ist hier die doppelte Bewegung zu den anvertrauten Menschen und zum göttlichen Vater gegeben. Hierin liegt aber auch die Freiwilligkeit der Ganzhingabe des Priesters – auch in der ehelosen Nachfolge um des Himmelsreiches willen – begründet. Der Hirt muss bereit sein, sein Leben für die Schafe hinzugeben. Auch um der Gläubigen willen verzichtet er zugunsten seiner Verfügbarkeit auf Ehe und Familie. Darum dürfen nicht Ersatzfunktionen vom Leben des Priesters Besitz ergreifen, die ihn von der Gemeinde fernhalten. So darf zum Beispiel nicht der freie Tag zu einer „heiligen Kuh“ werden. Der Priester darf auch nicht im Blick auf möglicherweise kommende priesterliche Engpässe schon jetzt eine Notsituation vorwegnehmen. Zur Ganzverfügbarkeit gehört auch der vorbehaltlose Einsatz, der in persona Christi die Liebesdimension nicht verlieren darf. Umgekehrt darf die Gemeinde – und erst recht jetzt die Pfarreiengemeinschaft – das Hirtenamt des Priesters nicht ausnutzen oder überbeanspruchen. Ein einzelner Priester kann nicht das leisten, was früher viele ermöglichten. Er bleibt ein Mensch, der seine Grenzen kennt und für den der Tag auch nur 24 Stunden bereit hält. Mit dem Hirtenamt verbunden ist der Leitungsdienst. Weil sich in der Person des Priesters der Gute Hirt gegenwärtig machen will, führt alle im Weihesakrament mitgegebene Vollmacht auf Christus zurück. Er ist der Herr der Kirche. In Christus kommt dem Priester das Leitungsamt zu, das er als Pfarrer in der lebendigen Verbindung mit dem Bischof, dem Nachfolger der Apostel, ausübt. Mitverantwortung der Gläubigen Diese Verantwortung, die damit dem Pfarrer zukommt, bedeutet aber nicht, dass er alle Leitung ausschließlich und alleine ausüben muss. In ihm bündeln sich die verschiedenen Dienste und Aufgaben, die – je nach Möglichkeit und Aufgabenstellung – delegiert werden können und sollen. Dabei sollten die verschiedenen Charismen der Gläubigen zum Zuge kommen und ihre Mitverantwortung ernst genommen werden. In vielen Pfarreien wirkt sich schon jetzt eine gemeinsam wahrgenommene Verantwortung – unter der Leitung des Pfarrers – segensreich aus. Nur wenn wir uns alle bereit finden, in einem Miteinander zusammenzuarbeiten, werden wir die auf uns zukommenden Herausforderungen auch bestehen können. Der heilige Paulus hat in dem Bild des Leibes (vergleiche Römerbrief 12,4 ff. und Erster Korintherbrief 12,12 ff.) eine Metapher gefunden, die auch das gute Zusammenwirken der verschiedenen Kräfte in einer Pfarreiengemeinschaft beschreiben und anmahnen könnte. Im Anschluss an die Aufzählung der verschiedenen Ämter und Gnadengaben in der Kirche spricht er von dem alles entscheidenden Weg der Liebe (vergleiche Erster Korintherbrief 13): „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe“ (Erster Korintherbrief 13,13). Das Herz Gottes will auch heute unter uns schlagen. An der gelebten Liebe wird uns Gott und die Welt messen.
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