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Würzburger katholisches Sonntagsblatt  > Nachrichten
Vor zehn Jahren gründeten Christen die Nagelkreuzinitiative Würzburg
Versöhnung wagen
WÜRZBURG. Bunte Mosaiksteine setzen sich zum Schriftzug „Versöhnung“ zusammen. Die Buchstaben sind in eine graue Muschelkalkplatte eingelassen. Als Poster hängt dieses Bild bei Johanna Falk an der Wohnzimmertür. Falk ist Sprecherin der Ökumenischen Nagelkreuzinitiative Würzburg, die vor zehn Jahren von evangelischen und katholischen Christen ins Leben gerufen wurde. Die Initiative erinnert an die Zerstörung Würzburgs am 16. März 1945 und tritt für die Versöhnung ehemaliger Kriegsgegner ein.
Johanna Falk mit ihrem Nagelkreuz, das sie 2000 von einem Besuch in Coventry mitgebracht hat.
Jedes Jahr am 16. März überrascht es Johanna Falk, dass „so viele Menschen in Würzburg zu gewinnen sind, am Zerstörungstag den Weg der Versöhnung zu gehen“. Für die Nagelkreuzinitiative ist der Weg der Versöhnung das symbolträchtigste Ereignis des Jahres. Seit 2001 lädt sie dazu ein. Nach dem feierlichen Gedenkmarsch überlässt die christliche Gemeinschaft ihr Nagelkreuz immer einer Gemeinde oder Einrichtung für ein Jahr. Zum zehnten Mal wird es an diesem 16. März so weit sein, wenn das Ökumenische Zentrum Würzburg-Lengfeld das Nagelkreuz von den Oberzeller Franziskanerinnen übernimmt.
 
„Wir haben den Anstoß gegeben für eine neue Erinnerungskultur“, ist Falk überzeugt. Das Gedenken an die Zerstörung Würzburgs sei mit der Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzinitiative verknüpft worden, erklärt sie. So kam 2005 der anglikanische Bischof von Coventry, Colin Bennetts, nach Würzburg. Er ging den Weg der Versöhnung mit und besuchte das „War Requiem“, das damals im Würzburger Dom aufgeführt wurde. Für Falk war dies das „intensivste Erlebnis“ in den letzten zehn Jahren.
 
Coventry ist das Zuhause der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft. Im November 1940 überzogen deutsche Flieger die englische Stadt mit einem Bombenhagel. Ein kleines Kreuz aus Nägeln, die vor der Zerstörung die Deckenbalken der Kathedrale von Coventry zusammenhielten, wurde nach 1945 zum Symbol der Völkerversöhnung. Wie alle Mitglieder der Nagelkreuzgemeinschaft besitzt auch die Würzburger Gruppe eine Nachbildung des berühmten Nagelkreuzes.
 
An die Gründung der Initiative vor zehn Jahren erinnert sich Falk noch genau. Sie war damals in der Leitung der evangelischen Kirchengemeinde Würzburg-Lengfeld aktiv. Wie Falk interessierte sich auch der evangelische Pfarrer der Würzburger Pfarrei St. Stephan, Claus Deininger, für die Nagelkreuzgemeinschaft. Zusammen gaben Falk und Deininger den Anstoß. Sie hörten sich bei ökumenischen Gebetskreisen um, ob Interesse bestehe, eine Nagelkreuzinitiative zu gründen.
 

Ökumenischer Geist

„Es war von Anfang an klar, dass das Ganze eine ökumenische Angelegenheit sein würde“, erzählt Falk. 2000 bildete sich eine Gruppe von Christen beider Konfessionen, die sich für das Ideal der Versöhnung begeisterten. Im Folgejahr übergab der Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums in Coventry der Initiative ihr Nagelkreuz.

Die Ökumene ist Falk ein besonderes Anliegen. „Versöhnung ist ein Auftrag aller Christen, gleich welcher Konfession. Darüber hinaus hat sie einen hohen Stellenwert in allen Religionen“, betont sie. Diese Sicht hat Falk aus ihrem Elternhaus mitgenommen. Ihr Vater, ein aktives Mitglied der evangelischen Kirche, verfügte in den fünfziger Jahren über zahlreiche ökumenische Kontakte. Seine Tochter wuchs in diesem Geiste auf. In ihrer Heimatstadt München nahm Falk an Gottesdiensten des katholischen Theologen Romano Guardini teil und besuchte die Fronleichnamsprozession. „Man darf nicht nur in der eigenen Konfession aufgehen. Man muss aufeinander hören, um sich zu verstehen“, sagt Falk.
 
Dem Ökumenischen Kirchentag in München sieht die Sprecherin der Nagelkreuzinitiative gespannt entgegen. Sie wird am Stand der Nagelkreuzgemeinschaft stehen, Nagelkreuze verkaufen, Flyer verteilen und Gespräche führen. Einen eigenen Gottesdienst hat die Nagelkreuzgemeinschaft beantragt, aber wegen der vielen Anträge ist noch offen, ob er stattfinden wird. Für Falk ist etwas Anderes entscheidend. „Die Kommunikation zwischen den christlichen Gemeinschaften darf nicht aufhören“, unterstreicht sie. „Das Gespräch ist Ausdruck ökumenischer Verbundenheit und Teil der christlichen Tradition.“ 
Veröffentlicht: 09.03.2010 Ulrich Bausewein
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