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Sonntagsblatt Bernhard Schweßinger |
| Christoph Warmuth, 1959 in Obernburg geboren, wurde 1987 zum Priester geweiht. Von 1990 bis 1998 war er Subregens im Priesterseminar, von 1998 bis 2002 Diözesan-Jugendseelsorger. Seit 2002 ist er stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Ordinariat und seit 2007 als Bereichsleiter mit der Gemeindeentwicklung betraut.
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? Am ersten Fastensonntag ist der von Bischof Friedhelm ausgegebene Stichtag, an dem alle Pfarreiengemeinschaften errichtet sein sollen. Wurde das angepeilte Ziel erreicht? Sind damit auch alle Pfarreiengemeinschaften gegründet? Der Bereich Gemeindeentwicklung in der Hauptabteilung Seelsorge hat im Zusammenwirken mit weiteren Abteilungen des Bischöflichen Ordinariates das Ziel fast erreicht. Von den geplanten 164 Pfarreiengemeinschaften werden etwa 157 errichtet worden sein. Bei einzelnen geplanten Pfarreiengemeinschaften sind durch unvorhergesehene Vakanzen oder durch nachträgliche Umplanungen neue Situationen eingetreten. Diese Pfarreiengemeinschaften werden im Laufe dieses Jahres die Errichtung abschließen. Eine Reihe von Pfarreiengemeinschaften ist bereits errichtet, feiert jedoch die Errichtung erst nach dem ersten Fastensonntag. ? Wann in etwa wird der Prozess der Gründung der Pfarreiengemeinschaften im Bistum Würzburg abgeschlossen sein? Der Prozess der Gründung ist mit der Errichtung der Pfarreiengemeinschaften abgeschlossen. Damit sind die neuen Seelsorgeeinheiten jedoch nicht fertig. Nach der Errichtung geht es darum, Formen der Zusammenarbeit in der Pfarreiengemeinschaft und auch innerhalb des Dekanates zu entwickeln, um die Seelsorge zeitgemäß zu gestalten. Dieser Prozess der Entwicklung von Seelsorge ist eine Aufgabe bei der wir immer wieder neu das kirchliche Handeln am Leben der Menschen ausrichten müssen. ?Sind Sie mit dem Verlauf der Umstrukturierung zu Pfarreiengemeinschaften zufrieden? In den meisten Errichtungsprozessen sind die Schritte zu den neuen Formen der Zusammenarbeit gut gelungen. Etliche Pfarreiengemeinschaften haben diesen Entwicklungsprozess dazu genutzt auch inhaltlich neue Wege zu gehen. Es gibt auch einzelne Situationen vor allem im ländlichen Bereich, die sehr komplex sind. Hier wird es sicher darum gehen in den nächsten Jahren verstärkt aufeinander zuzugehen und den Mehrwert der neuen Einheiten zu entwickeln. ? Ist die Umstrukturierung bei den Gläubigen in den einzelnen Gemeinden überall auf Verständnis gestoßen? Vor allem in den ländlichen Dekanaten sehen die Angehörigen der kleinen Gemeinden die Vorteile der Zusammenarbeit in einer Pfarreiengemeinschaft. Viele Felder der Seelsorge sind bei kleiner werdenden Gemeinden nur im Zusammenspiel gestaltbar. Angebote für Kinder und Jugendliche, für Familien, die Angebote von Verbänden und so weiter greifen oftmals erst dann, wenn sie im Blick auf die gesamte Pfarreiengemeinschaft angegangen werden. Es gibt auch die Sichtweise, alles solle so bleiben wie bisher. Diese Haltung begegnet uns vor allem dort, wo die tatsächlichen Veränderungen in Gesellschaft und Kirche nicht gesehen werden. Doch auch in Gemeinden, in denen sich scheinbar nichts ändert, hat sich das Leben der Menschen in den vergangenen 20 bis 30 Jahren deutlich weiterentwickelt. Die Bildung von Schulzentren, veränderte Arbeitsbedingungen, der Rückgang der Bevölkerungs- und damit auch der Katholikenzahlen zwingt uns dazu, Pfarreiengemeinschaften zu errichten – und das nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten. ? Gab es Schwierigkeiten bei der Berücksichtigung historischer und kommunalpolitischer Gemeindeentwicklung? In sehr vielen Errichtungen haben wir die Pfarreiengemeinschaft entsprechend der kommunalen Zugehörigkeit gebildet. Wo die Zusammenarbeit in der Kommune beziehungsweise Verwaltungsgemeinschaft gelingt, dort findet die Errichtung der Pfarreiengemeinschaft deutliche Unterstützung. Wo zwischen Gemeinden jedoch Spannungen bestehen, schlägt dies oft auch auf die Zusammenarbeit im kirchlichen Bereich durch. ? Haben Sie zu Beginn des Prozesses die Entwicklung in den Kirchengemeinden so eingeschätzt, wie es gekommen ist? Oder gab es für Sie Überraschungen? Bei jedem Projekt wie diesem, das ja schon unter Bischof Paul-Werner angestoßen und von Pastoralreferent Rainer Ziegler konzeptioniert wurde, geht es nicht ohne unvorhergesehene Entwicklungen ab. Vor vier Jahren wurde mit der Veröffentlichung der „Richtlinien zur Errichtung einer Pfarreiengemeinschaft“ durch Bischof Friedhelm das Projekt deutlich beschleunigt. Im großen und ganzen sind die Errichtungen der Pfarreiengemeinschaften wie angezielt gelungen. ?Wenn Sie noch einmal von Neuem beginnen könnten, was würden Sie heute anders machen? In jedem Projekt dieser Größenordnung lernt man hinzu. Vor allem in manchen schwierigen Situationen zeigt es sich, wie nötig es ist, alle Beteiligten in einer Pfarreiengemeinschaft und alle beteiligten Abteilungen des Ordinariates eng miteinander ins Gespräch zu bringen und Informationen zeitnah an alle zu vermitteln. Kommunikation ist hier von zentraler Bedeutung. ? Inwieweit haben Strukturprozesse in anderen Bistümern Ihre Planungen beeinflusst? Es gibt eine Vernetzung der Verantwortlichen für Gemeindeentwicklung in den süddeutschen Diözesen. Auf dieser Ebene findet ein Austausch über Planungen und Maßnahmen statt. Davon profitieren wir. Dennoch sind die Situationen in den Diözesen doch auch so unterschiedlich, dass Maßnahmen nicht einfach übernommen werden können. ?Ist die Bildung von Pfarreiengemeinschaften in unserem Bistum ein ganz individuelles „Würzburger Modell“? Das Bistum hat sich entschieden, Pfarreien nicht aufzulösen, sondern Pfarreiengemeinschaften zu bilden. Dieses Grundmodell ist vor allem in den Diözesen Süddeutschlands in verschiedenen Varianten umgesetzt worden. In einigen norddeutschen Diözesen wurde eher auf die Fusion von Pfarreien gesetzt. Diesen Schritt ist die Diözese Würzburg bewusst nicht gegangen. Indem Pfarreien nicht aufgehoben werden, sondern eingebettet in eine Pfarreiengemeinschaft Seelsorge zeitgemäßer gestalten zu können, versuchen wir, die vielen kleinen Gemeinden, die für die Identität der Menschen vor Ort wichtig sind wertzuschätzen. Ein ausgesprochen „Würzburger Modell“ gibt es damit jedoch nicht. ? Sind durch die Bildung von Pfarreiengemeinschaften Auswirkungen auf die Dekanatsstruktur zu erwarten? Die Überlegungen zur Zukunft der Dekanate wurden bereits angestoßen. Nach der Pfarrgemeinderatswahl im März 2010 werden auch die Dekanatsräte neu aus Vertretern der Pfarreiengemeinschaften gebildet werden. Welche Entwicklung die Dekanate nach der Errichtung aller Pfarreiengemeinschaften nehmen, wird in den nächsten vier Jahren bearbeitet werden müssen. ? Hat das Modell Pfarrverband ausgedient? Mit der Errichtung von Pfarrverbänden hat der Neustrukturierungsprozess der Seelsorgeeinheiten in unserem Bistum in den 70er Jahren begonnen. Die Diözese hat entschieden, alle Pfarrverbände aufzuheben, da Pfarrverbände und neu gegründete Pfarreiengemeinschaften miteinander in Konkurrenz stünden. Wo sich innerhalb eines Pfarrverbandes gute Formen des pastoralen Miteinander ausgeprägt haben, sollen sie natürlich auch innerhalb der Pfarreiengemeinschaften beziehungsweise zwischen ihnen weitergepflegt werden. ? Welche Dauer räumen Sie persönlich der Pfarreiengemeinschafts-Struktur angesichts des deutschlandweiten Trends zu immer größeren Einheiten ein? Unsere Seelsorgeeinheiten müssen überschaubar bleiben. Es ist für mich damit nicht vorstellbar, dass Pfarreingemeinschaften immer weiter vergrößert werden. In einigen Situationen werden wir nicht umhin kommen, kleine Pfarreiengemeinschaften größeren Nachbareinheiten anzuschließen. Diese Überlegungen wurden aber bereits mit den Beteiligten angesprochen. Neben 30 Pfarreiengemeinschaften mit weniger als 3000 Katholiken und zehn Pfarreiengemeinschaften mit mehr als 8000 Katholiken liegt die größte Anzahl bei knapp 5000 Katholiken. Die Größe unserer Seelsorgeeinheiten kann bei unseren vielen kleinen Gemeinden nicht beliebig erhöht werden. Zugleich ist mit einer Zahl zwischen 4000 und 6000 Katholiken die Gestaltung differenzierter Angebote für verschiedene Zielgruppen besser möglich als in kleinen Einheiten.
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